Neuer Träger für die Wald-Kita

Stempel drauf: Martin Liegmann und Tanja Rönck unterzeichneten gestern einen Übernahmevertrag für den Waldkindergarten „Kleine Räuberbande“.
Stempel drauf: Martin Liegmann und Tanja Rönck unterzeichneten gestern einen Übernahmevertrag für den Waldkindergarten „Kleine Räuberbande“.

Kinderschutzbund Ostholstein unterzeichnet Vertrag mit Gemeinde Malente / Elternverein reagiert mit gemischten Gefühlen

shz.de von
22. März 2018, 14:52 Uhr

Es war eine schwere Geburt und sie ist noch nicht ganz abgeschlossen. Doch ein wesentlicher Schritt zum Erhalt des Waldkindergartens „Kleine Räuberbande“ im Malenter Bergengehölz ist getan. Gestern legten Gemeinde und Kinderschutzbund Ostholstein die Basis für eine Übernahme der Kita mit derzeit 16 Kindern, die bislang von einem Elternverein geführt wird. Bürgermeisterin Tanja Rönck und Martin Liegmann, Geschäftsführer des Kinderschutzbunds, unterzeichneten gestern im Rathaus einen entsprechenden Vertrag. Dessen Konditionen hatte die Gemeindevertretung bereits abgesegnet.

„Wir müssen uns jetzt noch mit der Elterninitiative einig werden“, erklärte Liegmann. Diese müsse jetzt ihrerseits noch einen Übergabe-Vertrag mit dem Kinderschutzbund schließen. „Wir benötigen den Bauwagen, denn der ist Teil der Betriebserlaubnis.“ Zwar versicherte Liegmann, das Personal – neben Kita-Leiterin Annekatrin Stoltenberg ein sozialpädagogischer Assistent – werde tarifgemäß für zunächst ein Jahr übernommen. Allerdings räumte er auf Nachfrage ein, dass damit trotzdem ein Gehaltsverzicht für die beiden Mitarbeiter verbunden sei, weil der Kinderschutzbund mit Rücksicht auf künftige vergleichbare Fälle die Berufsjahre nicht anerkennen könne. Derzeit suche man mit der Eltern-Initiative nach einer Möglichkeit, dies zu kompensieren.

Gleich zu Beginn des Pressegesprächs hatte Liegmann seine Anerkennung für die Arbeit des Elternvereins unter Vorsitz von Dr. Ruth Sindt Ausdruck verliehen. „Ich möchte betonen, dass wir dessen Arbeit sehr schätzen, das Konzept werden wir übernehmen.“ Die vom Elternverein zuletzt erhoffte Übernahme zum
1. April lässt sich offenbar nicht realisieren. Angestrebt werde jetzt der
1. Juli, sagte Liegmann. Für den Kinderschutzbund wäre Malente neben Einrichtungen in Haffkrug und Oldenburg der dritte Wald-Kindergarten. Ein weiterer entstehe derzeit in Stockelsdorf.

Für Verzögerungen des vom Elternverein bereits im Oktober 2016 bei der Gemeinde angeschobenen Übernahmeprozesses hatte auch die schwierige Suche nach einem Ausweichquartier gesorgt, da die Wald-Kita künftig nicht mehr im Awo-Kinderhaus unterkommen kann, wenn der Wald bei Sturm oder Baumfällarbeiten nicht zur Verfügung steht. „Daran haben wir uns viele Wochen und Monate die Zähne ausgebissen“, sagte Tanja Rönck. Mögliche Lösungen seien immer wieder an Kleinigkeiten gescheitert. Glücklicherweise habe sich der CJD Nord bereiterklärt, in seinem Haupthaus am Godenberg Räume zur Verfügung zu stellen. Diese eigneten sich hervorragend, weil dort einmal ein Kindergarten untergebracht gewesen sei.

Beim Thema Ausweichquartier könnte sich der Kinderschutzbund künftig als Glücksfall für die Wald-Kita erweisen. Denn dieser betreibt am Forstweg am Rande des Bergengehölzes das Janusz-Korczak-Haus, ein Mädchenheim. „Auf dem Gelände ist eine Holzhütte, die wir als Ausweichquartier instandsetzen wollen“, erklärte Liegmann. Diese wäre dann anders als das weit entfernte Awo-Kinderhaus in unmittelbarer Nähe der Wald-Kita. Bis dahin seien allerdings noch einige genehmigungsrechtliche Hürden zu nehmen, betonten Liegmann und Rönck unisono.

Mit gemischten Gefühlen reagierte Dr. Ruth Sindt auf die Nachricht von der Vertragsunterzeichnung. Über diesen Termin habe die Gemeinde sie nicht informiert, geschweige denn sie dazu eingeladen. „Es zieht sich leider wie ein roter Faden durch das Verfahren, dass der Elternverein als aktiver Teilnehmer des Prozesses nicht ernst genommen wird und über wichtige Entscheidungen von der Gemeinde nicht informiert wird“, kritisierte sie. Das sei keine Bürgerbeteiligung.

Der Elternverein habe sich bereiterklärt, bis Ende Juni weiterzumachen, weil die Übernahme sehr komplex sei. Außerdem brauche es noch Zeit, die Zukunft der Mitarbeiter zu klären. „Das liegt uns sehr am Herzen.“ Der Übernahme durch den Kinderschutzbund selbst sieht sie positiv entgegen: „Wir sind grundsätzlich total erleichtert, dass es den Waldkindergarten weiter geben wird.“ Das, was zum Thema Ausweichquartier langfristig angedacht sei, erscheine ihr sehr positiv, sagte Ruth Sindt. Sie denke außerdem, dass Elternverein und Kinderschutzbund konzeptionell zusammenfänden.

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