Gefahren des Internets : Online = Offlife?

Ein Rollenspiel:  Peter soll versuchen seinen computersüchtigen Freund Tom vom Laptop wegzulocken. Dadurch soll den Schülern ein  Verständnis für die Eltern vermittelt werden, die sich um ihr dauerhaft am PC spielendes Kind Sorgen machen. Foto: Norden
Ein Rollenspiel: Peter soll versuchen seinen computersüchtigen Freund Tom vom Laptop wegzulocken. Dadurch soll den Schülern ein Verständnis für die Eltern vermittelt werden, die sich um ihr dauerhaft am PC spielendes Kind Sorgen machen. Foto: Norden

Voß-Schüler lernen spielerisch die Gefahren des Internets einzuschätzen.

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26. Oktober 2012, 11:37 Uhr

Eutin | Überspitzt ausgedrückt ist es so: "Früher waren Zigaretten ein Statussymbol für junge Leute, heute sind es Smartphones", erklärt Bernd Möller, stellvertretender Schulleiter am Voß-Gymnasium. Immer weniger Schüler seien süchtig nach Nikotin, dafür steige die Zahl derjenigen, die dem Internet verfallen. Aus diesem Grund widmet sich das Voß-Gymnasium noch intensiver der Vermittlung von Medienkompetenz. Drei Tage lang wurde für die 7. und 8. Klassen in Zusammenarbeit mit der Awo-Suchtberatungsstelle und der Fachschule für Sozialpädagogik ein Erlebnisparcours zur Mediennutzung angeboten.

Es ist ein extremes Beispiel, das den Schülern in einem Film gezeigt wird: Ein 15-Jähriger spielt in seinem Zimmer ein Computer-Spiel. Die Welt um ihn herum interessiert ihn nicht mehr. Freunden, mit denen er sonst zum Sport ging, öffnet er nicht mehr die Tür. Erst ein Computerabsturz lässt ihn aus seiner virtuellen Welt auftauchen. Sein Zimmer ist ein Ort der Verwüstung.
Schon zwei ähnliche Fälle an der Voß-Schule

Doch unrealistisch ist das Szenario nicht. Thomas Dretzler ist Suchtpräventionsarbeiter an der Voß-Schule und hat schon zwei ähnliche Fälle erlebt. Und auch beim Rollenspiel, in dem ein computersüchtiger Junge vom PC weggelockt werden soll, wird deutlich: Die Schüler kennen die Situation. Die Übung soll auf die Folgen einer Computerabhängigkeit aufmerksam machen. Denn "online" muss nicht immer "offlife" bedeuten.

Bei einer anderen Übung geht es um Gefahren beim Chatten. Die Schüler schlüpfen in die Rollen von Lilly und Tobias, können sich gegenseitig Fragen stellen. Am Ende stellt sich heraus, dass Tobias gar nicht der "Traumprinz", sondern ein Pädophiler ist. Denn nicht alles, was im Chat geschrieben wird, entspricht der Wahrheit.

"Die Vermittlung von Medienkompetenzen bei Schülern ist unbedingt notwendig", betonte Wolfgang Päpcke von der Awo-Suchtprävention Ostholstein. Schüler sollten sich immer die Fragen stellen, was sie im Internet machen und was sie von sich preisgeben. Das Thema müsse auch häufiger im Unterricht angesprochen werden, wünschte sich Anne-Sabine Kluvetasch, Leiterin der Fachschule für Sozialpädagogik. Denn anders als Zigaretten könne man Handys mit Internetzugang schließlich nicht verbieten. Nur bei Klausuren überlegt Bernd Möller künftig die Smartphones einzusammeln.

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