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„No worries“ – Das allgegenwärtige Motto der Neuseeländer

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Weber-Schülerin lebt bis Ende Februar am anderen Ende der Welt – ein erster Bericht

von
erstellt am 05.Nov.2014 | 16:13 Uhr

Diese Einstellung ist ansteckend und gerade unterwegs sehr angenehm. Nicht so viele Gedanken machen und gegebenenfalls einfach eine Nacht länger an einem Ort bleiben, wenn das nötig ist. Entspannung war mir aber erst möglich, als ich in Auckland angekommen war.

Meine Abreise verlief nicht problemlos. Nachdem ich mich am Eutiner Bahnhof verabschiedet hatte und schon 15 Minuten Richtung Frankfurt-Flughafen gefahren bin, gab es die erste Verzögerung. Das führte schließlich dazu, dass mir der nächste Zug in Lübeck vor der Nase wegfuhr und ich auch den ICE in Hamburg verpasste. Glücklicherweise hatte ich mit sowas gerechnet, wenn auch erst ab Hamburg, wo ich Mitreisende treffen wollte. So kam ich zwar allein, aber noch rechtzeitig am Flughafen an. Es war nicht gerade der beste Start in mein Abendteuer. Nach Stopps in Dubai und Melbourne und 25-Stunden-Flug kamen wir endlich in Auckland an. Der befürchtete Jetlag hat mich nicht so stark getroffen, wie erwartet.

Meine erste Woche habe ich in Auckland verbracht; mich etwas eingelebt, mich mit anderen aus dem Flugzeug getroffen und kleinere Ausflüge gemacht- alles bei mehr oder weniger gutem Wetter. Berechtigterweise beschreiben die Neuseeländer ihr Wetter als „all seasons in one day“.

Außerdem haben wir gleich typisch neuseeländische Limonade „L&P“ getrunken und Süßigkeiten gekauft, besonders beliebt ist „Hockey Pockey“ Eis (Honig und Karamell).

Nach dem Wochenende bin ich zum ersten Mal umgezogen und es ging mit der Arbeitssuche los. In diesem Moment war ich wirklich erleichtert, einen Ansprechpartner vor Ort zu haben, der mir ein paar hilfreiche Tipps zur Jobsuche geben konnte.

Gerade an den Lebenslauf hat man hier ganz andere Anforderungen. Nach einigen Anläufen habe ich es schließlich geschafft, einige Bewerbungen zu verschicken. Als ich auch mein Bankkonto eröffnet hatte, waren die organisatorischen Teile geschafft. Nun wollte ich schnellstmöglich aus der Stadt in die Natur.

Ich habe ein Jahresticket für einen „Abenteuer-Bus“ gekauft. Die bringen mich nicht nur von Ort zu Ort, sondern halten auch an Sehenswürdigkeiten und organisieren sowohl Unterkünfte als auch Aktivitäten.

Am Tag vor meiner Abreise habe ich dann eine positive Antwort auf eine Bewerbung erhalten. Spontan habe ich zugesagt und einen Bus gebucht. Ich wollte sowieso erst in den Norden. So konnte ich das Wochenende mit Ausflügen verbringen und dann von Paihia zwei Stunden an die Westküste fahren, um dort zu arbeiten. Die Endless Summer Lodge in Ahipara liegt am 90-mile-beach und ist vor allem bei Surfern beliebt.

Ganz ungewohnt, habe ich hier das Zimmer anstatt mit fünf, nur mit einer anderen Person, die auch dort gearbeitet hat, geteilt.

Ahipara liegt in einer wenig besiedelten und armen Gegend. Einmal die Woche konnte ich mit dem Bus zum Einkaufen fahren. Das war wahrscheinlich auch der Grund, weshalb dass „free food-shelf“ so eine Begeisterung bei uns ausgelöst hat. Hier kann man Lebensmittel, die man nicht mehr braucht oder transportieren kann, für andere zur Verfügung stellen. Nichts ist schöner, als an dem Tag, an dem einem das Brot ausgeht, zwei Scheiben zu finden, damit man die Marmelade nicht pur aus dem Glas essen muss.

