Nüchel wartet auf den Storch

Hoffen, dass das Nest bald einen Bewohner hat: (von links) Emma und Marcus Kleine, Marcus Path (Feuerwehr) , Karl-Heinz Auer (Verschönerungsverein) und Dorfvorsteher Dieter Path.
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Hoffen, dass das Nest bald einen Bewohner hat: (von links) Emma und Marcus Kleine, Marcus Path (Feuerwehr) , Karl-Heinz Auer (Verschönerungsverein) und Dorfvorsteher Dieter Path.

Marcus Kleine baute mit seinen beiden Töchtern ein Nest, das nun auf einem Betonmast am Feuerwehrhaus auf Bewohner wartet

shz.de von
08. Mai 2015, 11:35 Uhr

Vor etwa zwei Wochen sah Marcus Kleine einen Storch über Nüchel kreisen. Es wäre doch schön, dachte sich der 42-Jährige, wenn der Vogel sich in seinem Dorf niederlassen würde. Um dem Storch die Malenter Dorfschaft schmackhaft zu machen, wurde Kleine aktiv. Gemeinsam mit seinen Töchtern Maya (8) und Emma (9) baute er an vier Nachmittagen kurzerhand ein Storchennest.

Das Vorhaben war zuvor schnell auf Unterstützung gestoßen: Der örtliche Landgasthof lieferte Werkzeug und eine Montagemöglichkeit, die Tischlerei Holst stellte eine wetterfeste Bodenplatte bereit und Dorfvorsteher Dieter Path organisierte eine Arbeitsbühne, um das fertige Nest an seinen Platz am Feuerwehrhaus zu hieven. Denn dort steht ein 16 Meter hoher ehemaliger Strommast aus Beton, der Meister Adebar einst schon als Standort für einen Horst diente. Das neue Nest besteht aus elf ineinander verflochtenen Haselnuss-Stecken, hat einen Durchmesser von rund einem Meter und ist etwa 40 Zentimeter hoch.

Zum Richtfest kamen 15 Zuschauer und Helfer sowie zehn Kinder. Sabine Path hatte zur Aktion spontan einen Kuchen gebacken. Nun hoffen die Nücheler, dass sich bald ein Storch bei ihnen niederlässt – womöglich noch in diesem Jahr: „Es sind noch welche im Anflug“, weiß Kleine, der als Leiter im Abrissgewerbe sonst eher damit tun hat, Häuser zu beseitigen. Vielleicht werde sich nicht gleich ein Storchenpaar, aber immerhin doch ein vereinzelter Storch auf dem Horst niederlassen, hofft er.

Damit die Werbung klappt, hat Kleine im Internet, etwa beim Naturschutzbund, recherchiert, wie ein geeignetes Nest aussehen muss. So wurde dieses mit Heu (ohne Samen, damit sich kein Bewuchs bildet), Holzhackschnitzeln und Birkenreisig befüllt. „Reisig animiert den Storch zum weiterbauen“, weiß Kleine. Zum Abschluss des Nestbaus besprenkelte Kleine den Horst mit weißer Farbe, um dem Neubau einen benutzten Anstrich zu verpassen. „Störche sind wohl etwas faul“, mutmaßt Kleine. Jedenfalls ließen sie sich gern in benutzten Nestern nieder.


Nur ein Horst in Malente besetzt


Allerdings ist es nicht so einfach, den Storch anzulocken, wie der Sieversdorfer Dorfvorsteher Frank Osterkamp weiß. Auf seiner Scheune wurde im März 2013 eine Nisthilfe installiert, die bislang nicht angenommen wurde. Zwar hätten sich in diesem Jahr zwei Störche darauf niedergelassen, seien dann aber weitergezogen.

Eine weitere Nistmöglichkeit in Sieversdorf ist auf der Scheune des Hofs Malchau, der jetzt Hans-Peter Wandhoff gehört. Er beobachtete, wie sich die Neukirchener Alt- und Jungstörche in der Nähe aufhielten. „Da habe ich gedacht, das ist ein guter Standort“, berichtet Wandhoff. Flugs setzte er im Oktober vergangenen Jahres ein Nest auf die Scheune. „Ich hoffe, dass sich die Jungstörche hierher zurückorientieren, wenn sie ihr eigenes Brutgeschäft betreiben.“ Das Nahrungsangebot in Malente und Umgebung müsste durch die Renaturierung der Malenter Au eigentlich für mehrere Storchenpaare ausreichen, glaubt Wandhoff.

In Malkwitz gibt es mittlerweile sogar vier Horste, zwei auf dem Ingenhof und zwei beim Ziegenhof Lorenzen, berichtet Dorfvorsteher Norbert Neu. Beim Ziegenhof war 2012 immerhin ein Storchenpaar, blieb jedoch ohne Bruterfolg.

Mehr Glück hat Neukirchen. Das dortige, seit 2003 bestehende Nest an der Pastoratsscheune ist seit Jahren fast immer besetzt. Im vergangenen Jahr hätten die Storcheneltern drei Junge flügge bekommen, berichtet Rolf Ruseler vom Verschönerungsverein. In diesem Jahr beobachteten die Dorfbewohner bereits drei Störche, die um das Nest kämpften. Zuletzt hat einer den Horst besetzt und wartet nun offenbar auf seine Partnerin.

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