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Langeweile auf der Sündenmeile : Neuer Pepp für die Reeperbahn

vom
Aus der Redaktion des Flensburger Tageblatts

shz.de von
erstellt am 18.Sep.2013 | 10:34 Uhr

Von wegen Vergnügungs-Viertel: Rund um die Hamburger Reeperbahn ist längst nicht alles lustvoll, schon gar nicht der Anblick bei Tag. Die sündige Meile wirkt unwirtlich, streckenweise verdreckt. Folge: Touristen steuern immer häufiger lieber die schicke HafenCity an.

Grundstückbesitzer, Barbetreiber und Ladeninhaber wollen den schleichenden Abwärtstrend stoppen – und das mit einem Instrument, das bislang nur aus gediegenen Shoppingstraßen bekannt ist: Die Reeperbahn soll ein Business Improvement District (BID) werden, bei dem die Geschäftsleute die Schmuddelmeile nach eigenen Vorstellungen und auf eigene Rechnung aufhübschen. 1,9 Millionen Euro wollen sie dafür binnen fünf Jahren ausgeben.

Zwar tummeln sich Jahr für Jahr drei bis vier Millionen Menschen auf der Reeperbahn. Doch die Zeiten auf waren schon üppiger, viele Kiezbummler gucken nur kurz vorbei und kaufen nichts. Ändern will das die Interessengemeinschaft St. Pauli mit ihrem Konzept des BID „Reeperbahn plus“. Die Notwendigkeit für Veränderungen umreißen die Initiatoren so: „Zurückgehende Nachfrage, Mängel im Erscheinungsbild und im Image, zunehmende Konkurrenz anderer Standorte, vor allem der Hafencity.“

Richten soll es ein Quartiersmanager, der sich hauptamtlich um den knappen Kilometer zwischen Millerntor und Nobistor kümmert, inklusive Spielbudenplatz, Hans-Albers-Platz, Große Freiheit und Herbertstraße.
Ein Marketing-Konzept aus einem Guss, gezielte Werbeaktionen sowie zahlreiche äußerliche Veränderungen sollen die Attraktivität steigern. Ideen gibt es reichlich. So etwa ein eigenes Reeperbahn-Markenzeichen nach dem Vorbild des Schildes „Welcome to Fabulous Las Vegas“. Der erste Entwurf zeigt die leuchtend rote Silhouette einer kurvenreichen Dame auf High Heels, einsetzbar als Info-Punkt, Laternenverzierung oder schlicht als Hingucker.

Weitere Anregungen sind die künstlerische Gestaltung des Eingangsbereichs Millerntor, die vorübergehende Vergabe leerstehender Geschäfte an Kreative („Pop-up-Stores“), ein Fußgänger-Leitsystem sowie Themenwege, die den Kiez mit seiner Geschichte als Arbeiterviertel oder als Immigrantenquartier zeigen.

Zudem wollen die Geschäftsleute die Sauberkeit deutlich verbessern. Gewünscht sind mehr öffentliche Toiletten, um Pinkel-Ecken auszutrocknen; auch soll die Rotlichtmeile häufiger reinigt werden. Auf dem Wunschzettel stehen ferner neue Straßenlaternen und das gezielte Anstrahlen besonderer Gebäude. Aufgehellt werden sollen schließlich auch die tristen Kiez-Parkhäuser sowie die hässliche S-Bahnstation Reeperbahn. Bei alledem wollen die Anrainer die anrüchige Atmosphäre der Sex-and-Crime-Straße erhalten. Die BID-Aktivisten versprechen: „Wir gestalten die Wandlung auf dem Kiez, ohne sein besonderes St. Pauli typisches Flair zu zerstören.“  


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