Frauenhaus im Kreis Plön : Neue Zuflucht für Frauen

'Wir haben uns gut vom Kreis betreut gefühlt', sagen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses.  Foto: doa
"Wir haben uns gut vom Kreis betreut gefühlt", sagen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Foto: doa

Andernorts werden die Frauenhäuser geschlossen - der Kreis Plön hat für 320.000 Euro einen Rückzugsort neu gebaut

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06. Januar 2011, 11:06 Uhr

Preetz | Kleine Räume, die sich bis zu vier Frauen teilen müssen. Kaum Platz für Hilfegespräche unter vier Augen, kein Rückzugsraum. So sah die Realität im Preetzer Frauenhaus lange aus. Doch jetzt ist der Zufluchtsort für Frauen, die Bedrohung und Gewalt entkommen wollen, runderneuert.

Der einstöckige Altbau wurde abgerissen und ein zweigeschossiger Neubau mit einer Gesamtfläche von 323 Quadratmetern errichtet, davon sind 272 Quadratmeter reine Wohnfläche. Die Räume leuchten in Grün, Gelb und Orange. Neun Schlafzimmer, ein Gemeinschaftsraum, eine große Küche, ein Kinderspielzimmer sowie neue Toiletten, Wasch- und Duschräume gibt es im zweigeschossigen Neubau. Und endlich ein Büro und einen Raum für Beratungsgespräche.

"Eigentlich schade, dass wir heute zusammenkommen, um ein Frauenhaus in Betrieb zu nehmen. Eine Stätte, in der Frauen und ihre Kinder vor Männergewalt geschützt werden müssen. Aber solange diese Gewalt geschieht, werden wir wohl auch weiter solche Schutzzonen einrichten müssen", sagt Landrat Dr. Volkram Gebel bei der feierlichen Schlüsselübergabe. 320 000 Euro hat der Kreis Plön in den Neubau investiert, Träger ist der Verein Frauenhaus, der das Gebäude vom Kreis mietet und sich über Mittel des Ministeriums für Bildung und Frauen sowie Spenden finanziert. Der Weg zum Neubau sei ein Ergebnis fast zweijähriger Verhandlungen, erzählen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses, die ihre Namen nicht preisgeben möchten.

Auch Landrat Dr. Gebel verhehlt nicht, dass der Kreis Plön lange über die Investition beraten hat. "Wir haben uns schon gefragt: Brauchen wir das Geld nicht für etwas Anderes?" berichtet der Landrat. Die Tatsache, dass die Bedingungen im engen Altbau sowohl für die hilfesuchenden Frauen als auch für die Mitarbeiterinnen nicht mehr tragbar gewesen sei und kein geeignetes anderes Gebäude zur Verfügung stand, habe sich der Plöner Kreistag im April 2009 für einen Neubau entschieden.

"Bitte haben Sie Verständnis dafür. In einer Zeit, in der der Staat pleite ist, mussten wir kostengünstig bauen", erklärt der Landrat. "Wir haben uns gut vom Kreis betreut gefühlt - und Herr Radigk ist auf viele unserer Wünsche eingegangen", sagen die Mitarbeiterinnen des Frauenhauses. Wilfried Radigk ist unter anderem als Architekt für den Kreis Plön tätig: "Ich betreue das Frauenhaus seit mehr als 20 Jahren und kenne auch Interna", berichtet Radigk. Es sei auch Teil seiner Planung gewesen, die Miet- und Nebenkosten für den Verein Frauenhaus niedrig zu halten.

Das Frauenhaus im Kreis Plön besteht seit 1980 und bietet Schutz für Frauen und Kinder vor körperlicher, psychischer, und sexueller Gewalt. Die Mitarbeiterinnen stehen für Gespräche zur Verfügung und helfen zum Beispiel im Umgang mit Behörden.

Kontakt zum Frauenhaus: Telefon 04342/82616 oder www.frauenhauskreisploen.de

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