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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 02:48 Uhr

Ostholsteiner sind sehr oft krank

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ärztenetz und Kasse besorgt: Zahl psychischer Erkrankungen steigt / Hirndoping scheint probates Mittel, um arbeitsfähig zu bleiben

shz.de von
erstellt am 03.Sep.2015 | 14:25 Uhr

Arbeitnehmer in den Kreisen Ostholstein und Plön sind häufiger krank als der Bundesdurchschnitt. Auch im Vergleich mit anderen Kreisen und kreisfreien Städten schneiden Ostholstein und Plön schlecht ab (Krankenstand 4,2 Prozent)*, lediglich Schlusslicht Neumünster (4,6 Prozent) hat noch mehr gemeldete Krankheitstage.

„Das ist ein Trend, der uns Sorge bereitet. Deswegen wollen wir die Menschen frühzeitig informieren und lieber Präventiv-Angebote machen als zu warten, bis Krankheiten zu behandeln sind“, sagt Nils Junker, DAK-Filialleiter für Lübeck sowie die Kreise Ostholstein, Plön und Segeberg. Zwar habe sich der Krankenstand in beiden Kreisen, verglichen mit dem Vorjahr, minimal verbessert, doch die Anzahl der häufigsten Gründe für Krankschreibungen – Erkrankungen am Muskel-Skelett-System sowie psychischer Art – seien nicht rückläufig, nähmen gar zu. Mehr als jeder fünfte Fehltag gehe auf ihr Konto. Junker: „Ein Blick in die Statistik zeigt, dass diese Langzeiterkrankungen fast die Hälfte aller Fehltage ausmachen.“

Um das zu ändern, arbeitet die DAK mit dem Ärztenetz Eutin und Malente (ÄNEM) zusammen. „Gerade für Patienten mit psychischer Erkrankung ist es wichtig, ein ambulantes Versorgungsnetz aufzubauen, damit sie nach einer bestenfalls frühen Diagnose auch in ihrem persönlichen Umfeld therapiert werden können“, sagt ÄNEM-Geschäftsführerin Heike Steinbach-Thormälen. Die Realität sehe derzeit allerdings noch anders aus. Viele Menschen kämen immer noch zu spät mit einer Depression zum Arzt. Oftmals seien es Männer, die versuchen, sich durch Medikamente „über Wasser zu halten“. „Viele kommen so spät, dass erstmal nur eine stationäre Therapie hilft. Ein Jahr vorher hätte man vermutlich noch mit einer kombinierten Medikation und/oder Therapie helfen können“, so Steinbach-Thormälen. Doch dafür müsse ein Bewusstsein vorhanden sein.

Ein erschreckendes Ergebnis einer Befragung unter 5000 der 25  000 DAK-Versicherten in Ostholstein und Plön macht deutlich: Hirndoping scheint für viele Arbeitnehmer ein probates Mittel, um sich arbeitsfähig zu halten. „Es ist kein Manager-Problem, sondern gerade das einfacher Arbeiter“, sagt Junker. Mehr als 60 Prozent gaben an, von dieser Möglichkeit zu wissen. Junker und Steinbach-Thormälen sehen diese Ergebnisse als Alarmsignal, denn die Einnahme von Antidepressiva oder Retalin, nur um die Aufmerksamkeit zu steigern und die Stimmung aufzuhellen, führe langfristig erst recht in eine Abhängigkeits- und Abwärtsspirale, die mit hoher Wahrscheinlichkeit in einer Depression ende. Steinbach-Thormälen nennt den Grund: „Nehme ich diese Mittel zum Zwecke des Hirndopings, setze ich mich nicht mit den eigentlichen Stressoren in meinem Umfeld auseinander, dabei könnten Yoga, Entspannungsübungen oder Meditation oft positive Wirkungen erzielen.“

DAK und ÄNEM appellieren an Arbeitgeber und -nehmer, von den zahlreichen
Präventionsangeboten auch im Rahmen der betrieblichen Gesundheitsvorsorge Gebrauch zu machen.


* von 1000 Arbeitnehmern sind an
jedem Tag im Jahr 42 krankgeschrieben

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