zur Navigation springen

St.-Elisabeth-Krankenhaus Eutin : Oberstes Ziel: Die Angst nehmen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Für sein Konzept der Erstversorgung von Demenzkranken erhält das St.-Elisabeth-Krankenhaus höchstes Lob von allen Seiten

Eine Vorreiterrolle – landesweit und auch bundesweit nimmt das Eutiner St.-Elisabeth-Krankenhaus beim Umgang mit Demenzpatienten ein. Seit Anfang April gibt es an der im September 2012 eingerichteten Schwerpunktstation für Menschen mit Demenz einen Rund-um-die-Uhr- Rufdienst, der sich um Patienten kümmert, die aufgrund ihrer Demenz in
einen Delir, einen emotionalen Ausnahmezustand geraten sind (wir berichteten). Schleswig-Holsteins Gesundheitsministerin Kristin Alheit sprach bei einem Besuch im Elisabeth-Krankenhaus von einer „qualitativ vorbildlichen Versorgung von Erstbetroffenen“.

Die Ministerin dankte den Initiatoren, allen voran dem Ärztlichen Direktor Dr. Hartmut Niefer und Jochen Gust, dem Demenzbeauftragten des Krankenhauses und Koordinator des „Anti-Delir-Teams“, für ihr Engagement. „Ich verspreche mir sehr positive Impulse von diesem Konzept“, erklärte Kristin Alheit. Damit werde eine qualitativ vorbildliche Versorgung von Erstbetroffenen gewährleistet.

Die Kunde von der Eutiner Initiative ist bis nach Berlin gedrungen. Adelheit Braumann, Referentin im Bundesfamilienministerium, war gestern zwar nicht persönlich anwesend, ließ aber ihr Lob schriftlich ausrichten: „Genau das ist es, was wir in unserem Land brauchen. Menschen, die sich nicht zufrieden geben mit dem, was erreicht wurde, sondern neue Wege und Maßnahmen in Angriff nehmen, um Vorhandenes noch besser zu machen.“ An Demenz erkrankten Menschen werde die Angst genommen, ihr Lebensalltag und der ihrer Angehörigen werde erleichtert.

Ein großes Lob stellte der Geschäftsführer des Kompetenzzentrums Demenz Schleswig-Holstein aus. „Die Idee ist klasse, innovativ und, soweit mir bekannt, in Deutschland einmalig.“ In Deutschland gebe es weniger ein Erkenntnisproblem als ein Umsetzungsproblem. Deshalb sei es „schön, dass hier gleich losgelegt wurde“ und nicht erst eine Studie gemacht worden sei. Bislang würden Demenzpatienten leider oft fixiert oder sediert. Es sei auch schon vorgekommen, dass die Polizei Demenzpatienten aus Unkenntnis in eine Zelle gesperrt habe.

Der Rund-um-die-Uhr-Rufdienst arbeitet eng mit Rettungsdiensten, Polizei und sozialpsychiatrischen Diensten zusammen, um auch die Erstversorgung Betroffener aus dem häuslichen Bereich zu gewährleisten, erläuterte Dr. Niefer. Der Rufdienst widme sich akut verwirrten Patienten, die phasenweise eine intensive Eins-zu-eins-Betreuung bräuchten, wie sie normalerweise im Krankenhaus nicht möglich sei. So könne weitestgehend auf Fixierungsmaßnahmen verzichtet werden. Das sei „nicht hoch genug zu würdigen“, urteilte Eutins Bürgermeister Klaus-Dieter Schulz.

Niefer schilderte eindrucksvoll, in welchem emotionalen Zustand sich demente Patienten im Delir befänden. Das sei vergleichbar mit dem einer Mutter, die sich ans Steuer ihres Wagens setze, nachdem die Polizei ihr gerade am Arbeitsplatz per Telefon mitgeteilt habe, dass es bei ihr zu Hause brenne, ihr Mann im Krankenhaus liege und ihre Tochter noch vermisst werde. Bei solchen Patienten komme es vor allem darauf an, dass ihnen die Angst genommen werde. Niefer: „Gegen die Demenz können wir nichts machen, aber wir können verhindern, dass diese Patienten einen Delir bekommen.“ Dafür müsse eine Eins-zu-eins-Betreuung Tag und Nacht gewährleistet sein.

 

zur Startseite

von
erstellt am 27.Mai.2014 | 04:30 Uhr

Gefällt Ihnen dieser Beitrag? Dann teilen Sie ihn bitte in den sozialen Medien - und folgen uns auch auf Twitter und Facebook:

Diskutieren Sie mit.

Leserkommentare anzeigen