„Nicht eindeutig geklärt“

Fotos aus dem Untersuchungsbericht:  Spezialisten bergen am 14. und 15. Dezember 2012 das Wrack, untersuchten Komponenten (re.: Heck und Rotorwelle).
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Fotos aus dem Untersuchungsbericht: Spezialisten bergen am 14. und 15. Dezember 2012 das Wrack, untersuchten Komponenten (re.: Heck und Rotorwelle).

Vor zwei Jahren stürzte ein Hubschrauber vor Neustadt in die Ostsee – Jetzt wurde der Untersuchungsbericht veröffentlicht

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10. Dezember 2014, 11:26 Uhr

Es war ein Flug ohne Wiederkehr: Am 5. Dezember 2012 starteten zwei 27 und 32 Jahre alte Männer zu einem Überführungsflug mit einem Hubschrauber von Lübeck nach Halmstadt/ Schweden. Dort kamen sie nie an. Bereits über der Lübecker Bucht brach der Radar- und Funkkontakt ab. Der Pilot und der System-Operator blieben vermisst; ein Wort, das den Angehörigen Hoffnung gab.

Doch nach mehrtägiger Suche wurden der Hubschrauber am 13. Dezember am Grund der Neustädter Bucht entdeckt. Die rechte Kabinentür war geöffnet, die beiden Insassen lagen 50 beziehungsweise 67 Meter vom Wrack entfernt am Grund
der Ostsee. An den beiden
folgenden Tagen wurden sie und der Hubschrauber geborgen.

Nach erster Inaugenscheinnahme der Bundesstelle
für Flugunfalluntersuchung (BFU) stand fest, dass ein technischer Defekt zum Absturz des französischen Hubschraubers AS  350 BA geführt haben soll. Nach ersten Erkenntnissen der BFU sei die zum Heckrotor führende Antriebswelle gebrochen gewesen, hieß es in damaligen Polizeiberichten.

Nach zwei Jahren hat die BFU jetzt einen Untersuchungsbericht veröffentlicht. Unter dem Aktenzeichen CX024-12 wurde sich auf 28 Seiten intensiv mit dem Hubschrauber, der Besatzung, ihrem Flug ohne Wiederkehr und der Suche zugewandt. Neben technischen Details des in Norwegen zugelassenen Helikopters stellt der Bericht auch fest, dass das Fluggerät (Baujahr 1978) über keine Notschwimmeinrichtung oder Schwimmwesten für die Crew verfügte – obwohl dies laut Handbuch bei Flügen über See vorgeschrieben ist. Bei der Auswertung des Funkverkehrs gab es keine Hinweise darauf, dass ein Triebwerksproblem hätte vorliegen können.

Für einen schwedischen Auftraggeber hatten die Zwei – in Diensten eines norwegisches Luftfahrtunternehmens – seit November 2012 Laser-Scan-Messflüge in Deutschland vorgenommen. Dem Piloten bescheinigte die BFU eine „vergleichsweise geringe Flugerfahrung“. Er war 27 Jahre und hatte in seiner Fliegerlaufbahn bisher rund 530 Flugstunden angesammelt. Ihr Auftrag in Deutschland war beendet – am 3. Dezember wollte die Besatzung die Heimreise antreten. Von Braunschweig flogen sie nach Lübeck, landeten hier in Blankensee zwischen, tankten auf und starteten am 5. Dezember – einem klaren Wintertag – um 13.45 Uhr zum Weiterflug nach Schweden. Allerdings nicht über Land, sondern über die Lübecker Bucht in Richtung Fehmarn.

Was zum Absturz führte, scheint bis heute rätselhaft. Am Triebwerk und an der technischen Ausrüstung konnten die Experten keine absturzrelevanten Fehler entdecken. Die Materialermüdung und ein fast verstopftes Sieb in der Treibstoffzufuhr waren zwar bedenklich, aber keine schwerwiegenden Probleme. Dennoch kommt der Untersuchungsbericht zu dem Schluss, „dass ein Antriebsproblem zu einer unausweichlichen Notwasserung geführt haben muss“. Beide Insassen hatten den Absturz überlebt, waren dann aber an Unterkühlung in dem nur wenige Grad kalten Wasser ertrunken. Die Retter hatten aufgrund des abgebrochenen Funk- und Radarkontakts aber auch nicht exakt bestimmen können, wo der Hubschrauber niedergegangen war.

Schlussfolgerung der umfangreichen Untersuchung: Wegen verminderter Triebwerksleistung habe der Pilot die Flughöhe nicht halten können. „Die Ursache für die Triebwerksstörung konnte nicht eindeutig geklärt werden“, heißt es im Bereich. Die fehlende Rettungsausrüstung wirkte sich in der Folge fatal aus. Auch der letzte Funkspruch konnte nicht enträtselt werden: Weder das Institut für Nachrichtentechnik der Technischen Universität Braunschweig noch französische und norwegische Experten konnten die Meldung einwandfrei verstehen.

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