Neugier siegte über die Hitze

Die Pflaumenbäume rahmen die Sichtachse im Küchengarten bis zur Orangerie. Die Felder rechts und links werden unterschiedliche historische Sorten gepflanzt.
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Die Pflaumenbäume rahmen die Sichtachse im Küchengarten bis zur Orangerie. Die Felder rechts und links werden unterschiedliche historische Sorten gepflanzt.

Gepflanzte Sessel, ein komplett neues Wassersystem und die technische Sicht auf die Rammarbeiten sind nur ein kurzer Ausschnitt von dem, was Interessierte beim Baustellenspaziergang erfuhren.

shz.de von
03. Juli 2015, 09:52 Uhr

Mehr als 50 interessierte Eutiner nutzten gestern Mittag trotz sengender Hitze die Einladung zum Baustellenspaziergang durch den Schlossgarten bis hin zur Stadtbucht. „Ich bin sehr interessiert an dem, was hier gemacht wird und hoffe, dass sich die Einbußen in diesem Jahr lohnen“, sagte ein Mitfünfziger. Auch LGS-Geschäftsführer Bernd Rubelt thematisierte die zahlreichen Sperrungen: „Wir wissen, dass wir den Eutinern ein Stück weit den Schlossgarten weggenommen haben, aber wir hoffen auf ihr Verständnis, auch wenn sie sehen, was alles schon geschehen ist.“

Was hat sich verändert? Die Tour begann im Küchengarten. Das Neuholländerhaus ist entkernt und wird auf seine historische Fassade zurückgeführt, wie Kathrin Pitzner von der Stiftung Schloss Eutin erklärte. „Es ist eigentlich optisch die kleine Schwester der Orangerie.“ Das Glas- und Gewächshaus war nicht historisch und wurde abgerissen. Während der LGS können sich hier die Gärtnergruppen aufhalten und frisch machen. Das Holzhaus am Eingang des Küchengartens soll noch teilsaniert werden und dient zur Unterbringung der Gartengeräte. Rote Pfosten ragen nach dem ersten Drittel aus der Erde. Pitzner: „Die sind zum Aufbau der historischen Klimamauer.“ Mehr als 30  000 Ziegel werden dafür extra für Eutin gebrannt. Die Reste der historischen Zwischenmauer mussten abgerissen werden, da sie nicht tragfähig waren.

Von der Orangerie nach oben durch den Küchen- in den Schlossgarten führt ein Weg entlang der Sichtachse gerahmt von historischen Pflaumenbäumen (gestiftet von Fielmann). Solche hat es nachweislich um 1800 im Küchengarten gegeben. Der Küchengarten selbst ist in mehrere Flächen eingeteilt: Für Kartoffel-, Spargel- und Gemüseanbau, historischen Roggen und alte Obstsorten. Landschaftsplanerin Stephanie Bolz: „Es ist so großartig, diese Unkrautfläche zurück zu ihrer eigentlichen Bestimmung zu führen.“ Auch die Schulen werden bedacht: So gibt es eine Fläche für das grüne Klassenzimmer, auf der Jugendliche selbst anbauen und ernten können; eine andere, auf der eine Berufsschule zeigt, was mit Pflanzen alles möglich ist. Und natürlich ist genügend Platz eingeplant für die Showküche und Weinbar nahe der Orangerie. Bolz: „Es wird hier ein wahres Kleinod entstehen.“

Ein großes Thema im gesamten Schlossgarten ist die Entwässerung. Planer haben bei zahlreichen alten Wegen die historischen Entwässerungsrinnen gefunden und aufbereitet. Rubelt: „Damit künftig dauerhaft alle Wasserfälle laufen und die Seen genug Wasser führen, pumpen wir Wasser vom Großen Eutiner See in den Schlossgarten.“

Die Wege zur Freilichtbühne durch den Schlossgarten sind nahezu fertig, die Beleuchtung schon montiert. Rubelt: „Zur LGS gehört der Schlossgarten, nicht aber das Schloss. Im Preis ist aber der Zugang zum Schloss enthalten, der vom Park aus über die historische Brücke hinein führt.“

Auch der Schlossplatz mit einstigem Parkplatz hat sein Gesicht verändert: Von der Baustraße hinunter zur Stadtbucht ist freier Blick auf den einstigen Parkplatz. Rubelt: „Erstmals ist vom Schlossplatz aus das Wasser schon zu sehen.“ Die Sichtachse reicht hinüber bis in den Heinrich-Lüth-Weg. Das spannende Thema für alle Teilnehmer an der Stadtbucht waren die Rammarbeiten. Rubelt: „Bisher wurde viel über Rechtliches berichtet, wir würden Ihnen gern etwas Technisches erklären.“ Das Schlagrammen sei das schonendste Verfahren für diesen Baugrund, vibriert werde nur zu Beginn, die letzten Meter würden geschlagen, „um die Standfestigkeit zu garantieren“. Etwas weniger als die Hälfte sei bisher geschafft. Ab Montag sollen die Rammarbeiten weitergehen. Rubelt: „Wir werden rechtzeitig fertig, das garantiere ich Ihnen, auch wenn den Arbeitern nicht nur bei dieser Hitze, sondern wahrscheinlich auch noch im November der Schweiß auf der Stirn stehen wird.“ Nach der Spundwand werden die Rohre für das Holzdeck gerammt. Die Arbeiten laufen teilweise vom Wasser aus mit einem großen Schwimmponton. Und der Grundwassersorge der Anlieger entgegnet Rubelt: „Um die Spundwand wird eine Drainage gelegt.“ Und für die Zuläufe, die in den See entwässern, seien auch in der Spundwand entsprechende Öffnungen vorgesehen. Von den Klägern nutzte gestern offenbar keiner die Chance, die Baustelle einmal von einer anderen Seite zu sehen.

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