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Ostholsteiner Anzeiger

23. August 2017 | 14:04 Uhr

Ostholstein braucht die Bäderbahn

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Fachkonferenz im Kreishaus bündelt Argumente für den Erhalt der alten Bahnstrecke an der Lübecker Bucht / Land soll überzeugt werden

Der Neubau einer zweigleisigen Schnellstrecke für den Bahnverkehr nach Dänemark soll nicht dazu führen, dass die alte eingleisige Trasse zwischen Lübeck und Neustadt stillgelegt wird. Der Kreis Ostholstein will beim Land durchsetzen, dass entgegen der jetzigen Planung die Bestandsstrecke weiter als „Bäderbahn“ im Nahverkehr genutzt wird.

Dieses Ziel wurde gestern in einer Fachkonferenz im Kreishaus gemeinsam von Landrat Reinhard Sager und den Spitzenvertretern der IHK zu Lübeck bekräftigt. „Wir wollen das ökologisch und ökonomisch Sinnvolle für Ostholstein herausholen“, sagte Sager. Dafür sollte auch die Landesregierung ein offenes Ohr haben. Denn wer wie sie die feste Fehmarnbelt-Querung befürworte, müsse der von dem Mammutbauprojekt arg betroffenen Region auch deren lokale Vorteile verdeutlichen – zum Beispiel durch den Erhalt der bestehenden Anlagen für den Betrieb einer Bäderbahn.

Diese Lösung, im Polit-Deutsch aufgrund der Gleiszahl die Trassenvariante „zwei plus eins“ genannt, hatte der Kreis bereits vor Jahren ins Spiel gebracht. Damals ging es vor allem darum, für den zusätzlichen Güter- und Schnellverkehr nach Dänemark einen neuen Schienenweg zu erhalten, damit die Orte an der Bestandstrasse von weiterem Lärm befreit bleiben. Der erste Teil der Rechnung ging auf: Das Land hat 2014 mit der Deutschen Bahn AG eine Neubaulösung mit entsprechenden neuen Haltestationen vereinbart. Diese Abmachung sieht allerdings vor, dass nach deren Fertigstellung in gut zehn Jahren die alte Strecke aufgegeben wird.

Damit aber würde, so die Befürchtungen von Touristikern und Bürgermeistern, die Erreichbarkeit der Badeorte und die Attraktivität des Nahverkehrs per Bahn in Ostholstein leiden. Zudem müssten die Kommunen Zubringerbusse zu den neuen Haltestellen außerhalb der Orte finanzieren.

In einem Gutachten hat die Hanseatic Transport Consultancy (HTC) die Argumente für den Erhalt der Bäderbahn beleuchtet. Die Ergebnisse stellten gestern die Gutachter Dr. Thomas Rössler, Dr.-Ing. Carsten Hein und Teresa Lechner einer großen Runde von kommunalen Vertretern und Kreistagsabgeordneten vor. Ihr Fazit: Die Bäderbahn ist wirtschaftlich machbar, verkehrspolitisch sinnvoll und auch rechtlich durchsetzbar. Eine Verzahnung der Neubaustrecke mit der Bestandstrasse bei Ratekau und Altenkrempe sowie die Einrichtung eines Bahnhofes in Neustadt, der auf beiden Verbindungen angefahren würde, brächte für alle Beteiligten Vorteile: Die Bahn müsste keine neuen Bahnhöfe bauen, der Nahverkehr zwischen Hamburg und Neustadt würde schneller, was Tausenden Berufspendlern nützen und den Verzicht aufs Auto erleichtern würde – ein attraktives Angebot in einer alternden Gesellschaft auch für Hamburger Tagesbesucher an der Ostsee.

Sager und IHK-Hauptgeschäftsführer Lars Schöning kündigten Gespräche mit der Bahn und dem Land an. MdL Hartmut Hamerich regte eine Präsentation des Gutachtens im Landtag an.

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erstellt am 23.Mär.2015 | 13:51 Uhr

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