Ostseelandwirt des Jahres

Für ihre umweltschonende Wirtschaftsweise hat der WWF Frank und Kathrin Schumacher ausgezeichnet.
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Für ihre umweltschonende Wirtschaftsweise hat der WWF Frank und Kathrin Schumacher ausgezeichnet.

Die Naturschutzorganisation WWF zeichnet Familie Schumacher für umweltschonenden Düngereinsatz aus

shz.de von
16. Juni 2014, 11:23 Uhr

Die Naturschutzorganisation WWF hat die Familie Schumacher mit ihrem Bauernhof Radlandsichten in der Gemeinde Malente zum „Ostsee-Landwirt des Jahres 2014“ gekürt. „Der Betrieb der Familie Schumacher zeigt, dass auch konventionelle Landwirtschaft einen wertvollen Beitrag für eine gesunde Ostsee leisten kann“, heißt es in der Jury-Begründung. Die Bäche der Region entwässerten alle in die rund 20 Kilometer entfernte Ostsee, daher sei es besonders wichtig, Überdüngung zu vermeiden, da diese die sauerstofffreien „Todeszonen“ in der Ostsee verursachen, teilte der WWF mit.

„Früher galt die Devise immer mehr und intensiver zu produzieren. Heute machen wir das, was für den Boden und den Betrieb gut ist“, sagt Altbauer Gerd Schumacher zurückblickend. Und mit Blick auf die Böden fügt er hinzu: „Wenn du was an die nächste Generation zu vererben hast, muss es ja brauchbar sein.“ Deshalb unterzog sich der Betrieb einer freiwilligen Analyse, auf deren Grundlage die Dünger- und Pestizidmengen reduziert wurden. In Zusammenarbeit mit anderen Landwirten sei so in der Sieversdorfer Au ein wertvolles Feuchtgebiet entstanden, erklärte der WWF.

Seit über 200 Jahren ist der Bauernhof, wie der WWF in seinem Pressetext ausführt, in Familienbesitz. Frank Schumacher hat den 330 Hektar großen Hof nach der Ausbildung zum Agraringenieur von seinem Vater Gerd übernommen und bewirtschaftet das Acker- und Grünland gemeinsam mit einem benachbarten Bauern. Auf den Feldern wachsen Raps, Weizen, Roggen, Gerste und Mais. Die Grünlandflächen dienen als Weideland für Pensionsrinder. Mit den „Ferien auf dem Bauernhof“ erwirtschaftet seine Frau Kathrin Schumacher ein Drittel des Einkommens. Dazu gehören der Hofladen, Hofcafé, Ferienwohnungen und Hochseilgarten.

Als passionierten Jägern und Naturliebhabern liegt den Schumachers die Artenvielfalt auf ihren Flächen sehr am Herzen. In den vergangenen Jahren haben sie Randstreifen angelegt, Amphibienbiotope geschaffen und Gehölze und Knicks gepflanzt. Besonders stolz sind sie auf die renaturierten Flächen an der Sieversdorfer Au. In Zusammenarbeit mit dem Wasser- und Bodenverband Schwentine konnten im Rahmen einer Flurneuordnung zahlreiche Landwirte eingebunden werden.

Seit 2007 ist ein wertvolles Feuchtgebiet entstanden, in dem Robustrinder auf feuchten Wiesen grasen und im Frühjahr großflächig Sumpfdotterblumen blühen. Die Fließgeschwindigkeit der Gewässer wurde deutlich verringert. Die im Winter überschwemmten Wiesen halten Hochwässer zurück und filtern Nährstoffe aus, so dass das Gebiet wesentlich zur Gewässerreinhaltung beiträgt. Es rasten Kraniche und Singschwäne, Moorfrösche quaken und der Fischotter ist wieder heimisch.

Mit dem Preis „Ostsee-Landwirt des Jahres“ will der WWF Bauern motivieren, durch weniger Dünger den Schutz der Meere zu verstärken. Der Wettbewerb wurde im Jahr 2009 vom WWF und der Swedbank in Zusammenarbeit mit dem Baltic Farmers Forum for the Environment (BFFE) und Bauernverbänden in den Ostseeanrainerstaaten ins Leben gerufen. In den teilnehmenden Staaten wird je ein
nationaler Preisträger von
einer Jury ausgezeichnet. In Deutschland setzt sich die Jury aus Vertretern der Wissenschaft, des Naturschutzes, des Landesministeriums und des Bauernverbandes zusammen.

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