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„Ohne Ehrenamtliche wäre es nicht gegangen“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Helfer der Flüchtlingsunterkunft Schloss Salzau verabschiedet / Insgesamt über 7000 Arbeitsstunden geleistet / Einrichtung wird ans Land übergeben

shz.de von
erstellt am 10.Apr.2016 | 17:08 Uhr

Jetzt beginnt das große Aufräumen: Die letzten Flüchtlinge sind auf andere Einrichtungen im Kreis verteilt worden. Am Freitagabend wurden die vielen ehrenamtlichen und Helfer und die Mitarbeiter des Roten Kreuzes mit einer kleinen Feier verabschiedet. Bis Ende Mai soll die Einrichtung „besenrein“ wieder an das Land zurückgegeben werden.

Seit Ende September 2015 wurde das Herrenhaus als Landesunterkunft für Flüchtlinge genutzt, betreut durch den Kreisverband Plöner Land des Deutschen Roten Kreuzes (DRK). „In der Rückblende müssen wir feststellen, dass wir die uns übertragenen Aufgaben ohne ehrenamtliches Engagement gar nicht hätten erfüllen können“, sagte Christian Pagel, Kreisvorsitzender des DRK. Insgesamt leisteten sie über 7000 Arbeitsstunden. Hinzu kommen noch die monatlich 1400 Arbeitsstunden durch die elf hauptamtlichen Betreuer, die allerdings erst zum Jahreswechsel fest eingestellt wurden. Soweit diese nicht in andere Einrichtungen vermittelt werden konnten, haben sie nun nach nur gut zehn Wochen ihre Kündigungen erhalten.

Die über 100 Ehrenamtlichen betätigten sich vorwiegend in den Bereichen Kleiderkammer, direkte Betreuung der Flüchtlinge am Info-Point, als Dolmetscher, Kursleiter und Helfer in der Kinderbetreuung. Ebenso im Sanitätsdienst, bei der Hygiene und der Helferverpflegung.

Stellvertretend für alle wurde die jüngste der Ehrenamtlichen, die 19-jährige Abiturientin Philippa Süßmann aus Plön, im Namen von Ministerpräsident Torsten Albig mit der Helfernadel des Landes ausgezeichnet. „Ich wollte einfach helfen, habe dort nette Leute kennengelernt und bin deshalb geblieben“, erklärte sie ihre Motivation. Dass sie ganz nebenbei noch ihr Abi machte, scheint Nebensache. Immer sonnabends war sie am Info-Point zu finden. „Toll bereichernd, man ist offener geworden, erlebt mehr“, beschreibt sie ihre Erfahrungen und sieht ihre Zukunft in der Landwirtschaft. Ältester Helfer war der 75-jährige Peter Wiechner, der Deutsch-Unterricht gab und viel über die deutsche Kultur und Lebensweise vermittelte.

„Weißt du noch“ – während die Helfer bei Flammkuchen und Törtchen saßen, tauschte man Erinnerungen an die vergangenen Monate aus. Sicher gab es Krisen wie Windpocken und Krätze, aber für Gesprächsstoff sorgten eigentlich andere Themen. Da war erst einmal Anfang Oktober die Geburt des ersten Babys, das bezeichnenderweise nun den Namen Mohammed Salzau trägt. Weitaus beunruhigender für die meisten Bewohner war allerdings die Geschichte vom „Gespenst“. Jedes deutsche Schloss habe ein Gespenst, hatten die Flüchtlinge irgendwo gehört oder gelesen. Und als dann irgendwann spät abends eine ältere Frau im Mondlicht über den Hofplatz ging, war die Aufregung tagelang groß, wollten einige sogar sofort abreisen.

Oder da war die Angst vor Hunden. Völlig unverständlich für viele, dass „wohl alle Deutschen einen Hund haben“. Die Vierbeiner machen den meisten panische Angst – bis dann eines Tages eine Betreuerin ihren Therapiehund mitbrachte, der im Sturm die Herzen nicht nur der Kinder eroberte.

Einen Dank richtete Pagel auch an die vielen Helfer von Catering, Security, Feuerwehr, Bundeswehr, Polizei und die Firmen, die im Hintergrund zum Gelingen des Projektes beigetragen haben. Jetzt werden die Zäune abgebaut und im Haus alles zur Übergabe klar gemacht. Ende Mai soll der Bau dann wieder übergeben werden – in eine ungewisse Zukunft.



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