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Ostholsteiner Anzeiger

17. Oktober 2017 | 09:47 Uhr

OB in Kiel mit der Abi-Note 1,9

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dr. Ulf Kämpfer sprach gestern in der neuen Aula des Gymnasiums Schloss Plön vor über 200 Schülern und Butenplönern

von
erstellt am 03.Sep.2015 | 15:22 Uhr

Zuerst erinnerte sich Kiels Oberbürgermeister Dr. Ulf Kämpfer gestern an die 14 Punkte, die ihm sein ehemaliger Geografie-Lehrer Volker Skwirblies im mündlichen Abi gegeben hatte. Das war 1991. Skwirblies war klar: „Ich wusste schon damals, dass aus ihm etwas Besonderes werden würde.“ Ulf Kämpfer habe sich in politischen Diskussionen sehr engagiert gezeigt. Da ging es um die Wiedervereinigung.

24 Jahre später kehrt ein gut aufgelegter Ulf Kämpfer als ehemaliger Plöner Pennäler aus Niederkleveez auf Einladung der Butenplöner ans Gymnasium Schloss Plön zurück. Die Bekanntgabe seiner Abi-Note von 1,9 nach einem „Durchmarsch“ erzeugt ein leises Raunen durch die Schülerreihen.

Zuvor wird Kiels Oberbürgermeister vom neuen Vorsitzenden der Butenplöner, Robert C. Klein, auf dem Schulhof begrüßt. Die Lehrer erhoffen sich vom OB Inspirationen für die nächste Schülergeneration. Vor Kämpfer sitzen über 200 Schülerinnen und Schüler der Oberstufen und der fünften Klassen, einige Ehemalige – darunter auch Direktor a.D. Dr. Alfred Heggen – aber auch Kämpfers Eltern und Geschwister.

Die Schule habe ihm Spaß gemacht, leitet Kämpfer seinen Vortrag ein, der weder Berufsberatung noch ein Gesinnungsvortrag sein soll. Aber es gibt Tipps vom 43-jährigen OB, der mit Frau und neunjährigem Sohn in Kiel in einem Haus mit Grasdach und Kompost-Klo wohnt: „Wir lernen nicht für die Schule, sondern fürs Studium.“

Kämpfer selbst gesteht, dass er am Gymnasium Schloss Plön nicht viel ausstehen musste. Es sei eine „unaufgeregte Schule“. Er sei nicht faul aber auch nicht besonders ambitioniert gewesen. Und wer in Plön sein Abi nicht schaffte, der sei ins Internat nach Luisenlund geschickt worden, schmunzelt Dr. Ulf Kämpfer.

Er hat, wie er sagt, mit minimalem Aufwand sein Ziel erreicht. Geschichte, Erdkunde, Mathe und Sport haben ihm gelegen. Die Lehrer seien natürliche Autoritäten, die ohne Strafarbeiten die Klasse mitgerissen hätten. Das hat Kämpfer Ruhe vermittelt, die ihn heute noch auszeichnet. Er bezeichnet sich selbst als Wechsel-Typ, hat vieles ausprobiert – Tischtennis, für den Scheinwerfer gearbeitet, Mitarbeit in der Öko-AG oder Fremdsprachen – und war auch schnell wieder weg.

„Prägnant war für mich eine Sitzung der Schülervertretung 1990 und eine Demo für mehr Klausuren an der Schule“, erinnert sich Kämpfer an das
ungläubige Gesicht der damaligen Bildungsministerin, weil Schüler für mehr Klausuren demonstrieren. So kam er an den Verein zur Förderung des politischen Handelns, hat dort viele Seminare zu politischen Themen besucht. Heute ist Kämpfer dort Referent und im Vorstand: „Das hat für mich mehr gebracht, als alles andere zuvor.“

Er gibt den Tipp, sich auf das Lernen der englischen Sprache zu konzentrieren und gesteht seine Schüchternheit ein: seine Mitschülerin Lea wusste ein Jahr lang nicht, dass er in sie verliebt war. Er hat gern in der zweiten Reihe gestanden. „Einmal wollte ich mich als Tellerwäscher bewerben und hatte Angst, in das
Lokal zu gehen.“

„Das Schiff liegt im Hafen sicher, doch dafür ist es nicht gebaut. Es soll nicht verlanden, sondern neue Häfen entdecken“, weiß Kämpfer nur zu gut. Sein Leben zeichnet sich so nach der Schulzeit. Er wäre gern Geoökologe oder „Feuer spuckender Bundespräsident“ geworden, war in Indien und Irland, hat in Göttingen fünf Jahre Jura studiert, arbeitete in politischen Fraktionen, promovierte 2005 und wurde unter anderem Amtsrichter in Kiel und später Staatssekretär im Umweltministerium mit rund 2000 Mitarbeitern. Heute ist er OB in Kiel und Chef von 9000 Mitarbeitern. Er sieht seine Tätigkeiten vom „Grüß-Gott-Onkel“ bis zum „obersten Aktenfresser“, der bis zu 80 Stunden die Woche unterwegs ist. Den Schülern und Gästen gefällt der Vortrag. Heute Nachmittag treffen sich die Butenplöner bei Grillwurst und Kuchen am Bootshaus und ab 19.30 Uhr zu Büfett und Tanz in der Aula der Schule mit der Kultband „Tin Lizzy“.

 

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