Offene Ohren für die Fischer

Fischereiministerin Dr. Juliane Rumpf hatte für die Sorgen, Nöte und Anregungen, die Verbandsvorsitzende und Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten (rechts) vortrug, offene Ohren.  Foto: Karl Hesse
Fischereiministerin Dr. Juliane Rumpf hatte für die Sorgen, Nöte und Anregungen, die Verbandsvorsitzende und Fischwirtschaftsmeisterin Sabine Schwarten (rechts) vortrug, offene Ohren. Foto: Karl Hesse

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22. März 2011, 07:58 Uhr

Rathjensdorf | Irgendwie hatten die Binnenfischer- und Teichwirte noch Hans Wiesen als Fischereiminister im Gedächtnis. Er jedenfalls war 1996 der letzte Fachminister, der sie auf einer Jahrestagung "beehrte". Gestern brach Fischereiministerin Dr. Juliane Rumpf (CDU) diesen Bann in Rathjensdorf.

Natürlich verteilte die Ministerin weder Fördermittel noch gab sie Zusagen. Sie weiß aber, dass ein Gespräch und ein Besuch besser sei als eine "Brieffreundschaft". Denn: Briefe würden wechselseitig reichlich geschrieben.

Schwere Kost tischte die Vorsitzende, Sabine Schwarten, der Ministerin auf: "Uns steht das Wasser nicht bis zum Hals, sondern bis Oberkante Unterlippe". Um 80 Prozent reduzierte Fänge müssten die Fischer allein tragen. Eine "EU-Regelungswut", die viel Papier und noch mehr Kosten verursache, tue ein Übriges. Für die

Kleinbetriebe sei die Grenze überschritten.

Um eine direkte Einkommensstützung durch die EU ähnlich wie bei den Landwirten zu erreichen, tritt der Verband jetzt unter dem Begriff "Binnenländische Fischerei" auf. Die Fischer stünden für eine regionale, heimische und nachhaltige "Binnenländische Fischerei" und müssten für das Erbringen dieser Leistung ebenso wie Landwirte entschädigt werden.

Zum Kormoran merkte Sabine Schwarten an, dass sich 2184 Vogelfreunde als Kormoranfreunde beim Nabu hatten registrieren lassen. Der Aufruf für ein Kormoranmanagement wurde dagegen von 101 284 Menschen unterzeichnet. Allerdings erklärte sich Bundesumweltminister Röttgen für "Fische nicht zuständig" und verweigerte die Annahme der Unterschriftenlisten. Sie landeten beim Kanzleramt. Dort sei das Problem erkannt, aber auf die EU verwiesen worden. Und die EU wiederum verweise auf die Nationen, die von unten her regeln sollten. Ein altbekannter Kreislauf.

Der in diesem Jahr mögliche Aalbesatz mit 400 000 Jungaalen werde einmalig bleiben, weil Naturschutzorganisationen wie der WWF es erreicht hätten, Aale aus dem Verkaufsprogramm großer Ketten zu nehmen, klagte Schwarten weiter: "Die hatten aber je verkauftem Aal einen Betrag für Aalbesatz zur Verfügung gestellt." Gibt es letztlich nicht genügend abwandernde Laichreife Aale, so werde die EU Fangverbote verhängen.

Erwartungsgemäß zeigte sich die Ministerin wohlwollend, hielt sich aber mit Zusagen bedeckt. Ähnlich hielten es die Landtagsabgeordneten Dr. Michael von Abercron (CDU), Bernd Schröder (SPD) und Günther Hildebrand (FDP) auf der Jahrestagung.

Abercron rannte mit seiner "Anregung", den Kormoran wegen einer längst stabilen Population aus der Vogelschutzrichtlinie herauszunehmen, bei den Teichwirten "offen Türen" ein. "Fischwirtschaft darf aber nicht das Vogelfutterprogramm für Kormorane sein", sagte er.

Für Bernd Schröder (SPD) war die Forschungs- und Entwicklungsarbeit für Aquakulturen in Schleswig-Holstein wichtig, denn da sei das Land noch zurück. Günther Hildebrand (FDP) wiegelte alle finanziellen Wünsche seitens der Fischer und Teichwirte wegen restlos leerer Landeskassen ab.

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