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Eutin : „Offen, handfest, streitbar, kritisch“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Der Kreis Ostholstein ehrte seinen bekanntesten Bewohner: Feierstunde für das Multi-Talent Armin Mueller-Stahl im Ostholstein-Museum.

Er ist wohl der berühmteste Mensch, der einen Wohnsitz in Ostholstein hat. Als Schauspieler wurde Armin Mueller-Stahl weit über die Grenzen Deutschlands hinaus bekannt, neben Sierksdorf hat er Domizile in der Nähe von Hollywood und in Berlin.

Zur Würdigung eines künstlerischen Multitalents, das auch Musiker, Schriftsteller und Maler ist, fand Sonnabend im Ostholstein-Museum eine Feierstunde statt. Rund 100 geladene Gäste erlebten einen sympathischen, bescheidenen und trotzdem selbstbewussten Menschen mit großer Ausstrahlung, der am 17. Dezember sein 85. Lebensjahr vollenden wird.

Eigentlich hätte es gestern im Ostholstein-Museum eine Ausstellungseröffnung geben müssen: Zum dritten Mal werden – wie ausführlich angekündigt – am Schlossplatz Gemälde von Armin Mueller-Stahl ausgestellt, ein Querschnitt seines Schaffens aus den vergangenen fünf Jahren. Nachdem bei der zweiten Ausstellung im Jahr 2010 rund 450 Menschen zur Vernissage gekommen waren, fiel die Entscheidung, mangels ausreichenden Raumes bei dieser dritten Ausstellung vom Protokoll abzuweichen. Die Ausstellung wurde gestern Morgen ohne jedes Beiprogramm eröffnet. Statt einer Vernissage fand Sonnabend die Feierstunde statt.

In der gab es in angenehmer Kürze zwei Lobreden auf Mueller-Stahl, der sich zum Ende in das Goldene Buch des Kreises Ostholstein eintrug und es zugleich mit einer schnellen Zeichnung versah. Landrat Reinhard Sager bekannte, dass der Kreis stolz sei „auf seinen prominenten Mitbürger“, und auch dankbar für dessen Bereitschaft, im Ostholstein-Museum auszustellen. Da dies die dritte Ausstellung sei, könne man nach ostholsteinischen Gepflogenheiten bereits von einer „langjährigen Tradition“ sprechen. Sager äußerte die Hoffnung, dass unter Beibehaltung eines fünfjährigen Abstands im Jahr 2020 die vierte Ausstellung folgen werde.

Die Leiterin des Museums, Dr. Julia Hümme, hielt die eigentliche Laudatio, schilderte ihre erste Begegnung mit Mueller-Stahl und dessen Frau vor fünf Jahren im Haus an der Ostsee, in dem sie mit großer Herzlichkeit willkommen geheißen worden sei. Die nun im Ostholstein-Museum ausgestellten Bilder aus den vergangenen fünf Jahren wiesen eine bemerkenswerte Vielfalt auf, Mueller-Stahl stelle sich auch der Herausforderung, von der Gegenständlichkeit in die Abstraktion zu wandeln. Das lasse Zweifel aufkommen an der Reaktion Mueller-Stahls zu Interviewwünschen, dass doch schon alles gesagt sei: „Wer sich immer neuen Herausforderungen stellt, der hat sicher noch viel zu erzählen.“

Hümmes Wunsch: „Dass Sie bleiben mögen, wie Sie sind: menschlich, offen, Alt wie Jung gegenüber aufgeschlossen, handfest, kritisch und streitbar. Sie sind und bleiben ein gestandener Mann, ein aufrechter Mann noch immer in den besten Jahren, ein Mann, der – mit allen Lebenserfahrungen im Hintergrund – weiß, was er will, was er kann und was er ist.“

Mueller-Stahls Antwort: „Wenn ich so werden soll, wie Sie mich beschrieben haben, dann muss ich noch hart an mir arbeiten.“ Mit Blick auf seine Malerei stellte Mueller-Stahl fest, dass ihn schöne Bilder nicht sehr interessierten, er versuche stets, ein Körnchen Salz einfließen zu lassen, und es sei auch stets dieses Körnchen Salz, das er hinter den Gesichtern suche.

Eine Träne ohne Salz sei eine Träne ohne Liebe. Auf den Bezug zur Liebe machte Mueller-Stahl auch mit Blick auf den Titel der aktuellen Ausstellung aufmerksam, der von einem Namen eines Bildes abgeleitet wurde: „,Die Jahre kommen und gehen‘ ist ein Gedicht von Heine, und es geht so weiter: Geschlechter steigen ins Grab, doch nimmer vergeht die Liebe, die ich im Herzen hab.“

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erstellt am 29.Nov.2015 | 18:18 Uhr

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