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Ostholsteiner Anzeiger

24. August 2017 | 09:02 Uhr

Neues Auto – harte Konkurrenz

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Dirk von Zitzewitz will mit dem Toyota Hilux bei der Dakar-Rallye wieder vorne mitfahren – auch wenn die Diesel schwer zu bezwingen sein werden

Am Grundkonzept hat sich zwar nichts geändert, doch der Toyota Hilux ist eine völlige, in zahlreichen Bereichen verbesserte Neukonstruktion. Mit dem von Toyota Südafrika auf die Räder gestellten Pickup, dessen endgültige Optik erst am 11. November gemeinsam mit dem neuen Serienmodell der Öffentlichkeit präsentiert werden soll, geht Dirk von Zitzewitz am 2. Januar als Co-Pilot bei der Rallye Dakar an den Start. Bis zum 16. Januar will der 47-jährige Karlshofer gemeinsam mit seinem Fahrer Giniel de Villiers (43) bei der 37. Auflage der ebenso legendären wie gefährlichen Wüstenrallye erneut vorne mitmischen.

Im vergangenen Jahr klappte das sehr gut. Bei der neunten Etappe setzte von Zitzewitz noch einmal alles auf eine Karte und versuchte, mit einer gewagten Abkürzung den späteren Sieger Nasser Al-Attiyah auf seinem X-Raid-Mini noch abzufangen. Der Coup misslang, doch von Zitzewitz war trotzdem zufrieden. „Der 2. Platz war gut, das war das, was wir erhofft hatten“, sagt er im Rückblick. Für den Sieg habe die Performance und das nötige Quäntchen Glück gefehlt.

Damals bedauerte von Zitzewitz eine eher unkreative Wahl der Strecken – nicht nur fahrerisch, sondern auch navigatorisch zu einfach. Für „wegweisende Geniestreiche“ des Ostholsteiners und das nötige Quäntchen Glück blieb auf den meist bekannten Strecken wenig Raum. Das könnte sich 2016 ändern. „Ich rechne damit, dass es anspruchsvoller wird.“

Besonders auf den Etappen vom 7. bis 9. Januar in Bolivien wird es knifflig, weil oft unbekanntes Terrain unter die Räder genommen wird. Da ist ein gutes Gespür für die Strecke gefragt. Einen weiteren Knackpunkt der Rallye sieht der Co-Pilot, der mit Giniel de Villiers seit mittlerweile neun Jahren ein deutsch-südafrikanisches Duo bildet, für die zweite Halbzeit der Rallye, vom 12. bis 15. Januar, voraus. Wieder zurück in Argentinien warten dann bei Belén Sanddünen, viel Zickzack und viele Hindernisse wie Canyons und Flussbetten auf die Teilnehmer. Eine Belastungsprobe auch für die Bremsanlage, die nun auch an der Hinterachse mit wassergekühlten Bremszangen aufwartet.

Ob die Teams mit geschickt gewählten Abkürzungen Boden gutmachen werden können, ist allerdings fraglich. Denn die Organisatoren planen erstmals bei der Dakar geheime Wegpunkte, die angefahren werden müssen. Wer einen solchen Punkt auf einer Abkürzung verpasst, würde eine Zeitstrafe riskieren. Von Zitzewitz sieht das skeptisch. Er sammelte bei der Marokko-Rallye Anfang Oktober erste Erfahrungen. „Obwohl wir uns genau an die Streckenführung gehalten haben, fehlten uns allein auf einer Etappe drei von 15 Wertungspunkten.“ Das werde am Ende zu Protesten und Entscheidungen am grünen Tisch führen, fürchtet er.

Nicht glücklich ist der Dakar-Profi außerdem über den Teil des Reglements, der eigentlich die Chancengleichheit zwischen den unterschiedlichen Fahrzeugkonzepten herstellen soll. So sorgen sogenannte Restriktoren dafür, dass die Motoren nur eine bestimmte Menge Luft ansaugen können, was die Leistung begrenzt. Das Problem: Die Turbo-Diesel, mit denen neben den Minis auch die Peugeot-Buggys unterwegs sind, haben größere Luftmengenbegrenzer als die Toyota-Benziner, die gemäß Reglement ohne Turboaufladung auskommen müssen. Die Hoffnung, dass hier Gleichstand hergestellt wird, scheint sich zerschlagen zu haben – auch wenn Toyota die zugrunde liegenden Messungen anzweifelt. In der Zukunft könnten die Karten völlig neu gemischt werden: „Auch wir denken über einen Buggy und einen Diesel nach“, verrät von Zitezwitz, der die Dakar auch drei Mal auf dem Motorrad bestritt.

