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Ostholsteiner Anzeiger

13. Dezember 2017 | 18:28 Uhr

„Nicht nur nehmen, auch geben“

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

Ist ein Kommunikationsproblem zwischen Dorf und Gemeinde Grund für Ablehnungshaltung gegenüber Flüchtlingen? Lösung in Sicht

shz.de von
erstellt am 09.Okt.2015 | 11:23 Uhr

Die Emotionen kochten, als die Dorfbewohner gestern die Nachricht im OHA lasen, dass die beabsichtigte Genehmigung des Kreises für die Unterbringung von Flüchtlingen im Ferienpark Mönchneversdorf für drei Jahre gelten soll (wir berichteten). „Die Mönchneversdorfer sind nicht prinzipiell gegen Flüchtlinge“, bekräftigen Dorfbewohner zwei Tage nach der Infoveranstaltung. Aber der Umgang von Amt und Gemeinde ließen zu wünschen übrig.

Der Unmut gegenüber den Flüchtlingen habe nichts mit den fremden Menschen zu tun. Ihnen gegenüber herrsche nur die normale Unsicherheit vor den fremden Kulturen, wie sie vielerorts geäußert werde. Der prinzipielle Groll der Dorfbewohner hingegen habe sich angestaut und sei über Jahre gewachsen. „Immer wenn die Gemeinde etwas will, wird es Mönchneversdorf aufgestülpt. Haben wir ein Anliegen, müssen wir sehen, wo wir bleiben. Die Verantwortlichen sollen nicht immer nur nehmen, sondern auch mal geben“, macht sich eine 45-Jährige aus Mönchneversdorf Luft.

Nicht nur wegen der Flüchtlinge gibt es Ärger in Mönchneversdorf, sondern auch wegen der Schülerbeförderungskosten. Geht ein Kind aus Mönchneversdorf auf die Gemeinschaftsschule Lensahn, zahlen die Eltern pro Jahr 60 Euro für den Schulbus. Besuchen die Kinder die Gemeinschaftsschule in Neustadt, kommen rund 400 Euro und mehr auf die Eltern zu – „trotz gleicher Wegstrecken und eigentlich freier Schulwahl“, sagen die Eltern. Sieben Familien haben sich zusammengeschlossen, um eine Senkung der Kosten zu erreichen, meldeten sich sogar per Brief bei Landrat Reinhard Sager – ohne Erfolg. Die Schülerbeförderungskosten werden als Argument für die „Lenkung der Schülerströme“ genutzt. Amt und auch Gemeindevertreter geben an, von diesem Ärgernis der Eltern jetzt zum ersten Mal gehört zu haben. Gemeindevertreter Wolfgang Krahl (CDU), seit 20 Jahren Finanzausschussvorsitzender: „Das hör’ ich zum ersten Mal. Ich habe Verständnis für die Eltern und da gibt es natürlich Verhandlungsspielraum. Ich bin bereit, diesen Eltern zu helfen.“ Er habe persönliche Kontakte zu Ingo Gädechens und Bettina Hagedorn.

War alles nur ein Kommunikationsproblem? „Eigentlich weiß die Gemeinde Schönwalde darüber Bescheid, andere Familien haben das Problem ja schon viel länger als wir“, sagt eine zweifache Mutter. Die Eltern hoffen, dass dies nicht nur Lippenbekenntnisse bleiben. Krahl macht deutlich: „Das Recht auf Bildung steht im Grundgesetz, dabei darf niemand benachteiligt werden. Das werden wir aber auf dem Dorf. Ich wäre sogar bereit, eine Klage bis zum Bundesverfassungsgericht anzustrengen.“ Dass Kosten gesenkt werden könnten, zeige der Einsatz des Bürgermeisters in der Nachbargemeinde Schashagen: Statt 300 Euro zahlten Eltern nur noch die Hälfte.

Sollten Gemeindevertreter und Amt einen Schritt auf die Mönchneversdorfer zu gehen, machten diese deutlich, dass ein Teil auch bereit sei, sich ehrenamtlich um die Flüchtlinge zu bemühen. Es bleibe nur noch der Wunsch der besseren Kommunikation. „Es kann doch nicht sein, dass wir in einer so bedeutenden Sache wie der Unterbringung von sieben Flüchtlingsfamilien per Zufall aus einem Anzeigenblatt erfahren.“ Burkhard Busch, Leitender Verwaltungsbeamter, räumte ein, beim nächsten Mal einen anderen Weg für die Informationsverbreitung zu wählen, aber: „Wir haben uns da auf die Erfahrungen des Kinderschutzbundes verlassen. Das war seine Veranstaltung, und bei zehn Terminen vorher hatten sie gute Erfahrungen mit dieser Art der Benachrichtigung gemacht.“ Außerdem sei die Verwaltung an ihrer Belastungsgrenze, um all den Aufgaben rund um Asylbewerberunterbringung Herr zu werden, sodass eine postalische Benachrichtigung – wie sie einige Eigentümer des Ferienparks gewünscht hätten – einfach nicht machbar gewesen wäre. Wegen der Personalsituation wird am 20. Oktober über eine zusätzliche Stelle in einer Sondersitzung in Schönwalde beraten. Die Suche nach geeigneten Gebieten für den Bau von Asylbewerberunterkünften gehe unterdes weiter, so Busch (siehe unten).

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