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Ostholsteiner Anzeiger

24. Oktober 2017 | 06:25 Uhr

Nolte-Franzen durfte weitersägen

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Bebauungsplan eingetragene Bäume, die der Malenter gerodet haben soll, waren dem Anschein nach schon vorher verschwunden

shz.de von
erstellt am 14.Mär.2016 | 16:21 Uhr

Das Ergebnis eines Ortstermins auf dem „Störtebeker“-Grundstück am Sonnabendvormittag ließ sich kurze Zeit später hören. Auf dem Gelände am Ende der Janusallee, wenige Meter vom Kellerseeufer entfernt, hatten wieder die Motorsägen das Wort. Heinz Dieter Nolte-Franzen, nach eigenen Angaben als Berater der Firma City Styling tätig, durfte seine vor zwei Wochen polizeilich gestoppte Abholzungsaktion fortsetzen – mit Zustimmung der Gemeinde und der Grundstückseigentümerin, der Firma „Störtebeker Haus“ in Henstedt-Ulzburg (Kreis Segeberg) Diese hatte ihm zwischenzeitlich gar ein Betretungsverbot ausgesprochen, weil die Rodung Behörden und Polizei auf den Plan gerufen hatte und der Eindruck entstanden war, geschützte Bäume seien gefällt worden.

Der Hamburger Firma „City Styling“ gehört bereits das Grundstück Ecke Plöner Straße/Olandsweg. Auf dem Gelände sollen 32 Eigentumswohnungen entstehen, so kündigen es Schilder auf dem Grundstück an. Das Störtebeker-Grundstück gehört City Styling, über deren Gesellschafter Nolte-Franzen nichts sagt, zwar nicht, doch sie wolle es kaufen und dort bauen, kündigte er an. „Störtebeker Haus“ hatte das Gelände vor etwa 15 Jahren von der Gemeinde erworben, dann jedoch das Interesse an einer Bebauung verloren. Dazu dürften die schwierigen Bodenverhältnisse beigetragen haben.

Der im Raum stehende Vorwurf, Nolte-Franzen habe geschützte Bäume absägen lassen, ließ sich vor Ort nicht erhärten. Zwar waren größere Bäume gefällt worden, doch diese waren alle dem Grundstück der Curtius-Klinik zuzuordnen, die ihre Fällaktion eng mit der Gemeinde abgestimmt hatte und zu Ersatzpflanzungen verpflichtet ist.

So rätselten die neben Nolte-Franzen am Ortstermin Beteiligten – der Umweltbeauftrage Achim Vollert, Bauamtsmitarbeiter Karlheinz Spindler und Michael Mattner, Geschäftsführer von „Störtebeker Haus“ –, wo eine im Bebauungsplan (B-Plan) Nr. 61 eingetragene Baumgruppe geblieben sein könnte. Nicht einmal Reste größerer Bäume, wie Baumstümpfe, ließen sich entdecken. Nolte-Franzen sah daher die Rechtmäßigkeit seines Tuns bestätigt. Doch ein Phantom sind die vermissten Bäume offenbar nicht. „Da stand eine Baumgruppe“, bestätigte Mattner, dessen Erinnerungen daran allerdings viele Jahre zurückliegen. Er selbst habe nie ein Interesse daran gehabt, dass diese eingetragenen Bäume verschwänden, betonte er. Noch vorhanden ist lediglich eine große Eiche direkt an der Janusallee. Ein weiterer ebenfalls im B-Plan vermerkter Baum daneben ist bereits vor längerer Zeit umgestürzt.

Mattner entschuldigte sich dafür, dass die Abholzung ohne vorherige Absprache mit der Gemeinde stattgefunden habe. Gleichwohl gestattete er Nolte-Franzen, die Sägen wieder anwerfen zu lassen. „Ich habe natürlich ein Interesse, dass das Gelände geräumt wird.“ Andernfalls könne dort nicht wie im B-Plan vorgesehen gebaut werden. Ob das geplante Grundstücksgeschäft zu Stande komme, stehe aber auf einem anderen Blatt, sagte Mattner.

Die Fortsetzung der Rodung erfolgte nun allerdings in von der Gemeinde geregelten Bahnen. Spindler hatte dafür mit rot-weißen Stäben Grenzen markiert. Ein Streifen zum Kellersee, in dem sich aus seiner Sicht ein bereits schützenswerter Baumbestand entwickelt hat, musste unangetastet bleiben. Einen freien Blick auf den Kellersee wird es damit vom Störtebeker-Grundstück nicht geben – zumindest, wenn sich die Gemeinde mit ihrer Einschätzung dauerhaft durchsetzt.

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