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Ostholsteiner Anzeiger

18. November 2017 | 15:09 Uhr

„Nur Hausfrau sein reicht nicht“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Von wegen Kaffeekränzchen: Der Berufsverband der Haushaltsführenden feiert sein 70-jähriges Bestehen mit aktuellen Themen

shz.de von
erstellt am 22.Mai.2017 | 00:52 Uhr

Immer neue Themen prägen die inhaltliche Arbeit des DHB-Netzwerks Haushalt, dem Berufsverband der Haushaltsführenden. 2009 gab sich der Deutsche Hausfrauenbund den neuen Namen für ein modernes Image unter dem Logo der Sonne. Am Sonnabend trafen sich 140 Frauen aus dem gesamten Bundesgebiet in Malente-Timmdorf. Der Anlass: 70 Jahre DHB-Landesverband Schleswig-Holstein.

Vorsitzende Sylvia Dieckhoff hatte den Landgasthof Kasch als Ausflugsziel gewählt, da er ungefähr in der Mitte des Landes liege. „Die Mittel haben sich verändert, die Zielsetzung nicht“, erklärte Staatssekretärin a.D. und DHB-Mitglied Karin Wiedemann (68) bei einem Blick zurück auf die Geschichte. „Früher war es die Hausfrau, heute ist es eine Frage von Management.“ Emmy Lüthje aus Kiel war 1947 die in Eutin gewählte erste Vorsitzende des Landesverbandes, war Landtagsabgeordnete und arbeitete in Ausschüssen mit. Ziele damals wie heute: Haushälterisches Wissen zu vermitteln und die soziale Situation der im Haushalt Tätigen zu verbessern. Als sie 1955 damit scheiterte, einen stärkeren Akzent auf staatspolitische Bildung zu legen, gründete Lüthje einen Konkurrenzverband, die Hausfrauen-Union, so Wiedemann. „Der DHB ist kein Forum für Kaffeekränzchen, sondern Tarifvertragspartei und Partner der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten, wo es um die soziale Sicherung, Bedeutung und Ausgestaltung des Arbeitsplatzes Haushalt geht“, verwies Wiedemann auf die häufig verdrängten Gefahren illegaler Beschäftigung.

„Wir fühlen uns modern und sind Vorreiter der Verbraucherzentrale, der DHB setzt Akzente auf allen politischen Ebenen“, erklärte Diekhoff (63). Haushalte seien eine wichtige Instanz im gesellschaftlichen Gefüge, hier würden die Weichen gestellt. Die ältere Generation könne so lange wie möglich mit Unterstützung hauswirtschaftlich ausgebildeter Arbeitskräfte in den eigenen vier Wänden bleiben. Auch junge Menschen benötigten professionelle Hilfe beim Spagat zwischen Erwerbstätigkeit, Kindererziehung und Haushalt.

Bundesvorsitzende Heike Hauenschild (50) ist Mutter von fünf Kindern und Meister der Hauswirtschaft und wirkt im Wirtschaftsausschuss des Außenministeriums, im Bund für Lebensmittelrecht- und Lebensmittelkunde und in der Deutschen Lebensmittelbuch-Kommission als höchster politischer Kommission mit, wo es um Formfleisch, Analog-Käse und Co. gehe. „Dort wird die Hausfrau belächelt, aber höchstes Gütezeichen ist ‚nach Hausfrauenart‘, darüber sollte man nachdenken“, so Hauenschild. „Hausfrau zu sein ist ein durchaus hochwertiger Managementjob.“

„Vom Herd ein bisschen weg“, wollte Elke Frese (72) aus Lehmkuhlen, die seit 1982 dabei ist. Sie sieht Überalterung als Problem: „Man kann nicht den Alten Junges anbieten und Altes den Jungen.“ Viele Junge seien berufstätig, es sei schwierig, sie einzubeziehen, findet Dora Jaeck (76) aus Plön. Dort hat der DHB mehr als 200 Mitglieder. „Die Hausfrau hat nicht mehr den Wert, nur Hausfrau zu sein ist nicht mehr anerkannt“, weiß Ehrenvorsitzende Christa Petersen (71) aus Lütjenburg. „Es gibt auch Hausmänner im Verband“, sagt Marie-Luise Schmidt aus Plön (70). Sie trat 1982 ein, um sich weiterzubilden. Gudrun Gerigk aus Schwarzenbek (76) gründete vor 50 Jahren einen „Club junger Hausfrauen“ auf Ortsebene. „Die jungen Frauen wollten nicht in den DHB, weil dort alle alt waren. Wir hatten von Anfang an auch Hausmänner und haben damals schon über Massentierhaltung gesprochen“, sagt die Hauswirtschaftsmeisterin. Das Weiterbildungsangebot werde immer größer, aber die Frauen seien berufstätig und die Zeit junger Mütter sei knapp.

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