Ostseebotschafter aus Überzeugung

Ehrenamtler werben für ihre Region, sind Mittler zwischen Einheimischen und Marketing-Menschen / Gestern tourten sie durch Eutin

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28. Juli 2015, 12:52 Uhr

Sie kennen ihre Region wie die eigene Westentasche, sind überzeugt von deren landschaftlicher Schönheit und engagieren sich vor Ort für Tourismus und Einheimische – die Ostseebotschafter des Ostsee-Holstein-Tourismus (OHT).

16 von ihnen, allesamt Ehrenamtler, kamen gestern von Eckernförde bis zur Lübecker Bucht nach Eutin, um die Holsteinische Schweiz, „das Binnenland hinter der Ostsee“, wie Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz bei seiner Begrüßung sagte, besser kennenzulernen. Denn eines sei klar: „Wir stehen in keiner Konkurrenz zueinander, sondern profitieren voneinander.“ Gerade an Schlecht-Wetter-Tagen kämen die Besucher vom Strand in die Stadt, bei Strandwetter sei es anders herum.

Nach dem Eutin-Besuch, bei dem die Botschafter alles aktuelle rund um die Landesgartenschau 2016 „lernten“, ging es durch Malente in den Kurpark und von dort mit der Bahn in die Plöner Innenstadt und abends mit dem Schiff zurück. „Ziel solcher gegenseitigen Besuche und Reisen ist es, die jeweils andere Region besser kennenzulernen, um bei Fragen umfangreich weiterhelfen zu können und mit aktuellen Infos versorgt zu sein“, sagte Juliane König vom OHT. Besonders wichtig seien die Ostseebotschafter als Schnittstelle zwischen Einheimischen und Touristen aber auch zwischen der Region und dem OHT. „Wir wollen, dass die Ostseebotschafter die Marke ‚Ostsee-Schleswig-Holstein‘ unter den Einheimischen bekannt machen. Und auch bei den Einheimischen das Bewusstsein stärken, dass wir hier in einer Tourismusregion leben und vor Ort eine gewisse Qualität bieten müssen, um als Urlaubsort attraktiv zu sein“, sagte König. So könne ein Ostseebotschafter beispielsweise den Gastwirt mit Kunstblumen oder Müll vor der Haustüre freundlich um eine Verbesserung bitten und schon hätten alle etwas davon.

Der Ostseebotschafter der Region ist Dietrich Busch (66). Er weiß genau, worauf Touristen achten, denn bevor er sich für Malente als Wohnort entschied, ist er 40 Jahre lang in die Holsteinische Schweiz in den Urlaub gefahren. „Ich bin Botschafter aus Überzeugung und möchte die Gastfreundschaft der Region stärken und dafür werben, damit sich die Urlauber hier so wohlfühlen, wie wir uns einst als Touristen gefühlt haben.“ Vor ein paar Jahren zog er mit seiner Frau aus Gummersbach in den Norden: „Die Ostsee war immer unsere heimliche Liebe.“ Umso mehr freue er sich, anderen Menschen die Schönheit der Natur und Vielfalt der Freizeitaktivitäten auch im Binnenland näher zu bringen. Er ist Botschafter für Eutin, Malente, Plön und Preetz und organisierte mit dem OHT den gestrigen Ausflug in die Region. Vor Ort engagiert sich Busch unter anderem bei den Freunden des Kurparks sowie in verschiedenen Arbeitsgruppen mit touristischen Themen.

Die Aufgaben der anderen Ostseebotschafter sind ebenso vielfältig: In Timmendorfer Strand und Niendorf bieten zwei geführte Radtouren an, Fehmaraner informieren einmal wöchentlich über das touristische Angebot auf der Insel, andere versorgen die Marketing-Experten mit aktuellsten Infos aus der Region, die dann beispielsweise für Facebook und Printmagazine genutzt werden.

Was sind die Stärken der Holsteinischen Schweiz? Busch: „Die Gäste staunen immer, welchen Reichtum an kulturellen Veranstaltungen wir haben.“ Er nennt das Schloss in Eutin und Plön, die Festspiele, zahlreiche Konzerte in den Kirchen oder auf verschiedenen Höfen. Derzeit seien die Touristiker mit den Übernachtungszahlen sehr zufrieden, so Busch. „Die Tagesausflügler lassen noch ein bisschen auf sich warten. Aber das kann bei gutem Wetter noch werden. Die Menschen entscheiden sich ja immer kurzfristiger für spontane Ausflüge.“

Wo müsste für den Tourismus nachgebessert werden? Busch: „Es ist gut, dass wir erstmal vom demografischen Wandel profitieren, aber wir müssen auch zusehen, dass wir nicht vergreisen und für junge Familien attraktiver werden und bleiben.“ Die Region sei aber „gut davor“, schnüre Survival-Programme für junge Leute. Busch: „Von der LGS werden wir alle etwas haben, davon bin ich überzeugt.“ Das Verständnis bei den Touristen, aufgrund der Bauarbeiten in diesem Jahr nicht in den Schlosspark oder an die Bucht zu können, sei groß. „Die sagen dann: ‚So ein Großprojekt kann ja nicht vom Himmel fallen‘. Und Recht haben sie.“

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