Eutin : „Ohne Nutzen für die Zukunft“

hasu des gastes vorne
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Die wahlberechtigten Eutiner entscheiden am 15. Februar, ob das Haus des Gastes stehen bleibt oder abgerissen wird.

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28. Januar 2015, 14:56 Uhr

Die wahlberechtigten Eutiner entscheiden am 15. Februar, ob das Haus des Gastes stehen bleibt oder abgerissen wird. Die Diskussion dazu nimmt im Vorfeld des Bürgerentscheides wieder Fahrt auf. Drei Stadtvertreter aus CDU, Grünen und FDP beharrten im
Gespräch mit dem OHA auf der Abriss-Position: „Das Haus des Gastes ist ohne Nutzen mehr für
Eutins Zukunft.“

Gegen mehr als 2500 Eutiner, die energisch einen Bürgerentscheid gegen den Abriss des Haus des Gastes befürwortet haben, lässt sich nur schwer etwas anderes durchsetzen. Matthias Rachfahl (CDU), Eike Diller (Grüne) und Jens-UweDankert (FDP) werben trotzdem politisch standhaft für den Abriss.

Die Fraktionsvorsitzenden von CDU, Grünen und FDP haben im Gespräch mit dem OHA bekräftigt, dass der Abrissbeschluss der Stadtvertretung erstens weiterhin sachlich gerechtfertigt sei. Und zweitens vollauf durch die Zukunftsplanung für Eutin begründet sei. Und dass sie drittens natürlich jedes Ergebnis des Bürgerentscheides akzeptieren und umsetzen werden.

„Hier geht es um den Zukunftsfaktor für alle in Eutin lebenden Menschen. Unter dem Aspekt, dass die Bürger sich einmischen sollen, ist der Entscheid am 15. Februar natürlich gut. Aber wir wünschen uns, dass sich die Jüngeren dabei auch zu Wort melden und dafür stimmen, dass an dem Standort Platz für etwas Neues entsteht“, sagte Eike Diller (Grüne).

Jens-Uwe Dankert forderte die Verbände und namentlich die Wirtschaftsvereinigung Eutin auf, Flagge zu zeigen: „Es wäre gut, wenn die Kaufmannschaft mal vorangeht in Sachen Zukunftsfähigkeit unserer Stadt. Die letzten zehn Jahre haben doch gezeigt, dass kein echter Bedarf mehr für das Gebäude selbst besteht. Genutzt wurden doch vor allem die Grünflächen drum herum mit Blick zur Stadtbucht.“

In der öffentlichen Auseinandersetzung seien die Argumente für den Abrissbeschluss bisher zu kurz bekommen, bedauerte Matthias Rachfahl (CDU): „Viel läuft über die Emotionen. Die Erinnerungen vieler Eutiner an schöne Zeiten früher am Haus des Gastes sind natürlich zu respektieren, aber konzeptionell, touristisch und finanziell spricht alles, was die Stadt in ihrer Entwicklungsplanung festgelegt hat, gegen den Erhalt.“

Alle drei Politiker betonten, dass die von der Bürgerinitiative fürs Haus des Gastes vorgeschlagene kulturelle und gastronomische Nutzung in der Neuanlage der Schlossterrassen besser möglich werde. Allein für das Projekt könne die Stadt auf hohe Fördermittel des Landes zählen, das Haus des Gastes hingegen stufe das Innenministerium als „städtebaulichen Missstand“ ein, für dessen Erhalt aus Kiel kein Geld fließen werde.

Eike Diller: „Die Stadt kann es sich nicht leisten, zwei Kulturzentren an der Stadtbucht zu unterhalten. Was würden wir damit auch den dann zwei notwendigen Pächtern der Gastronomie zumuten?“

CDU-Fraktionschef Matthias Rachfahl  erinnerte daran, dass die Stadtvertretung im September einmütig beschlossen habe, anhand der Bedarfsuntersuchungen und des Entwicklungskonzeptes das Haus des Gastes als Standort für ein Hotel auszuweisen. Das sei politisch der alleinige Grund für den Abrissbeschluss: „Die Landesgartenschau hat damit nichts zu tun.“

Zudem sei festgestellt worden, dass eine Nutzung des Gebäudes für die Gastronomie zur Gartenschau nicht empfehlenswert sei. Deshalb werde, selbst wenn der Bürgerentscheid den Abriss stoppe, das Haus des Gastes bei der Landesgartenschau keine Rolle spielen, betonte Rachfahl. Die Stadt müsste dann aber für die Unterhaltung eines nutzlosen Gebäudes 35  000 Euro jährlich zum Fenster hinaus werfen.

Auf die Frage, wie lange die Stadt noch auf einen Hotel-Investor warten wolle, waren sich die Drei einig, dass die Frist begrenzt werden müsse. Jens-Uwe Dankert fasst das Jahr 2017 ins Auge: „Dann werden die Karten neu gemischt.“ Auf jeden Fall werde die Stadt dort dann für eine attraktive Gestaltung sorgen, vorzugsweise mit Gastronomie. Ein weiteres Wohnprojekt an der Stadtbucht sei abwegig, hieß es.

Nicht handfest genug sind den drei Stadtvertretern die Hinweise der Abrissgegner auf einen möglichen Investor für die Sanierung des Haus des Gastes und die Fürsprache des Landesdenkmalpflegers für den Erhalt. Diller: „Was macht der Landeskonservator von Amts wegen dafür? Ich weiß von nichts.“ Und Jens-Uwe Dankert: „Das Winken mit einem Investor ist atemberaubend naiv. Die Stadt behält doch das Sagen auf ihrem Grundstück.“

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