Neues Pumpwerk in Kreuzfeld? ZVO holt sich eine Abfuhr

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06. September 2018, 12:18 Uhr

Eine Abfuhr erteilte der Planungsausschuss am Mittwoch dem Zweckverband Ostholstein (ZVO) – zumindest vorläufig. Der ZVO hatte sein Vorhaben präsentiert, in Kreuzfeld an der L 56, östlich neben der Einfahrt zum ehemaligen Betonwerk, ein Pumpwerk mitsamt zwei Ausgleichsbehältern zu bauen. Ausschussvorsitzender Uwe Potz (CDU) ließ zwar nicht abstimmen, aber keines der Mitglieder signalisierte seine grundsätzliche Zustimmung.

Eigentlich klingt das von den ZVO-Mitarbeitern Heino Zehe und Detmar vorgestellte Projekt sinnvoll. „Wir wollen Schmutzwasser aus Bosau und Bösdorf ins Klärwerk Malente führen“, erklärte Zehe. Denn in Malente seien noch erhebliche Kapazitäten frei. Das Klärwerk sei für bis zu 22 000 Einwohner ausgelegt, es verarbeite derzeit aber nur für Abwässer von rund 7000 Menschen. Mit Bosau und Bösdorf kämen etwa 5000 hinzu, womit sich das Klärwerk wirtschaftlicher betreiben ließe mit entsprechenden Auswirkungen auf die Gebührenstabilität. Außerdem werde das Schmutzwasser aus Bosau und Augstfelde bislang über Druckleitungen durch den Vierer See ins Plöner Klärwerk geleitet. Das sei eine potenzielle Gefahr für das Gewässer, der man begegnen wolle.

Rund 4,7 Millionen Euro will der ZVO für das Projekt ausgeben, davon 880 000 Euro für zwei Pumpwerke – außer in Kreuzfeld im Augstfelder Weg. Zudem sollen über zehn Kilometer Druckrohrleitungen verlegt werden. Die Bauzeit soll zwei Jahre betragen, der Baubeginn war für Frühjahr 2019 anvisiert.

Ob sich der Zeitplan halten lässt, ist fraglich. Nicht nur mehrere Ausschussmitglieder äußerten Bedenken wegen möglicher Lärm- und Geruchsbelästigungen für die Kreuzfelder, sondern auch Bürgermeisterin Tanja Rönck. „Es ist eine sehr gute Sache, dass unser Klärwerk ausgelastet ist, ich habe aber mit diesem Standort große Probleme“, sagte die Verwaltungschefin. Die Kreuzfelder seien durch Kiesabbau und Motocross ohnehin schon belastet, argumentierte auch FDP-Fraktionschef Wilfred Knop in seiner Eigenschaft als Dorfvorsteher. Diese Ansicht unterstrich Anwohner Hans-Georg Fischer: „Wir lassen uns nicht zum Mülleimer der Gemeinde Malente machen“, warnte er.

Zehe beteuerte zwar, Geruchsbelästigungen seien nicht zu erwarten, da es sich um ein geschlossenes System handele, doch das überzeugte nicht – ebenso wenig die Antwort auf die Frage nach der Lärmbelästigung, dass sich die Pumpen unterirdisch in einem Maschinenraum befänden.

Hans-Hinnerk Frahm (FDP) vermisste belastbare Zahlen in den Aussagen: „So kam man auf keinen Fall zustimmen, weil wir statt Fakten nur blumige Erklärungen gehört haben“, erklärte er. Tanja Rönck riet dem ZVO dringend, in einen Dialog mit den Bürgern zu gehen und dann weitere technische Daten zu präsentieren. Potz empfahl dem ZVO unterdessen, sich nach einem alternativen Standort für das Pumpwerk umzuschauen. Den gibt es auch, nämlich in Oberkleveez. Doch dann müsse auf rund 500 Metern eine Hin- und Rückleitung gebaut werden. Das bedeute Mehrkosten von 100 000 Euro, erklärte Zehe. Hinzu kämen noch höhere Energiekosten für die Pumpen, ergänzte Horn. Tanja Rönck focht das nicht an. „Ich habe kein Problem, das in der ZVO-Verbandsversammlung zu vertreten“, erklärte sie.

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