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Pädophilie-Prozess: Täter kommt mit Bewährung davon

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

shz.de von
erstellt am 06.Okt.2014 | 12:57 Uhr

Es ging um den Vorwurf der sexuellen Handlung vor einem Kind und endete mit einem Schuldspruch wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen in vier Fällen: Aus diesem Grund hat das Jugendschöffengericht Eutin gestern einen 27-jähriger Mann aus dem Raum Plön zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr auf Bewährung, sowie einer einmaligen Zahlung von 1000 Euro an den Kinderschutzbund verurteilt. Der verantwortliche Richter Otto Witt entsprach damit der Forderung der Staatsanwaltschaft.

Die Anklage beschuldigte den Mann, seinen Firmenwagen im Zeitraum vom 27. Januar bis zum 20. Februar mehrfach in der Straße Bast nahe der Gustav-Peters-Grundschule in Eutin-Fissau abgestellt und sich dann dort selbst befriedigt zu haben. Damit habe er billigend in Kauf genommen und wohl auch bezweckt, von vorbeigehenden Schulkidern auf deren Schulweg bei der Onanie beobachtet zu werden, was in insgesamt vier verschiedenen Fällen dann auch passierte. Die Kinder, allesamt Mädchen im Alter von acht bis elf Jahren, berichteten später ihren Eltern von den Vorfällen, diese zeigten den Mann letztlich an.

„Sie sind sich hoffentlich darüber im Klaren, dass ihr Verhalten unverantwortlich war“, geißelte Otto Witt in seiner Urteilsverkündung den Angeklagten. In einem solchen Alter seien Kinder unglaublich leicht beeinflussbar, und die Folgen des Gesehenen für ihre weitere Entwicklung noch nicht abzusehen. Die Staatsanwaltschaft hatte dem Beschuldigten in ihrem Plädoyer zuvor noch dessen umfangreiches Geständnis, das den betroffenen Mädchen eine Aussage vor Gericht ersparte, sowie den Willen zur Behandlung seiner krankhaften Neigungen zugute gehalten. „Sie sind Ersttäter, kennen ihre Probleme, zeigen zudem Einsicht und Reue, sind aber vor allem auch bereit, etwas zu ändern“, sagte etwa der Anwalt der Nebenklage, Andre Vogel. Und dennoch: Für die Kinder und ihre Familien sei die Situation noch viel unangenehmer, eine Strafe von unter einem Jahr auf Bewährung daher nicht realistisch.

Der Angeklagte selbst berichtete in seiner Aussage auch von den möglichen Ursprüngen seiner pädophilen Veranlagung, als er vor etwa vier Jahren erstmals in engeren Kontakt mit einer Minderjährigen kam, der Nichte seines damaligen Chefs. „Da habe ich das erste Mal gemerkt, dass eine Neigung zur sexuellen Befriedigung in der näheren Umgebung von Kindern in mir ist.“

Zur Behandlung seiner Probleme ordnete das Gericht an, dem geständigen Täter einen Bewährungshelfer zur Seite zu stellen. Außerdem wurden bereits Kontakte zur „Beratungsstelle im Packhaus“, sowie dem „Zentrum für Integrative Psychiatrie“ (ZIP) in Kiel hergestellt. Beide Einrichtungen dienen primär dem Ziel zur Verhinderung erneuter Sexualdelikte an Kindern oder Frauen. Am Ende der Verhandlung sprach Richter Otto Witt aber auch nochmals mahnende Worte: „Sie stehen unter Beobachtung. Bei der kleinsten Auffälligkeit gibt es ab jetzt Knast pur.“

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