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Ostholsteiner Anzeiger

23. November 2017 | 17:48 Uhr

Neue Diskussion um alte Fakten

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Im Bauausschuss der Stadt Eutin steht der Standort Blaue Lehmkuhle für ein neues Feuerwehrhaus wieder einmal zur Diskussion

von
erstellt am 25.Okt.2017 | 18:10 Uhr

Die Diskussion über ein neues Gerätehaus für die Freiwillige Feuerwehr Eutin wird seit mehr als zehn Jahren geführt. Der Bau eines Feuerwehrhauses auf dem Festplatz in der Blauen Lehmkuhle ist längst beschlossen, die Pläne sind so weit gediehen, dass eine Ausschreibung erfolgen könnte.

Doch ein warnender Brief eines Feuerwehrmannes, der vor einer Verschlechterung der Ausrückzeiten und Überschreitung der Hilfsfristen warnt (OHA vom 12. Oktober), hat Wirkung gezeigt. Die Fraktionen der Grünen hat für den nächsten Bauausschuss den Antrag gestellt, den Standort Blaue Lehmkuhle noch einmal zu prüfen (öffentliche Sitzung am Mittwoch, 1. November, um 18 Uhr im Bauamt).

Überraschend an dem Vorgang ist nicht der Inhalt des Briefes, sondern die späte Reaktion in der Kommunalpolitik. Die in dem „Brandbrief“ beschriebenen Probleme sind seit mindestens sieben Jahren bekannt, wie sich leicht in Protokollen des Bau- ausschusses nachlesen lässt.

Es war der 24. Mai 2010, als in einer Sitzung des Bauausschusses ausgiebig die Nachteile des Standortes Blaue Lehmkuhle in Hinsicht auf die Einhaltung von Hilfsfristen erörtert wurden. Gemeindewehrführer Heino Kreutzfeldt und Ortswehrführer Wolfgang Mevs erhielten dabei noch Schützenhilfe durch den damaligen Kreisbrandmeister Ralf Thomsen.

Die Feuerwehrvertreter begründeten ihre Bedenken mit Testfahrten, die an drei verschiedenen Tagen zu drei unterschiedlichen Tageszeiten unternommen worden waren. Das ernüchternde Ergebnis: Weder der Redderkrug, noch das Charlottenviertel und auch nicht der Holundersteig wurden vom Festplatz aus in der Hilfsfrist in acht Minuten erreicht, die im Brandschutzgesetz genannt ist, obwohl die Einsatzfahrzeuge mit Blaulicht und Martinshorn unterwegs waren.

Die dabei gemessenen Zeiten waren, wie es seinerzeit in der Sitzung hieß, sogar noch etwas „geschönt“, weil die Einsatzkräfte mit persönlicher Schutzausrüstung zum Festplatz gefahren waren. Hätten sie ihre Einsatzkleidung erst vor dem Besteigen der Fahrzeuge angelegt, wäre noch bis zu eine Minute hinzu gekommen.

Die Daten, die Kreutzfeldt seinerzeit vortrug: Zwischen Alarm an einem Freitag um 18.05 Uhr und der Ankunft am Redderkrug vergingen 14 Minuten. Die Einsatzfahrt zum Hochhaus in der Ferdinand-Tönnies-Straße an einem Sonnabendmorgen (10.48 Uhr) dauerte zwölf Minuten. Und zum Holundersteig, eine Querstraße des Braaker Mühlenweges, brauchten die Einsatzfahrzeuge abends neun Minuten.

Die in Hinsicht auf die Hilfsfrist unzureichenden Einsatzzeiten resultierten aus zwei Faktoren: Bis zum Ausrücken des ersten Fahrzeuges vergingen jedes Mal mindestens fünf Minuten, weil die Einsatzkräfte so lange brauchten, bis sie den Festplatz erreichten. Bei der Festlegung der Hilfsfrist war davon ausgegangen worden, dass die Anfahrt zu einem Feuerwehrhaus in vier Minuten zu schaffen ist.

Und wie die Anfahrt zum Festplatz länger dauert als zum Priwall, so sind auch die Wege zu vielen Orten vom Festplatz aus länger. Ein Zeitgewinn zu Einsätzen in Neudorf und Fissau ist ohne besonderen Wert: In beiden Ortsteilen gibt es eigene Wehren.

In der besagten Sitzung bekundeten seinerzeit laut Protokoll Vertreter fast aller Fraktionen die Bereitschaft, einen anderen Standort zu akzeptieren, wenn es eine geeignete Fläche gebe. Das Gelände des ehemaligen Güterbahnhofes, das aktuell für den Bau einer Turnhalle vorgesehen ist, war übrigens auch in der Diskussion.

Ebenso gab es ein bedeutendes Argument des damaligen Bürgermeisters Klaus-Dieter Schulz: Ein neues, zentrales Feuerwehrhaus auf dem Festplatz schließe nicht aus, dass es weiter eine kleine Feuerwache am Priwall mit einem Einsatzfahrzeug gebe, mit dem ein schnelles Eintreffen von Feuerwehrleuten am Einsatzort binnen Hilfsfrist auch in den südlichen und östlichen Teilen der Stadt gewährleiste. Die Blaue Lehmkuhle war nicht zuletzt von einer Mehrheit der Stadtvertretung als zukunftsträchtiger, für das Stadtgebiet zentraler Standort gesehen worden, falls es in naher Zukunft vielleicht einmal nicht mehr drei, sondern nur noch eine Ortswehr geben sollte.

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