Neue Hoffnung für Erdverkabelung

Kreis Ostholstein stellt eigenes Gutachten zur geplanten 380-kV-Trasse vor

shz.de von
04. Januar 2018, 13:47 Uhr

In der Diskussion um die kostenintensive und aufwändige Erdverkabelung der geplanten 380-kV-Trasse in Ostholstein gibt es eine neue Entwicklung: Der Kreis hat gemeinsam mit zwölf ostholsteinischen Kommunen zwei Gutachter beauftragt, die eine „kleine Lösung“ für die Leitung von Göhl nach Lübeck entwickelt haben. Und diese „380-kV-light“-Variante hat es in sich – die Trasse könnte nämlich in weiten Teilen auf anderen Wegen verlaufen als bisher von Netzbetreiber Tennet favorisiert.

„Der geplante Neubau von zwei 380-kV-Freileitungssystemen ist völlig überdimensioniert, belastet massiv die Umwelt und ist in einigen Fällen sogar teurer als die Alternativen“, sagten die Gutachter Prof. Dr. Lorenz J. Jarass und Prof. Dr. Heinrich Brakelmann gestern bei der Vorstellung ihrer Untersuchung. Die Konsequenz aus ihrem Fazit ist, dass eine weitreichende Erdverkabelung möglich ist – anders als bisher propagiert. Der bisher geplante Verlauf der Freileitung von Lübeck via Ahrensbök, Süsel und weiter bis Göhl könnte damit obsolet sein.

Jarass und Brakelmann haben aufgezeigt, dass es günstigere und umweltverträglichere Alternativen gibt, die als Kabel mit viel geringerem Aufwand unter der Erde verlegt werden können. So können die Leitungen auf direkterem, kürzerem Weg und teilweise in normalen Gräben an Straßen und Wegen in Breiten von 2,3 bis 3,8 Meter verlegt werden. Zum Vergleich: Tennet plant aktuell mit Trassenbreiten von 40 Metern während der Bauphase und 21 Metern im Endzustand.

Weiterer Vorteil: Die Kabelvarianten sind dadurch zum Teil sogar preiswerter als die von der Tennet geplanten Freileitungen.

Landrat Reinhard Sager freute sich über das Ergebnis des Gutachtens, das „eine belastbare Grundlage darstellt, um in der weiteren Planung einerseits dem Ziel gerecht zu werden, den Strom aus den Windenergieanlagen abzuführen, und andererseits den Schutz der Menschen und der Umwelt noch besser sicherzustellen.“

Sager und die Kommunen wollen nun die von den Gutachtern erarbeiteten Alternativen dem zuständigen Minister, SH Netz, der Bundesnetzagentur und auch Tennet überreichen. „Wir erwarten, dass der Planungsprozess wieder aufgenommen wird“, sagte Thomas Keller, Bürgermeister der Gemeinde Ratekau.

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