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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 23:00 Uhr

Malente : Passt! Die neue Brücke ist da

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein 250-Tonnen-Kran hievt die 21 Meter lange und 4,5 Tonnen schwere Aluminium-Konstruktion problemlos ans Schwentine-Ufer.

shz.de von
erstellt am 24.Aug.2017 | 04:00 Uhr

Als Sönke Gutsche gestern Vormittag die neue Fußgängerbrücke an ihrem Platz sah, war er spontan begeistert: „Die ist schick, auch vom Farbton her“, schwärmte der Bauhof-Mitarbeiter. „Davon hat Malente viele Jahrzehnte etwas“, zeigte er sich überzeugt. Schon kurz nach 9 Uhr senkte sich die 21 Meter lange Aluminium-Konstruktion auf die dafür mit großem Aufwand tief am Ufer der Schwentine gegründeten Betonfundamente. Im Vergleich zur alten Holzkonstruktion zeigt die neue Brücke einen modernes Aussehen, dass gar nicht so schlecht zur vor rund zehn Jahren sanierten Diekseebucht passt.

„Ich kann den Herrschaften nur gratulieren, dass sie schnell und passgenau gebaut haben“, lobte Gutsche die Herstellerfirma „Peter Maier Leichtbau“ aus dem schwäbischen Singen und die Firma Hermann Koth aus Schieren (Kreis Segeberg), die für die Fundamente sorgte.

Die Ratekauer Kranfirma Sönke Jordt musste allerdings schon ihr größtes Gerät aufbieten, um die 4,5 Tonnen schwere Konstruktion an ihren Platz wenige Meter vom ehemaligen „Intermar“-Hotel entfernt zu hieven. Für den fünfachsigen 250-Tonnen-Kran sei die Übung dann allerdings ein Leichtes gewesen, berichtete Kranführer John Klebs. Ausgerüstet mit per Sattelzug angelieferten Gegengewichten von 41 Tonnen – bis zu 60 Tonnen sind möglich – überbrückte der Kran rund 35 Meter vom Schwertransporter in der Hindenburgallee bis zur Schwentine. „Bis zu acht Tonnen Gewicht wären möglich gewesen, mit weiteren Gegengewichten noch mehr“, berichtete Klebs.

Nur eine Viertelstunde lang schwebte die Brücke am Haken, dann lag sie auch schon an Ort und Stelle. Alles verlief reibungslos. Lediglich zwei Bäume in der Hindenburgallee mussten jeweils einen etwas größeren Ast lassen, um Platz für das Kran-Manöver zu schaffen, außerdem wurden ein Mülleimer und ein paar Meter Hecke am Schwentine-Ufer entfernt. Bereits um 11 Uhr floss der Durchgangsverkehr auf der Hindenburgallee wieder.

Die beiden Mitarbeiter
der Brückenbaufirma, Georg Hinze und Dominik Marschall, sowie Sönke Gutsche und Uwe Thies vom Malenter Bauamt gehörten zu den ersten, die die neue Verbindung nutzten. Der Weg zur Brücke selbst war bekanntlich nicht so reibungslos. Streit um die aufwendige Gründung mit bis zu 14 Meter tiefen Stahlpfählen und die damit verbundenen Kosten hatte für eine lange Verzögerung des Projekts gesorgt. Bereits im September 2015 war die alte Brücke gesperrt worden. Die Holzkonstruktion war verrottet. Die neue Brücke selbst kostet rund 71  000 Euro, einschließlich aller notwendigen Arbeiten – einschließlich der Entfernung der alten Fundamente – schwoll die Gesamtsumme aber auf rund 217  000 Euro an.

Zuletzt verzögerte auch noch ein brütendes Blässhuhn die Arbeiten an den Fundamenten. Fast wäre der Schwertransport noch in Gefahr geraten, weil für die 910 Kilometer lange Strecke nicht alle Sondergenehmigungen vorlagen, berichtete Uwe Thies. Mit einigen Telefonaten lösten er und die Transportfirma schließlich auch dieses Problem.

Zu den Schaulustigen zählte auch Gastwirt Günter Koch, dessen Bootshaus unter der abgeschnittenen Verbindung zwischen Hindenburgallee und Dieksee-Promenade zu leiden hatte. Deswegen will er die Fertigstellung am Montag, 28. August, um 21 Uhr auf der Brücke mit einer kleinen Feier mit Gratis-Secco und einem kleinen Feuerwerk (21.30 Uhr) begehen.

Ganz zufrieden zeigte sich Koch allerdings nicht. Er befürchtet, dass die zwar angeschrägten, aber rund einen Zentimeter hohe Kanten, mit denen die Lauffläche der Brücke an den Ufern auf den Fundamenten aufliegt, für Rollstuhlfahrer zur Hürde werden. Aus Sicht von Uwe Thies kein Problem: Absätze von bis zu zwei Zentimetern seien auf Wegen üblich, erklärte er. Die Kanten seien konstruktiv bedingt. Weil sich die Brücke mit steigenden Temperaturen ausdehne und auch bei Schwingungen ihre Länge verändere, könne sie nicht auf Stoß an den Fundamenten liegen.

Bereits am Montagvormittag (28. August) will Bürgermeisterin Tanja Rönck die Brücke um 11.30 Uhr einweihen. Bis dahin sind noch letzte Arbeiten zu erledigen. Gestern lagerte die Brücke noch auf Holzblöcken, Dominik Marschall und Georg Hinze machten sich noch am Vormittag daran, die Beton-Auflager fertigzustellen, in denen die Brücke verschraubt wird. Ist der Beton durchgetrocknet, wollen Bauhof-Mitarbeiter die Brücke mit hydraulischen Wagenhebern anheben, die Holzblöcke entfernen und die Schrauben endgültig festziehen. Bis dahin bleibe die Brücke gesperrt, erklärte Gutsche. So lange der Beton nicht ausgehärtet sei, könnten Schwingungen zu Rissen führen.

Künftig wird der Bauhof aller Voraussicht nach aber sehr wenig Arbeit mit der Brücke haben. „Die ist sehr pflegeleicht“, sagte Sönke Gutsche. Da sie nicht gestrichen sei, könne auch keine Farbe abblättern. Freuen können sich auch Wasserwanderer. Die neue Brücke soll ihnen rund 15 Zentimeter mehr Kopffreiheit gewähren.

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