Zwar haben die Toyota-Benziner gegenüber den Minis immer noch 20 PS mehr. „Aber die Diesel haben das doppelte Drehmoment“, weiß von Zitzewitz. Das mache sich besonders auf tiefen Sandpassagen bemerkbar. „Wir haben auf den 5000 Wertungskilometern einige Hundert Kilometer Sand. Das tut richtig weh.“ Immerhin: Der neue Hilux hat mehr Leistung als der alte, einen neuen Rahmen, ein neues Fahrwerk, eine bessere Gewichtsverteilung und nimmt der Besatzung durch mehr Elektronik einige Aufgaben ab. Nach dem 4. Platz bei der Marokko-Rallye zeigte sich von Zitzewitz zufrieden: „Das Auto macht einen sehr guten Eindruck.“

Die große Unbekannte sind derzeit noch die Buggys, mit denen Peugeot antreten wird. Am Steuer wird die Crème de la Crème des Motorsports sitzen: neben der Dakar-erfahrenen Rallye-Legende Carlos Sainz (ESP) der erfolgreichste Rallye-Fahrer Sébastien Leob (F) und Rekord-Dakar-Sieger Stéphane Peterhansel (F). Sollte das Peugeot-Team die Standfestigkeit seines 3-Liter-Jaguar-Diesels in den Griff bekommen, wird es unangenehm für die Konkurrenz, glaubt von Zitzewitz: „Der Buggy ist uns und den Minis bei der Marokko-Rallye um die Ohren gefahren, bis er mit Motorproblemen liegen geblieben ist.“

Die diesjährige Strecke komme zwar eher den Allradfahrzeugen entgegen, dennoch werden die hinterradgetriebenen Buggys nach Zitzewitz’ Überzeugung um den Sieg mitfahren – wenn die Motoren halten. Als Podestanwärter sieht er demzufolge neben Vorjahressieger Al-Attiyah die Buggy-Piloten Sainz und Peterhansel. Doch auch das eigene Team zählt von Zitzewitz zu den Top vier.

Die Dakar-Sieger von 2009 (damals im VW Race-Touareg) erreichten bei sieben Dakar-Starts immer das Ziel und fünf Mal einen Podestplatz – auch ein Zeichen des Verständnisses zwischen Fahrer und Beifahrer: „Er hört an meiner Stimme, wenn es ernster wird“, sagt von Zitzewitz. Zur Not halte de Villiers auch mal an und gebe ihm die nötige Zeit zum Nachdenken. „Andere Fahrer werden da laut.“ Das gegenseitige Vertrauen sei sehr groß: „Mir ist wichtig, dass Giniel seine Grenzen kennt und morgen noch was vor hat.“ Zwar seien die Fahrzeuge absolut gesehen nicht besonders schnell. Aber: „Wenn man auf einem Feldweg mit Bäumen und Steinen links und rechts Tempo 160 fährt, ist das sauschnell.“

Ende Oktober fliegt von Zitzewitz für acht Wochen nach Südafrika, um sich gemeinsam mit de Villiers auf das Rennen vorzubereiten. Neben Mountain-Bike-Touren und Aufenthalten im Fitness-Studio stehen dabei Reparatur-Übungen am Auto auf der Tagesordnung: Räder wechseln oder Antriebswellen – alles, was relativ schnell in Eigenregie zu erledigen ist.

Außerdem will von Zitzewitz möglichst viele Informationen über die Strecke sammeln. Dabei helfen auch Facebook-Freunde aus Südamerika. Bisweilen melden sie sich, wenn sie die Dakar-Organisatoren irgendwo beim Vorbereiten der Strecken entdeckt haben.

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erstellt am 22.Okt.2015 | 12:47 Uhr

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