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Ostholsteiner Anzeiger

20. August 2017 | 23:39 Uhr

Eutin : Neun-Tonnen-Trumm am Haken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Ein 200-Tonnen-Kran hob gestern Abend eine Trafo-Station der Stadtwerke über das Ostholstein-Museum hinweg an ihren Standort.

Ein unbefangener Beobachter weiß zwar, dass es funktionieren wird, mag es aber trotzdem kaum glauben: Ein tonnenschwerer Klotz soll von der Schloßstraße über das Ostholstein-Museum hinweg an seinen neuen Standort hinter dem Gebäude gehoben werden. Der fünfachsige Kran, der gestern Abend vor dem Museum steht, ist zwar nicht gerade schmächtig, trotzdem tauchen vor dem geistigen Auge unweigerlich Bilder auf, wie der Kran kippt und das am Haken hängende Neun-Tonnen-Trumm durch das Dach des Museums kracht.

Bei dem „Klotz“ handelt es sich um eine Transformatorenstation der Stadtwerke Eutin, mit der die Innenstadt im Bereich von Stolbergstraße, Königstraße und Markt sowie Schloss, Bibliotheken und Museum mit elektrischer Energie versorgt werden sollen. Die geplante Landesgartenschau 2016 mit ihren diversen elektrischen Verbrauchern wie Gastronomie und Schlossbühne hätte die bisherige Anlage überfordert. Diese war laut Stadtwerken mit 400 Kilovoltampere (kVA) schon jetzt an ihrer Kapazitätsgrenze angekommen. Die neue schafft 630 kVA. Wie der alte Trafo wandelt die neue Station die einfließende Mittelspannung von 11 Kilovolt auf für den Endverbraucher nutzbare 400 Volt um.

Das gelb-schwarze Einsatzgerät ist das schwerste, was die Ratekauer Firma Sönke Jordt aufzubieten hat. Der Fünfachser wiegt 60 Tonnen, bezeichnet wird er aber als 200-Tonnen-Kran. Diese Gewichtsangabe bezieht sich auf die maximale Last, die der Kran unter günstigsten Bedingungen heben kann. Nun wiegt die Trafostation zwar „nur“ neun Tonnen, doch sie muss auch über das Ostholstein-Museum hinweg gehoben werden – entsprechend rund 26 Metern Luftlinie. Damit diese Auslage möglich wird, legt der Kranführer seinem Arbeitsgerät nach und nach 48 Tonnen Gegengewichte auf, die per Lastwagen mit nach Eutin gereist sind. Das Gesamtgewicht des Krans steigt damit auf über 100 Tonnen. Das reicht für den Trafo, er könnte sogar noch ein bisschen mehr wiegen. Zwölf Tonnen wären möglich, berichtet Jordt-Mitarbeiter André Grube.

Am Kraneinsatz führt aus Stadtwerke-Sicht kein Weg vorbei. „Es geht nur auf diese Weise“, sagt Christian Kulessa, Technischer Leiter des kommunalen Versorgungsunternehmens. „Wir haben auch den Transport über die Zufahrt geprüft, doch da wären die erforderlichen Fahrzeuge nicht hindurchgekommen.“ Kulessa ist froh, dass der Kreis Ostholstein sein Grundstück für die Installation des Trafos bereitgestellt hat. „Das ist sehr großzügig. Wir hätten sonst einige Probleme gehabt, einen geeigneten Platz zu finden.“

Gegen 19 Uhr ist es soweit. Mit vier Seilen ist der Trafo mit dem Kranhaken verbunden. Dann geht alles ganz schnell. In wenigen Minuten schwebt die Station samt Fundament über das Ostholstein-Museum hinweg. Zwar biegt sich der Ausleger des Telekrans mächtig durch, doch der Trafo landet sanft an der vorbereiteten, ausgekofferten Stelle. Vorher haben ihn Mitarbeiter der Stadtwerke und des Trafo-Herstellers noch in die richtige Position gedreht. Dann legt der Vertreter des Herstellers die Wasserwaage an und begutachtet mit einem Stadtwerke-Mann das Ergebnis. „Sollen wir ihn nochmal anheben?“, fragt einer. „Das wird nicht mehr besser“, lautet die Antwort. Alles gutgegangen. Der Trafo ist heil angekommen. Das Ostholstein-Museum hat’s überstanden.

 

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erstellt am 17.Mär.2015 | 19:34 Uhr

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