Originalität als Zukunftsmotor

Für das Lübsche Tor in Plön hat der ehemalige Buchverleger Vito von Eichborn  ein Konzept entwickelt.
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Für das Lübsche Tor in Plön hat der ehemalige Buchverleger Vito von Eichborn ein Konzept entwickelt.

Vito von Eichborn aus Timmdorf hat von Humor-Museum bis Kuriosa viele kreative Ideen für das Lübsche Tor in Plön

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30. Juni 2014, 15:04 Uhr

Das Lübsche Tor in der Plöner Innenstadt ist seit Jahren ein Problem. Bislang gelingt es nicht, dem Einkaufszentrum Leben einzuhauchen. Der Komplex (Verkehrswert: 1,8 Millionen Euro – aufgelaufene Schulden: über 7,5 Millionen Euro) ist bei einem weiteren Versteigerungstermin zu haben. Doch: wer traut sich?

Alle Versuche im herkömmlichen Handelsbereich sind bisher gescheitert. Einzig denkbare Konsequenz ist Originalität, empfiehlt Vito von Eichborn. Der 70-Jährige aus Timmdorf hat ein Konzept zur Zukunft des Lübschen Tores geschrieben. Die Grundidee ist ein Humor-Museum und ein ökonomisch gebündelter Online-Verkauf ökologischer Waren aus der Holsteinischen Schweiz.

„Provinzübliche Geschäfte mit Klamotten, Schuhen und auch Friseure gibt es in der liebenswürdigen Innenstadt schon genug“, sagt Vito von Eichborn. Mit dem Lübschen Tor müsste etwas gemacht werden, was es weit und breit nicht gebe – „etwas Einzigartiges, etwas Attraktives“. Das Lübsche Tor müsse künftig wie ein Magnet auf die Menschen wirken.

Vito von Eichborn sieht im Lübschen Tor ein Kaufhaus mit Gastronomie, Läden und Dienstleistungen, „das so überbordend vielfältig und verrückt ist, dass die Mund-zu-Mund-Propaganda aus weitem Umkreis neugieriges Publikum anzieht“. Wenn dieses Gebäude eine Chance habe, dann nur durch eine völlig aus dem üblichen Rahmen fallende Nutzung, durch Einzigartigkeit des Angebots und Originalität.

Das Lübsche Tor könnte nach den Vorstellungen Vito von Eichborns zu einem Zentrum für Kuriosa, komische Kunst und alles, was man sonst nicht findet, werden: „Quatschkram, Überflüssiges, Kokolores, Erotika, Absurditäten, kurz: alles, was so extrem ist, das andere sich nicht trauen“, schlägt der 70-Jährige ehemalige Buchverleger vor.

Im Obergeschoss, wo derzeit in einem Fitnessclub der Schweiß rinnt, könnten Tränen rinnen – vor Lachen nämlich, wenn ein Museum für komische Kunst einzieht. Eine Partnerschaft schlägt von Eichborn mit Caricatura in Kassel und Frankfurt vor. Es könnte feste und wechselnde Ausstellungen mit Kunstgewerbe und Kunst geben, die man kaufen kann. Mit Workshops, Comic-Kursen, Bildhauereien oder Töpfern könnten Menschen zum Lachen gebracht werden.

Im Parterre des Lübschen Tores könnte – wie gedacht und baulich vorgegeben – eine Ladenpassage entstehen, ein Kaufhaus mit Shop-in-Shop-System. Darin: das erste und einzige Humor-Café-Bistro in Norddeutschland mit einem zentralem Kassensystem. Wirklich alles in dieser Ladenpassage sollte käuflich sein, alles sollte ein Preisschild haben – sogar herumstehende Bistrotische und Stühle. Vito von Eichborn: „Der Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.“

Es sollten erfolgsabhängige Geschäftsführer mit Leidenschaft, Fantasie und Verantwortung eingesetzt werden. So könnte das neue Kaufhaus ein evolutionäres System mit ständigen Veränderungen werden: was funktioniert, wird gepflegt, anderes reduziert oder gestrichen, ständig komme Neues hinzu.

Denkbar wäre auch ein
fantasievoll-lustiger Laden „Erotica et Curiosa“. Von Eichborn: „Ich meine damit die weniger anstößigen, eher lustigen Dinge aus dem Erotikhandel, wie anzügliche, originelle, unspießige Mitbringsel und Partygeschenke.“ Denkbar wären ein Laden der 1000 Schnäpse oder Garten-Möbel, Musikshop, Werbeagentur, Horrorladen und Erotikspaß.

Denkbar sei aber auch ein Versandhändler, der den Verkauf im Internet organisiert. Vito von Eichborn: „Die meisten Leute haben keine Lust, selbst im Internet etwas anzubieten.“ Der 70-Jährige: „Es muss nicht alles komisch sein - nur konkurrenzlos.“

Angeboten werden könnte das Beste aus den Hofläden der Holsteinischen Schweiz mit einer gemeinsamen Internet-Plattform. Vito von Eichborn: „Es geht um ein gefühltes Unternehmen, das allen Spaß macht, das ständig in den Medien ist, ununterbrochen Neues probiert – knallhart auf Mehrwert aus ist aber sportlich und ehrgeizig wie eine Mannschaft tickt.“ Ständig originelle Veranstaltungen mit Musik, Lesungen, Poetry Slam, Mal-Wettbewerb, Comic-Tauschbörse oder Zauberer könnten drinnen und draußen angeboten werden.

Der ehemalige Supermarkt im Untergeschoss könnte ein Internet-Kaufhaus für die Hofläden der Holsteinischen Schweiz werden. In einem „Supermarkt der Region“ wird Kommissionsware aus allen Hofläden angeboten, dazu Kunstgewerbe und sonstiges „Handgemachtes“. Das Angebot vieler Hofläden könnte wie in einem Supermarkt zusammengefasst werden. Vito von Eichborn: „Vergleichbares gibt es nirgends.“

Das Konzept hat Vito von Eichborn bereits mehrfach dem Eigentümer, einem Finanzdienstleister aus Frankfurt, zugeschickt. „Es gab bisher keine Reaktionen“, ist er doch ein wenig enttäuscht. Aber vielleicht findet sich ja mit dem Konzept im Hintergrund ein neuer Investor, der dem Lübschen Tor wieder Leben einhaucht.



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