Parker verhindern Straßenreinigung

Wenn Autos den Fahrbahnrand versperren, bleibt nur das Kehren auf der Straße. Ein zeitlich und örtlich begrenztes Parkverbot finden Stadt und Kreis unpraktikabel.
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Wenn Autos den Fahrbahnrand versperren, bleibt nur das Kehren auf der Straße. Ein zeitlich und örtlich begrenztes Parkverbot finden Stadt und Kreis unpraktikabel.

Gebührenzahler ärgern sich, wenn die Straße dreckig bleibt – Manfred Howe auch. Ein Parkverbot könnte Abhilfe schaffen

shz.de von
17. Januar 2018, 00:44 Uhr

Die aktuellen Jahres-Abgabenbescheide sind bei vielen Eutiner Grundstücksbesitzern gerade ins Haus geflattert – auch die Abrechnung für die Straßenreinigung. 1,62 Euro für den laufenden Frontmeter kostet die Einfachreinigung, das doppelte pro Meter, wenn Manfred Howe mehrmals mit seiner Kehrmaschine im Jahr vorbeikommt. Aber wird bei uns eigentlich gekehrt? Eine Frage, die immer häufiger gestellt wird – auch nachdem der eigentliche Kehrtag war.

Das Problem: Manfred Howe kann so früh losfahren, wie er will, es gibt gerade in den Wohnstraßen immer parkende Autos, die verhindern, dass sein Job astrein verläuft. „Es gibt Stellen, da bin ich schon seit Jahren nicht mehr rangekommen“, sagt Howe. Dabei habe er die Touren vereinzelt schon so umgeplant, dass er beispielsweise in der Plöner Straße oder vor der Berufsschule eine Stunde früher als sonst beginne. Ebenso bei Spezialaufträgen wie die Reinigung der Verkehrsinseln – „sonst ist da kein Durchkommen, ob Berufsverkehr oder Parker“, weiß Howe.

Sein Metier ist die Straße: Länger als ein Jahrzehnt reinigt der Angestellte des Baubetriebshofes mehr als 120 Straßenkilometer in Eutin, Fissau und Sielbeck mit seinem Gefährt in gemütlichem Schneckentempo von etwa drei Kilometern pro Stunde. „Sonst wird das nicht ordentlich sauber.“ Einzige Ausnahme: Frost. „Da friert der Saugschlauch ein.“ Dann sattelt Howe um auf Winterdienst. Er weiß, wer wann etwa auf Arbeit fährt, wann die ersten Schüler parken und wann so spezielle Manöver wie die Reinigung von Einbahnstraßen in entgegengesetzte Richtung machbar sind. „Ich mach’ dann meine Rundum-Leuchte an, es nützt ja nichts. Wenn beide Seiten sauber sein sollen – ich hab’ nur auf einer Seite den Tellerbesen.“ Doch das ärgert ihn nicht, daran hat er sich längst gewöhnt. Ihn grämt viel mehr, wenn er einen Straßenzug nicht ganz gekehrt hinterlassen muss, seinen Job nicht komplett erfüllen kann. Nicht nur ihn ärgert das, auch den Baubetriebshofleiter Jens Rehfeld, der immer wieder Beschwerde-Anrufe bekommt: „Die Menschen zahlen dafür, dass die Kehrmaschine im Einsatz ist und dann kann sie nicht sauber machen, weil parkende Autos im Weg stehen. Da ist der Ärger völlig verständlich.“ Es seien aber schon mal deutlich mehr Beschwerden gewesen. Damals hatte die Mannschaft vom Baubetriebshof der Stadt Eutin vorgeschlagen, ein partielles Parkverbot nur für den jeweiligen Reinigungstag in einem Zeitfenster von etwa zwei Stunden in den Straßenzügen einzurichten. „Das würde uns schon reichen und sehr helfen“, so Rehfeld. Aber bis heute ist keine sichtbare Reaktion der Stadt Eutin darauf erfolgt.

Die Stadt antwortet dazu auf OHA-Nachfrage: „Ein zeitlich begrenztes Parkverbot wurde vom Ordnungsbereich in 2014 geprüft und nach Rücksprache mit der Polizei und den Kreisbehörden als nicht praktikabel verworfen.“ Schade eigentlich, findet Howe. Mit anderen Meldungen von seiner Tour hat er deutlich mehr Erfolg: „Wenn Hecken und Büsche in die Fahrbahn ragen, meldet er das sofort und entweder wir können dann handeln, wenn es im öffentlichen Bereich ist oder die Verwaltung kümmert sich drum und spricht die Besitzer an“, sagt Rehfeld. Die wirklich schöne Zeit für Howe sind die Ferien, nicht, weil er da manchmal auch frei hat, sondern weil er da nicht früher aufstehen muss, um vor den Schülern in der Straße zu sein.

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