Neue Perspektiven für junge Menschen

Auf dem Hof Viehbrook leistet Fiona Iden ein Freiwilliges Ökologisches Jahr.  Schwein Bruno ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Foto: Henze
Auf dem Hof Viehbrook leistet Fiona Iden ein Freiwilliges Ökologisches Jahr. Schwein Bruno ist ihr besonders ans Herz gewachsen. Foto: Henze

Jungen Menschen ein Freiwilliges Ökologisches Jahr zu bieten, ist nun auch Unternehmen offen. Einen Anfang im Norden macht da der Hof Viehbrook.

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06. Januar 2011, 07:56 Uhr

Rendswühren | Es ist unübersehbar, dass ihr der kleine Bruno ganz besonders ans Herz gewachsen ist. Sorgfältig bereitet Fiona Iden (19) daher auch die Babyflasche in der Hofküche vor, schraubt den Sauger drauf und macht sich auf den kurzen Weg zu ihrem acht Wochen alten Schützling. Ihr "Pflegekind" ist auch schon ganz aufgeregt, wetzt in seinem Ställchen auf frischem Heu hin und her. Bruno ist ein stattliches Ferkel von der Rasse Bunte-Bentheimer-Schweine und wird per Flasche aufgezogen, weil seine leibliche Mutter nicht so recht ihren Pflichten nachkommen wollte. "Bruno ist mein Liebling", sagt Fiona, setzt sich auf einen Strohballen, nimmt das Ferkel auf den Schoß, und es dauert nur wenige Minuten, bis der Flascheninhalt glucksend in Bruno verschwunden ist.
Die Pflege von Schweinchen Bruno ist aber nur eine von vielen Aufgaben, die Fiona Iden auf Hof Viehbrook in Rendswühren bei Neumünster wahrnimmt. So versorgt die junge Abiturientin auch andere Tiere, bereitet Veranstaltungen vor und hilft Kindergruppen zu betreuen. Hof Viehbrook widmet sich als so genannte Nutztierarche nicht nur der Pflege alter Haustierrassen, sondern ist vor allem ländliches Kultur-, Bildungs- und Erlebniszentrum, mit einem vielfältigen Angebot für die Menschen aus der Region. Besondere Anerkennung hat dieses neue Zentrum bereits im Juli 2009 überregional gefunden. Als so genanntes Leuchtturmprojekt im Rahmen der Förderinitiative "Aktiv-Region" wird es seit dem von der Europäischen Union und dem Kieler Umweltschutzministerium gefördert.
Freiwilliges Ökologisches Jahr auf Hof Viehbrook
Fiona Iden absolviert ihr Freiwilliges Ökologisches Jahr (FÖJ) auf Hof Viehbrook, ist damit sogar die erste überhaupt in Schleswig-Holstein, die dies bei einem privaten Träger machen kann. Erst dieser Tage wies Umweltministerin Juliane Rumpf (CDU) darauf hin, dass ihr Ministerium im letzten Jahr dazu die Voraussetzungen geschaffen hatte. "Wir haben das Freiwillige Ökologische Jahr auch für Unternehmen, Kommunen und andere öffentliche und private Einrichtungen geöffnet", so Rumpf. Das FÖJ soll jungen Menschen neue Perspektiven öffnen und ihrer persönlichen wie beruflichen Lebensorientierung zugute kommen. Es dient darüber hinaus dem Natur- und Umweltschutz und leistet einen wichtigen gesellschaftlichen Beitrag.
Auslöser für die stärkere Öffnung des FÖJ in Schleswig-Holstein ist die finanzielle Lage des Landes. Die Kosten belaufen sich pro Platz auf etwa 9000 Euro im Jahr. Wer keine eigene FÖJ-Stelle einrichten kann oder will, kann die Initiative aber auch durch Spenden an die beiden Träger in Schleswig-Holstein oder durch die Übernahme von direkten Patenschaften für Einsatzstellen unterstützen. Umweltministerin Rumpf betont: "Wir sind dankbar für jede Unterstützung, denn sie ermöglicht mehr jungen Menschen in einem Jahr neue Erfahrungen zu sammeln, ihre Fähigkeiten zu stärken, Verantwortung zu übernehmen und damit für sich, die Natur, Umwelt und Gesellschaft Gutes zu tun."
Geschäftsführerin hofft auf zusätzliche Mittel
Zusätzliche finanzielle Unterstützung würde sich auch Hof Viehbrook-Geschäftsführerin Kirsten Voß wünschen. "Wir wären dann in der Lage weitere FÖJ-Plätze einzurichten." Aus Sicht der zuständigen Betreuungsstelle Koppelsberg wäre das ausgesprochen wünschenswert, da der Hof allerbeste Voraussetzungen für ein Freiwilliges Ökologisches Jahr bietet. "Im Grunde", so Kirsten Voß, "ist es bei uns eine Kombination aus pädagogischem und ökologischem Praktikum."
Fiona Iden hat während des FÖJ auf Hof Viehbrook sogar Gelegenheit eigene Projektarbeit zu betreiben. So plant sie gegenwärtig die Einrichtung eines Gemüsegartens, der im Rahmen der Kinderbetreuung auf Hof Viehbrook später auch pädagogisch genutzt werden soll.
Interessierte wenden sich an: FÖJ-Betreuungsstelle Koppelsberg (Tel.: 04522-507160) oder Trägergemeinschaft FÖJ Wattenmeer (Tel. 04841/66 85 48); Ländliches Kultur-, Bildungs- und Erlebniszentrum Hof Viehbrook, Viehbrooker Weg 6, 24619 Rendswühren; Tel. 04394/99 23 56; E-Mail: info@hof-viehbrook.de; www.hof-viehbrook.de. Ein Flyer kann beim Ministerium bestellt werden, per e-Mail unter broschuere@mlur.landsh.de oder telefonisch unter 0431/ 988 7146.

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