Noch viel Bedarf zum Nachdenken

Ernstes Thema: Staatssekretärin Anette Langner stellte das Gutachten zur Geburtshilfe vor, Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt hatte mehr erwartet.
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Ernstes Thema: Staatssekretärin Anette Langner stellte das Gutachten zur Geburtshilfe vor, Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt hatte mehr erwartet.

Gutachter-Empfehlungen zur Verbesserung der Geburtshilfe in Ostholstein werden durch Weigerung der Hebammen Grenzen gesetzt

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08. März 2017, 13:47 Uhr

„Ich will nicht sagen, das ist enttäuschend. Aber es gibt noch viel Bedarf zum Nachdenken.“ So reagierte die Kreistagsabgeordnete Petra Kirner (CDU) auf Gutachter-Empfehlungen zur Geburtshilfe im Norden des Kreises Ostholstein. Ernüchtert reagierten auch die Gleichstellungsbeauftragte Silke Meints und der Bürgermeister der Stadt Oldenburg, Martin Voigt, auf die Zusammenfassung eines Gutachtens, das Sozialstaatssekretärin Anette Langner (SPD) am Dienstag im Hauptausschuss des Kreistages vorstellte (siehe auch Seite 1) .

Eine tiefgehende Diskussion über das Gutachten war im Hauptausschuss nicht vorgesehen, als erstes soll sich der Sozialausschuss intensiv mit dem Papier befassen, das auch die Hoffnungen der Staatssekretärin auf ein leicht umsetzbares Handlungsinstrumentarium enttäuschte. Die Gutachter hätten sich viel über bessere Finanzierungsmodelle ausgelassen, wenig über praxisnahe Verbesserungen.

Die Landesregierung werde versuchen, die Strukturen der Geburtshilfe zu verbessern. Zu konkreten Maßnahmen gehörten Hebammen-Sprechstunden, die Einführung eines Partnerschaftsmodells „Mutter-Hebamme-Arzt“ zur Förderung der Zusammenarbeit und eine spezielle Schulung des Rettungsdienstes mit Hilfe eines neuen Geburtssimulators.

Langner nannte eine Reihe von flankierenden Maßnahmen, die angelaufen oder schon umgesetzt seien – fast ausnahmslos an der Westküste. Außerdem werde im Rettungsdienstgesetz ein Baby-Notarztwagen aufgenommen, und an der einzigen Hebammenschule des Landes würden dieses Jahr nicht nur 15, sondern zusätzliche 20 Hebammen ausgebildet. Zusätzlich erfolge die Einführung einer akademischen Ausbildung.

Die Umsetzung von weiteren von den Gutachtern vorgeschlagene Maßnahmen werde durch das Land im Rahmen freiwilliger Leistungen nach Maßgabe einer geplanten Förderrichtlinie erfolgen. Zu diesen Maßnahmen gehörten eine Ausweitung der Hebammen-Rufbereitschaften, die Finanzierung von Hebammen-Sprechstunden im Kreis Ostholstein und das bereits erwähnte Partnerschaftsmodell „Mutter-Hebamme-Arzt“

Weiter geplant seien realitätsnahe Schulungen des Rettungsdienstes in den Kreisen mit Hilfe des neuen Simulators und eine Stärkung der vorgeburtlichen Versorgung mit Hilfe eines „Risikobogens“ und entsprechender Behandlungspfade. Dieser Vorschlag solle mit dem Berufsverband der Frauenärzte umgesetzt werden.

Die Kreistagsabgeordneten und weitere Sitzungsteilnehmer hatten mehr erwartet, das war – auch ohne Diskussion – durch die Nachfragen zu spüren. Silke Meints beschrieb eine anhaltende Verunsicherung von schwangeren Frauen im Nordkreis seit der Schließung des Kreißsaals am 1. August 2014, und sie habe den Eindruck, dass dazu auch die Weigerung der Hebammen zu einer Rufbereitschaft beitrüge. „Mir wäre es lieber, wenn mich meine Hebamme auf dem Weg ins Krankenhaus begleiten würde.“

Oldenburgs Bürgermeister Martin Voigt bekundete ebenfalls die Hoffnung, dass sich in Ostholstein noch einrichten lasse, was in Nordfriesland möglich sei: Dass die Hebammen auch bei einer unerwarteten Geburt gerufen werden könnten.

„Da rennen Sie bei mir offene Türen ein“, entgegnete Anette Langner. Aber bislang seien alle Versuche, die Hebammen in Ostholstein zu einem System der Rufbereitschaft zu überreden, gescheitert.

Martin Voigt schilderte dem Ausschuss, dass erst jüngst bei einem Treffen mit seinen Kollegen aus dem Nordkreis die anhaltende Enttäuschung über die Schließung der Geburtshilfe in Oldenburg zum Ausdruck gekommen sei: „Das ist ein schmerzlicher Einschnitt gewesen.“ Und da werde auch eine Hebammen-Sprechstunde in Eutin keine Lösung für die Probleme im Nordkreis sein.

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