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Ostholsteiner Anzeiger

18. August 2017 | 22:22 Uhr

„Nicht ohne unseren Pfarrer“

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Militärbischof zu Besuch in der Rettberg-Kaserne

Die Zahl der Soldaten beim Gottesdienst anlässlich des Standortbesuchs des Militärbischofs Sigurd Rink in der Rettberg-Kaserne war überschaubar – die Freude des Standortpfarrers Jan Weihmann aber nicht minder groß. „Die Zahl der Besucher bei uns schwankt zwischen acht und 80, da ist alles drin“, sagt Weihmann, der seit einem Jahr in Eutin ansässig ist, die Rettberg-Kaserne vorher aber acht Jahre von Boostedt aus betreute.

Auf die Zahl der Gottesdienstbesucher allein komme es auch nicht an, hakt Militärbischof Sigurd Rink (55) nach. „Wichtig ist, dass die Menschen vor Ort wissen, hier wird gerade gebetet und inne gehalten.“ Rink ist seit zwei Jahren hauptamtlicher Militärbischof und als solcher zuständig für
100 evangelische Standorte in Deutschland. „Ich habe jetzt knapp die Hälfte besucht“, sagte Rink gestern in Eutin. Ziel seiner Visitation, wie Rink den Standortbesuch selbst nennt, ist es, zu erfahren, wie es den Pfarrern vor Ort geht, wo die Probleme und Bedürfnisse liegen. „Gerade Soldaten stehen vor vielen ethischen Herausforderungen, da ist eine Begleitung vor Ort immer wichtig“, sagte Rink. Diese werde an vorderster Stelle immer vom Standortpfarrer geleistet, der wiederum dem Leitenden Militärdekan Armin Wenzel untersteht und als Ansprechpartner hat. Wenzel selbst ist für 33 Standortpfarrer zuständig – „das ist fast der ganze Norden von Flensburg bis Hannover und Leer bis Stralsund“.

Und wie geht es dem Pfarrer Jan Weihmann vor Ort? „Gut“, sagt er mit einem Lächeln im Gesicht. Seitdem er in Eutin ist, sei es intensiver geworden, Gottesdienste können häufiger gefeiert werden, er ist schneller greifbar für die Soldaten. „Vorher habe ich das von Boostedt aus gemacht, bis die Kaserne zur Unterbringung von Flüchtlingen genutzt wurde“, sagt Weihmann. „Ich erlebe immer wieder eine sehr große Berufszufriedenheit“, sagt Rink. Die Zahl der Bewerber für den Dienst als Militärpfarrer sei überschaubar, „aber die Qualität der Bewerbungen ist sehr gut. Die Menschen in so einem Amt müssen passen und bisher hatten wir hier im Norden das Glück, das keine einzige Stelle vakant ist“, so Rink.

Weihmann erfülle seine besondere Aufgabe – auch mit Stolz. „Ich habe noch nie so viel Seelsorge betrieben wie in diesen acht Jahren“, sagt der 44-Jährige – ob bei Begleitungen der Eutiner Soldaten ins Ausland, bei Kriseninterventionen oder in Gesprächen, die mit „haben Sie mal eine Minute“ begannen. „Wir sind hier gern gesehen und das ist schön. Meine Eutiner würden auch nicht ohne Pfarrer in Auslandseinsätze gehen, davon bin ich überzeugt.“ Frank Eckhard Brand, amtierender Kommandeur des Bataillons ergänzt: „Das gehört für uns einfach dazu.“ Allein in Afghanistan habe es drei Standorte gegeben, an denen täglich Gottesdienste gefeiert wurden. Auch Militärbischof Rink kennt das Bedürfnis nach einem Pfarrer im Ausland: „Selbst bei kleineren Einsätzen, wie im Ebola-Einsatz, haben die Soldaten einen Pfarrer gefordert.“ Und Weihmann weiß: „Noch heute hält der Kollege aus Appen Kontakt mit den Einsatzbeteiligten.“ Dekan Achim Wenzel hat dafür eine Erklärung: „Durch die Intensität und Nähe von Leben und Tod gerade in Einsätzen ist der Bedarf der Seelsorge sehr hoch. Auch bei den Soldaten, die zur Rettung von Flüchtlingen im Mittelmeer eingesetzt werden, merken wir den großen Bedarf an Seelsorge.“ Sie würden fast täglich damit konfrontiert, Menschen retten zu können, sehen aber genauso Menschen sterben, das sei belastend und müsse verarbeitet werden können.

Auch Mali könnte für die derzeit 120 Eutiner Soldaten zu einer harten Belastungsprobe werden, so Rink: „Es zeichnet sich ab, das es ein Riesending wird, schwierig und gefährlich“. Pfarrer Jan Weihmann lässt seine Eutiner dabei nicht allein. Er fliegt demnächst „hinterher“. Neben den 120 Soldaten in Mali sind noch zwölf Eutiner im Kosovo.

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erstellt am 22.Jun.2016 | 00:30 Uhr

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