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Fehmarnbelt-Querung : Neue Trasse für Züge nach Skandinavien

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Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Die Landesregierung beschließt am Dienstag eine neue Linienführung für den künftigen Bahnverkehr durch Ostholstein zum Fehmarnbelt. Dazu gehört eine Umgehungsroute für die Ostseebäder an der Lübecker Bucht.

Auf einer weitgehend neuen Trasse nahe der A 1 sollen künftig die Züge von Lübeck zum Fehmarnbelttunnel bei Puttgarden rollen. Der geplante Schienenstrang umgeht die Ostseebäder an der Lübecker Bucht, wird auch an Lensahn, Oldenburg und Großenbrode vorbeigeführt. Diese Festlegung trifft nach Informationen unserer Zeitung die Landesregierung am Dienstag.

Demnach können viele Bürger zwischen Timmendorfer Strand und Sierksdorf aufatmen: Ihnen soll das Rattern von Güterzügen durch ihre Wohnorte erspart bleiben. Der Trassenvorschlag aus Kiel sieht vor, dass der Bahnverkehr dort künftig nahe der Autobahn verläuft, und zwar auf der Ostseite der A1. Mit den Umgehungen von Lensahn und Großenbrode werden die Züge ebenfalls aus den Orten verlegt, womit auch der Straßenverkehr entlastet wird. Konfliktbehaftet bleibt hingegen die empfohlene Trassenführung im Bereich Ratekau.

Der Kabinettsbeschluss ist dasResultat des Raumordnungsverfahrens, in dem eine regional verträgliche Lösung für die Schienen-Anbindung zur festen Fehmarnbelt-Querung (FBQ) gesucht wurde. Die Strecke soll laut deutsch-dänischem Staatsvertrag bis zur 2021 geplanten Eröffnung der Tunnelverbindung elektrifiziert und bis 2028 zweispurig ausgebaut sein. Aktuell wird dann mit 140 Zugfahrten gerechnet, davon 80 im internationalen Gütertransport, 20 im Personenfernverkehr und 40 im Nahverkehr.

Angesichts der erwarteten Vervierfachung der Schienennutzung gibt es massive Interessengegensätze: Während die Deutsche Bahn AG mit Hinweis auf die Kosten größtenteils den Ausbau auf der bestehenden Trasse favorisierte, forderten Bürger und Kommunalpolitiker jeweils ortsferne Trassenvarianten, begründet mit der Furcht vor Lärm und Nachteilen für den Tourismus.

Handfeste Argumente für solche Bedenken lieferte eine vom Kreis Ostholstein vorgelegte Betroffenheitsanalyse. Sie legte aus Berechnungen von Lärmlasten und Bevölkerungszahlen eine neue Bahntrasse nahe der A 1 nahe, verbunden mit der Erhalt des alten Schienenweges durch zahlreiche Orte für den Nahverkehr.

Die Fülle der Einwendungen und Stellungnahmen sorgte für eine Verlängerung des Raumordnungsverfahrens, das ursprünglich bereits im Spätherbst 2013 abgeschlossen sein sollte. Je länger die Trassenfestlegung in Kiel auf sich warten ließ, desto mehr Hoffnung machte man sich in Ostholstein auf eine Abkehr des Landes von der bahnfreundlichen Bestandslösung.

Aufhorchen ließ dann Ende März die Information beim Dialogforum Fehmarnbeltquerung in Oldenburg, dass Ministerpräsident Torsten Albig persönlich am 6. Mai das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens mitteilen wolle. Vorher gebe es nichts zu sagen dazu. Bei einer Veranstaltung mit deutschen und dänischen Jugendlichen auf Fehmarn verriet der Regierungschef kurz darauf wie nebenbei, dass ihm für Ostholstein eine Trasse mit vielen Umfahrungen von Siedlungsbereichen am liebsten sei – ein Wunsch, den auch Landrat Reinhard Sager bei der Jubiläumsveranstaltung des Unternehmensverbandes Ostholstein-Plön sehr prononciert als „Erwartung des Kreises“ vortrug (der OHA berichtete jeweils).

Zum Hintergrund:
Das Raumordnungsverfahren für die Schienen-Hinterlandanbindung wurde am 9. Januar 2013 von der Landesplanungsbehörde eröffnet. Die Antragsunterlagen der DB ProjektBau GmbH lagen bis 11. März 2013 öffentlich aus; 8271 Stellungnahmen, darunter 8070 von Bürgern, gingen fristgerecht ein. Das Ergebnis des Raumordnungsverfahrens ist im Planfeststellungsverfahren zu berücksichtigen, hat aber für die Projektträgerin keine unmittelbare Rechtswirkung. Die Planfeststellung für die FBQ-Schienenanbindung obliegt dem Eisenbahn-Bundesamt, dieses Verfahren hat noch nicht begonnen.

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erstellt am 04.Mai.2014 | 05:00 Uhr

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