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Eutin : „Nicht in meiner Natur“: Mutter von Juri streitet Schuld ab

vom

Die 34-Jährige soll das Kind mit dem Schlafsack erdrosselt haben. Doch sie stellt dessen Tod als Unfall dar.

shz.de von
erstellt am 10.Feb.2017 | 13:27 Uhr

Lübeck | Im Lübecker Prozess um den Tod des kleinen Juri hat die angeklagte Mutter den Vorwurf bestritten, ihren Sohn erdrosselt zu haben. Sie habe die Tat nicht begangen, das liege nicht in ihrer Natur, sagte die 34-Jährige am Freitag unter Tränen. Ihr wird vorgeworfen, in Eutin im April 2016 ihren zweieinhalb Jahre alten Sohn mit seinem Schlafsack erdrosselt zu haben.  Auf ausdrücklichen Wunsch der Angeklagten beantragte ihr Verteidiger am Freitag ein weiteres psychiatrisches Gutachten. Die erste Sachverständige habe seine Mandantin nicht sorgfältig genug befragt, sagte er.

Die Sachverständige hatte  ausgesagt, die Angeklagte sei wegen einer Persönlichkeitsstörung zur Tatzeit nur eingeschränkt schuldfähig gewesen. Sie hatte sich für eine Unterbringung in einer psychiatrischen Klinik ausgesprochen.  Bei der Polizei hatte sie den Tod des Kindes als Unfall dargestellt.

Im Prozess hatte sie bislang geschwiegen. Erst in der vergangenen Woche hatte sie angekündigt, noch doch aussagen zu wollen. Der gerichtsmedizinische Sachverständige hat in seinem Gutachten die Möglichkeit eines Unfalls klar widerlegt. Die Spuren sprächen eindeutig dagegen, dass das Kind sich mit dem Schlafsack selbst erdrosselt haben könnte, sagte er.

Am Freitag schilderte die Angeklagte die Stunden vor Juris Tod zunächst als ganz normalen Abend. Sie habe noch ein bisschen mit ihm herumgetobt, weil er nicht schlafen wollte. Dann habe sie dem Jungen seinen Kinderschlafsack angezogen und ihn in sein Bettchen gelegt. „Als ich das Zimmer verließ, war noch alles in Ordnung, und am nächsten Morgen war er tot“, sagte sie. 

Auf Nachfrage der Richter räumte die Angeklagte am Freitag ein, dass der Abend doch nicht ganz so harmonisch verlaufen sei. Während sie neben ihrem Lebensgefährten auf dem Sofa saß, lieferten sich die beiden einen heftigen Streit über den Messenger-Dienst WhatsApp. Auch am Vorabend habe sie sich bereits heftig mit ihrem Partner gestritten. „Ja, unsere Beziehung stand an dem Abend auf der Kippe, und ich wollte meinen Partner auf keinen Fall verlieren“, gestand sie.  Sie gab auch zu, dass sie mit Juri manchmal überfordert gewesen sei. „Aber ich habe ihn geliebt, er war mein Ein und Alles. Seit Juris Tod steht für mich die Welt still“, sagte sie am Freitag schluchzend. Der Prozess wird fortgesetzt.

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