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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 22:33 Uhr

Offenes Haus für Kreative

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dr. Klaus Beckmann vermietet „Klasse(n) Räume für kreative Träume“ in der alten Schule von Sagau

von
erstellt am 16.Feb.2015 | 11:25 Uhr

„In dieser alten Schule soll alles möglich sein. Was hier entsteht, ist Sache der Kreativen.“ So fasst Dr. Klaus Beckmann seine Vision für die Zukunft der alten Dorfschule in Sagau zusammen.

In dem 1869 errichteten Gebäude lebte und arbeitete von 1974 bis zu seinem Tod 2011 der bekannte Bildhauer Pierre Schumann. Beckmann hat das Gebäude 2013 erworben und in weiten Teilen in den Zustand als Dorfschule zurückversetzt. Der Travemünder hat Erfahrungen mit Altbauten. In 40 Jahren haben seine Frau und er neun Häuser mit Liebe zum Detail saniert, in sechs davon auch selbst gewohnt.

An die alte Dorfschule, Objekt Nummer zehn des Ehepaars, geriet es durch Zufall. „Aus dem Verkauf eines anderen Bauwerks waren noch Mittel übrig. Also habe ich im Internet nach einer Immobilie als Geldanlage gesucht“ erklärt der Zahnarzt im Ruhestand. Es sollte etwas Größeres mit Land dabei sein.

Als er von der Verbindung des Hauses zu Schumann erfuhr, war sein Interesse geweckt. „Als wir an dem Sommertag nach Sagau kamen, hatte es etwas von Paradies“, beschreibt Beckmann den ersten Eindruck. Als er dann durch das alte Gemäuer ging und in der Mischung aus Schulhaus und Künstleratelier stand, hatte er sofort eine Idee zur Nutzung: Künstler, aber auch Firmen oder andere Gruppen sollen das Gebäude mieten können, um dort Workshops oder Feiern zu veranstalten oder aber einfach nur arbeiten oder Urlaub machen. Das Motto: „Klasse(n) Räume für kreative Träume“.

So steht es auch auf der Visitenkarte. Und das Konzept scheint aufzugehen. Seit vergangenem Jahr schaltet der gelernte Flugzeugmechaniker Anzeigen zur Nutzung als Atelier oder als Tagungsraum. Auch wenn die Renovierungen noch nicht bis ins letzte Detail abgeschlossen sind, die ersten Buchungen sind schon perfekt. Eine Familie möchte Haus und Garten für eine große Feier nutzen, eine Kunstklasse aus Hamburg fernab der Großstadt ein kreatives Wochenende verbringen.

Aber auch als Galerie ist die ehemalige Bildungsstätte in diesem Sommer bereits vermietet. Ein Kammerorchester habe für ein Übungswochenende angefragt und plant zum Abschluss ein öffentliches Konzert in der Dorfschule, verrät Beckmann. Er möchte das Haus offen halten für viele Menschen, so auch für die aus der Region. Im alten Backhaus hat er unter einem Berg Schutt einen industriellen Brennofen freigelegt. „Wenn der wieder angeschlossen ist, könnte ich mir einen regelmäßigen Service zum Brennen für Künstler ohne eigenen Ofen vorstellen.“

Auch den abgerissenen Ofen aus Lehm möchte er wieder aufbauen und zum Backen von Brot und Pizza anbieten. Das Fundament aus Feldsteinen steht bereits. Das ständige Werkeln an dem großen Haus macht dem Travemünder Spaß, aber abends geht es immer wieder zurück nach Hause: „Ich habe noch keine Nacht hier geschlafen, obwohl es möglich wäre.“

Die alte Lehrerwohnung ist schlicht aber geschmackvoll eingerichtet. Die großen weißen Wände bieten noch Raum für Kunst. Wenn die Renovierung auch der ehemaligen Lehrergehilfenwohnung im Dachgeschoss abgeschlossen ist, wird es zehn Schlafplätze geben.

Die Räume haben den Charakter einer großen Wohngemeinschaft. So ist auch die Küche ausgelegt, in der nach Beckmanns Worten auch mal ein Kräuterkochkursus stattfinden könnte. Ein Klassenraum ist mit Korkboden ausgelegt, um auch Dinge wie Tanz oder Yoga möglich zu machen. Im zweiten Klassenraum, dem alten Atelier Schumanns, erinnert nach Beckmanns Worten nichts mehr an den Bildhauer. „Hier war alles von einer dicken Dreckschicht überzogen. Das muss hier richtig hart zur
Sache gegangen sein. Mit Schleifgeräten und ähnlichem.“

Gründlich zur Sache ging auch der neue Eigentümer in dem Raum. Mit überzeugendem Ergebnis. Die 140 Jahre alten Dielen wurden abgeschliffen, mit Leinöl die Maserung betont. Die Beschläge der etwa gleich alten Fenster waren zum Sandstrahlen, in die Originalrahmen kam Isolierglas. Das war nur möglich, weil Beckmann auf die Einstufung des Gebäudes als Denkmal verzichtet hat. „Ich hätte den Stempel bekommen können, da der ursprüngliche Grundriss auf dem Feldsteinsockel noch erhalten ist. Aber der Status schränkt die Entwicklung des Gebäudes zu sehr ein.“

Wenn das Konzept aufgeht, dann soll weiter an den Details gearbeitet werden. Auch wenn der neue Eigentümer viele Umbauten Schumanns zurückgebaut hat, finden sich auf dem ganzen Anwesen Spuren des Künstlers. Die Erben haben Beckmann zahlreiche Skulpturen und Entwürfe überlassen. Im früheren Schlafzimmer des Dorfschullehrers findet sich eine kleine Galerie mit Stücken des Künstlers, die auch zum Kauf stehen.

Weitere Infos unter

www.sagauerschule.de


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