Ohne Haushalt kein Sport? Senioren helfen sich selbst

Die Seniorensportler unter Leitung von Günther Velten sind zum LSV umgezogen.
Die Seniorensportler unter Leitung von Günther Velten sind zum LSV umgezogen.

shz.de von
10. Januar 2018, 15:41 Uhr

Es ist eine Erfolgsgeschichte, die nicht unterbrochen werden soll: Der Seniorensport in der Gemeinde Malente. Vor etwa zweieinhalb Jahren übernahm Günther Velten aus Pfingstberg die Übungsleitung der Gruppe, die jeden Mittwochvormittag um 9.30 Uhr zusammenkommt. „Damals waren wir 34 Teilnehmer, inzwischen sind wir 54“, berichtet Velten.

Geturnt wird in der Turnhalle an der Ringstraße – normalerweise. Doch weil die Gemeinde es nicht geschafft hat, einen Haushalt für das laufende Jahr zu verabschieden, kann die Verwaltung keine Seniorenausweise austeilen. Die Folge: Das Angebot fällt mindestens bis in den März hinein aus. Aus versicherungsrechtlichen Gründen stelle die Gemeinde nicht einmal die Turnhalle zur Verfügung, bedauert Günther Velten.

„Es ist den Gemeindevertretern im Prinzip egal, was mit den Bürgern passiert“, kritisiert der Übungsleiter. Er sieht als Grund für den vertagten Haushaltsbeschluss einen Machtkampf von CDU und SPD mit Bürgermeisterin Tanja Rönck, die es gegen den Widerstand der beiden großen Parteien ins Amt geschafft habe.

„Wir sind die Leidtragenden der politischen Blockade“, bedauert Anne Schlusnus. Doch sie wollte die Situation nicht hinnehmen und organisierte deshalb auf eigene Faust die Fortführung des Angebots. Gegen einen Obolus von 15 Euro für anderthalb Stunden stellt der Landessportverband eine Turnhalle in seinem Malenter Sport- und Bildungszentrum an der Eutiner Straße zur Verfügung. Und die Teilnehmer finanzieren bis auf weiteres auch die Aufwandsentschädigung für ihren Trainer, die normalerweise von der Gemeinde übernommen wird.

Die Fortführung des Angebots sei nicht nur aus sportlicher Sicht wichtig, sondern auch für den sozialen Zusammenhalt, betont Anne Schlusnus. Dieser Aspekt werde auch von einer Weihnachtsfeier der Seniorensportler unterstrichen. „Wir haben viele Alleinlebende bei uns, denen das Angebot zur Kontaktpflege dient“, sagt Anne Schlusnus. Deshalb seien viele froh, dass es im neuen Jahr wieder losgehe. Die lebhaften Gespräche unter den Teilnehmern vor Beginn der Übungen schienen diese Aussage gestern zu bestätigen.

„Nach dem Seniorensport gehen alle beschwingt nach Hause“, schwärmt Anne Schlusnus. Das liege an der Art des Trainings: spielerisch und ohne Stress.

zur Startseite

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen