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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 05:18 Uhr

Eutin : Parco: Eutins erster Supermarkt

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Vor 50 Jahren hat am 24. Oktober die Eutiner Filiale mit Selbstbedienung am Markt geöffnet. Knapp 40 Mitarbeiter waren 1963 bei Parco an Bord

shz.de von
erstellt am 24.Okt.2013 | 18:15 Uhr

Zeit zum Nachdenken braucht Alfred Severin nicht. Der 78-Jährige erinnert sich aus dem Stegreif noch an viele Details von der Eröffnung der Eutiner Parco-Filiale auf dem Markt. Heute liegt dies genau 50 Jahre zurück. Severin war damals Geschäftsstellenleiter des Parco-Marktes, des ersten Supermarktes mit Selbstbedienung (SB) in der Stadt. „Als die Kunden in den Laden kamen, staunten sie nicht schlecht, denn so etwas kannten sie höchstens aus Erzählungen.“

Gleiches galt für die Verkaufsfläche. „Schon bei der Eröffnung standen uns über 500 Quadratmeter zur Verfügung, um all die Waren anbieten zu können.“ Damit sei der SB-Markt, in dem heute Sky untergebracht ist, mehr als dreimal so groß gewesen wie herkömmliche Kaufmannsläden. „Und wir waren zu dem Zeitpunkt der größte Parco-Markt in ganz Schleswig-Holstein“, ergänzt Severin stolz.

Dabei habe sich das Sortiment damals kaum von dem der kleineren Kaufmannsläden in Eutin unterschieden. „Wir haben fertig abgepacktes SB-Fleisch, Salate, Wurst, Margarine, Milch, Brot und Brötchen sowie Obst und Gemüse verkauft.“ Zudem bot Parco in einem dem Markt vorgelagerten Abschnitt Zeitschriften, Tabak- und Drogerieprodukte an. „Einen Imbiss haben wir auch betrieben, der kam sehr gut bei den Kunden an.“

Doch anders als in den Kaufmannsläden konnten die Kunden das gesamte Angebot selbst einsehen. „Daher kauften viele von ihnen Sachen ein, die sie gar nicht unbedingt brauchten und die auch nicht auf dem Einkaufszettel standen“, sagt der 78-Jährige lachend. Dies kann Dieter Schädlich nur bestätigen. Der 76-jährige Eutiner war zwar am Eröffnungstag nicht im Parco-Markt, doch an die damalige Strahlkraft des Ladens kann er sich noch bestens erinnern. „Ich habe mich richtig gefreut, das gesamte Sortiment selbst in Augenschein nehmen zu können.“ In den Kaufmannsläden seien die gewünschten Produkte einzeln aus dem Lager geholt worden. „Da wusste man gar nicht, was genau die alles anbieten.“

Dies war dagegen der große Vorteil bei Parco. Aber woher stammt eigentlich der Name? „Ich weiß es selber nicht ganz sicher“, räumt der ehemalige Filialleiter ein, der zuvor in Neumünster und Lübeck bereits bei dem Unternehmen gearbeitet hat. „Ich vermute, dass es aus dem Griechischen kommt und ,ich spare‘ heißt.“

Keineswegs gespart hat der Eutiner Parco am Personal. „Wir hatten knapp 40 Mitarbeiter und die brauchten wir auch.“ So etwa bei der Fleischverarbeitung: „Wir bekamen Teile von geschlachteten Schweinen und Rindern angeliefert, haben die dann in Eigenarbeit zerlegt und für die Selbstbedienung verpackt.“ Das Geschäft damit florierte dermaßen, dass die Eutiner Mitarbeiter wenig später auch für die Parco-Märkte in Preetz und Plön Fleisch zerlegten und verpackten. „Und das, obwohl in Eutin mehrere gute Fleischereien in naher Umgebung waren“, berichtet Severin.

Täglich frisch geliefert bekam der Markt heimisches Obst und Gemüse vom Hamburger Großmarkt. „Wir hatten einen eigenen Einkäufer, der jeden Morgen um 3 Uhr für uns die Obst- und Gemüsesorte in gewünschter Menge gekauft hat und sie auf einen Lkw verlud, der sie nach Eutin brachte.“

Nicht nur in der Hinsicht ähnelt der derzeitige Markt seinem Vorgänger von vor einem halben Jahrhundert: Severin: „Abgesehen von dem rechts im Markt gelegenen Teil, wo alkoholische Getränke und Süßwaren angeboten werden, hatten wir 1963 dieselbe Verkaufsfläche zur Verfügung.“ Doch diese genügte der Parco-Unternehmensleitung nicht. „Der Chef kam von Karstadt und wollte Parco auch in ein kleines Kaufhaus verwandeln“, erläutert Severin. „Deshalb hatten wir bei der Markt-Eröffnung in Eutin schon ein Loch in der Decke für die Rolltreppe.“ Diese wurde im darauffolgenden Jahr eingebaut, als Parco seine Verkaufsfläche um eine gesamte Etage vergrößerte, auf der Nonfood-Produkte, wie Spielwaren, Werkzeuge oder Textilbekleidung, angeboten wurden. Somit besaß der Parco-Markt die erste Rolltreppe Eutins.

Entsprechend neugierig waren die Kunden. „Die Erweiterung des Sortiments war für uns erfolgreich, aber trotzdem hat die Unternehmensleitung entschieden, sich auf andere Geschäftsbereiche zu konzentrieren.“ So wurde Parco 1973 an die Supermarktkette Coop verkauft, zu der auch Sky gehört. Dies wiederum spielt in der Wahrnehmung von Dieter Schädlich und Alfred Severin keine entscheidende Rolle. Für sie heißt der Supermarkt auch weiterhin schlicht Parco.

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