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Vogelschutz in Malente : Nicht schlecht, Herr Specht

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Eine Vogelfamilie sorgt in Malente dafür, dass der Weg zur Badestelle blockiert ist. Der Bauhof sorgte per Motorsäge für Abhilfe.

shz.de von
erstellt am 30.Jun.2016 | 15:40 Uhr

Gunnar Asmus wunderte sich. Am Mittwoch rückten gegen Mittag mehrere Mitarbeiter des Bauhofes auf dem Parkplatz am Klaus-Groth-Weg an, an dem der 57-Jährige wohnt. Die Männer trennten ein Stück Zaun heraus und packten die Motorsäge aus. Dann begannen sie, eine Schneise in das Dickicht zu schlagen, das den Parkplatz von der Badestelle und dem Spielplatz am Kellersee trennt. Drei Arbeiter, später vier, waren einige Stunden beschäftigt. Nun schlängelt sich ein rund 40 Meter langer, mit Holzhackschnitzeln provisorisch befestigter Weg durchs Gebüsch.

Was das alles soll? Asmus fragte die Männer vom Bauhof. Die erklärten, an der bekannten Zuwegung – sie führt wenige Meter entfernt vom neuen Weg über einen kleinen Damm durch das Feuchtgebiet – stehe eine morsche Weide. Die dürfe aber nicht gefällt werden, weil dort der Specht brüte. Deshalb wurde der Weg mit rot-weißen Absperrungen verrammelt. Damit Badegäste trotzdem an den See kommen, erhielt der Bauhof aus dem Rathaus den Auftrag, einen neuen Weg anzulegen.

Asmus findet das kurios. Er fragt sich vor allem, warum der Weg nicht einige Meter weiter von der Zufahrt zur Seglervereinigung Malente-Gremsmühlen aus ins Gebüsch geschlagen wurde. Von dort sei es viel kürzer, und außerdem sei diese Abkürzung früher ohnehin oft von Kindern genutzt worden, sagt Asmus.

Uwe Thies, zuständiger Mitarbeiter des Bauamts, bestätigt die Angaben der Bauhofmitarbeiter. Ein von der Gemeinde beauftragter Baumsachverständiger habe gemeldet, dass er einen Baum an der Zuwegung zur Badestelle als „stark bruchgefährdet“ eingestuft habe. Zugleich habe er mitgeteilt, dass in dem Baum der Specht seine Jungen großziehe.

Auf entsprechende Nachfragen, wie mit Baum und Specht zu verfahren sei, habe die Untere Naturschutzbehörde des Kreises an das Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und ländliche Räume (LLUR) verwiesen, berichtet Thies. Dort habe er dann nach einigen Bemühungen Auskunft erhalten. Ergebnis: Es komme darauf an, um welchen Specht es sich handele. Absolut schützenswert wäre der Schwarzspecht. Nun sei der betreffende Vogel wahrscheinlich ein Buntspecht, aber auch bei diesem dürften einige Arten nicht vertrieben werden. Die Gemeinde hätte dem LLUR nun nachweisen müssen, um welche Spechtart es sich handelt. Dafür hätte sich ein Vogelsachverständiger auf die Lauer legen müssen, um den Vogel zu identifizieren. Viel Aufwand. Dem Specht – wüsste er von all dem – würde es wahrscheinlich gefallen, was der Mensch heute im Gegensatz zu früher alles bedenkt, bevor er seine Behausung so einfach umlegt.

Bevor es ihm zu bunt wurde, entschied Thies, einen vorübergehenden Bypass anzulegen, obwohl Familie Specht wahrscheinlich in zwei bis drei Wochen die Nisthöhle ohnehin verlässt. Doch die Badestelle so lange zu sperren, kam für Thies nicht in Frage. Er glaubt aus Erfahrung genau zu wissen, was dann passiert. „Die Leute hätten die Absperrung beiseite geräumt, um zur Badestelle zu gelangen.“ Das wollte Thies aus Sicherheitsgründen nicht riskieren. Deswegen sei der neue Weg auch nahe am befestigten Zugang und nicht als Stichweg von der Zufahrt der Seglervereinigung angelegt worden. „Dort hätten die Leute den Weg nicht gefunden.“ Dann hätten sie die Absperrung weggeräumt oder überstiegen.

Thies hat gerade erst am Holzbergturm in Neversfelde erfahren, dass manche Zeitgenossen behördliche Vorsichtsmaßnahmen für übertrieben halten. Die Konstruktion ist aufgrund eines Pilzbefalls gesperrt – eigentlich. Als Thies jetzt vor Ort war, gab es keine Absperrung. Unbekannte hatten sie einfach geknackt.

Der Bypass durchs Dickicht ist für Thies „der einzig vernünftige Weg – schnell und sicher für alle, unter Berücksichtigung des Naturschutzes“. Er weiß, das Handeln der Gemeinde ruft schnell kritische Stimmen hervor. „Egal, was wir machen, wir stehen am Pranger.“ Doch der jetzt gewählte sei immerhin der kleinste.

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