Neue Hoffnung fürs Erdkabel

Gutachter sehen Chancen für schmalere Gräben und A1-Nähe

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16. November 2017, 16:34 Uhr

Von einem „Hoffnungsschimmer für Erdkabel“ sprach Nils Hollerbach, Fachbereichsleitung Planung, Bau und Umwelt, am vergangenen Mittwoch im Planungs- und Wirtschaftsausschuss des Kreises Ostholstein. Denn in der Diskussion um die teure und aufwändige Erdverkabelung der geplanten 380-kV-Trasse in Ostholstein scheint Bewegung zu kommen: Der Kreis habe zwei Gutachter beauftragt, die eine „kleine Lösung“ entwickelt haben. Diese sieht statt der bisher anvisierten 30 bis 40 Meter breiten Kabel-Gräben-Trassen lediglich 2,5 Meter Platzbedarf vor. „Normale Betonschächte würden ausreichen“, sagte Horst Weppler vom Fachdienst Regionale Planung.

Bisher ging Netzbetreiber Tennet davon aus, dass sechs Leitungen parallel in 1,75 Metern Tiefe im Erdboden verlegt werden müssten. Insbesondere Naturschützer und Landwirte sorgten sich im Zuge des Dialogverfahrens um „Flächenfraß“ und um eine mögliche Erwärmung der (Acker-)Flächen, unter denen die Kabel hindurchlaufen.

Eine Stromtrasse „unter Tage“ war zuletzt auch aufgrund der hohen Kosten in weite Ferne gerückt worden: Das Erdkabel sei laut Tennet fünf bis zehn Mal so teuer wie die Freileitung. Und letztlich war die Variante Erdkabel nur noch in einem Bereich mit „hohem Siedlungsdruck“ im Norden Ostholsteins festgelegt worden.

Werden die Karten nun neu gemischt? Die Mitglieder des Planungs- und Wirtschaftsausschusses zeigten sich optimistisch angesichts des Gutachtens, das Anfang Dezember auf dem Tisch liegen soll.

Ausgangspunkt der Überlegungen ist laut Weppler eine hohe Leistung. Bisher sei stets mit zwei Mal 1800 Megawatt geplant worden. Die beiden Gutachter hätten nun eine Variante mit 500 bis 800 Megawatt vorgeschlagen. Dieses sei bereits in der Realität erprobt worden. „Diese Leitungen gibt es nicht viel, aber die laufen stabil“, berichtete Weppler von einem kürzlich stattgefundenen Abstimmungsgespräch des Kreises mit den Gutachtern.

Mit dem „Erdkabel light“, wie es Hollerbach nannte, steigt nunmehr auch die Chance, die gesamte 380-kV-Trasse unterirdisch laufen zu lassen – und zudem entlang der A 1. Letzteren Verlauf hatte Tennet ausgeschlossen. „Jetzt scheint das wieder möglich“, sagte Weppler. Im Hinblick auf die Befürchtungen der Landwirte und Naturschützer – nicht zu vergessen der Anwohner – wäre dies sicherlich eine Erleichterung.

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