Zu meinem Glück durfte ich für zwei bis drei Stunden Betten machen und putzen, am Tag nicht nur kostenlos dort wohnen, sondern auch Surfboard und Wetsuit leihen.

Mein Mitbewohner hat mir in der ersten Woche erfolgreich das Surfen beigebracht und von da an war ich an den meisten Nachmittagen beschäftigt.

Wenn die Wellen mal nicht ausreichend waren, hatten wir noch Stand-Up-Paddling oder wandern zur Auswahl. An meinem zweiten Tag gab es Muscheln für alle. Die Franzosen, die einige Tage bei uns verbracht haben, waren am Strand und haben welche gesammelt und zubereitet. In anderen Hostels gibt es Kekse und Tee, bei uns Muscheln und Wein zum Kaffee.

Am 8. Oktober haben wir draußen in der Hängematte die Mondfinsternis beobachtet. Ich hatte noch nie so viele Sterne und Sternschnuppen gesehen!

Schweren Herzens habe ich diese schöne Gegend nach zwei Wochen wieder verlassen. Meine anfänglichen Bedenken, ob ganze zwei Wochen an einem Ort nicht etwas lang sind, kamen mir unwirklich vor. Die Zeit verging wie im Flug. Wieder in Paihia habe ich mich mit anderen getroffen und noch ein paar Ausflüge gemacht. Zwar reise ich allein, aber wirklich allein bin ich trotzdem selten. In Hostels lernt man viele Leute kennen. Manche sieht man nicht wieder, aber andere trifft man jeden Abend in der Küche oder auf dem Zimmer. Ich habe schon einige Reisende aus Auckland zufällig an einer Bushaltestelle in einem kleinen Dorf im Norden wiedergesehen. So weit weg rückt alles dichter zusammen und man freundet sich schneller an.

Einen Tag habe ich Tane Mahuta, den Herrn des Waldes, den größten Kauri-Baum der Welt besucht. Unsere Reiseleiterin, eine Maori, hat uns zu dem Baum geführt und uns seine Bedeutung erklärt. Er ist der Beschützer des Waldes und der Vögel und Sohn von Rangie, dem Himmelsvater, und Mutter Erde.

Es ist schwer zu beschreiben, wie riesig der Baum ist. Wenn man vor ihm steht, kann man nicht erkennen, dass er rund ist! Außerdem habe ich mich zum Tauchen überzeugen lassen. Als Anfänger hatte ich einen begleiteten Tauchgang in der Nähe des Wracks der Rainbow Warrior. Ich habe große bunte Fische und ein Riff gesehen. Einen zutraulichen Fisch habe ich mit Teilen eines Seeigels gefüttert. Es ist so spannend unter Wasser, dass man nach einigen Minuten ganz vergisst, dass es kalt und tief ist.

Ein Spiel der All Blacks, Neuseelands Rugby-Nationalmannschaft, habe ich mir auch schon angesehen. Die Stimmung im Pub ist vergleichbar mit Fußballspielen in Deutschland. In den letzten Sekunden haben die Neuseeländer das Spiel gegen Australien für sich entschieden. In einem meiner Reiseführer habe ich gelesen, dass ein verlorenes Spiel der All Blacks sogar Auswirkungen auf die Wirtschaft hat. Nach einem Monat im winterlosen Norden, erkunde ich nun den südlichen Teil der Nordinsel. Über Auckland fahre ich zunächst nach Raglan und dann im Zick-Zack-Kurs nach Wellington.

Bald geht die Sommer-Saison los und alle fahren in ihren Weihnachtsurlaub. Also suchen die Cafés und Restaurants nach Aushilfen. Bis dahin fahre ich noch etwas weiter mit meinem Jahresticket, genieße die Natur – und hoffentlich bald auch etwas Sonne.



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