Eisenbahn-Strecke : Neue Chance für Hein Lüttenborg?

Ein Investor will die Eisenbahn-Strecke Malente - Lütjenburg wiederbeleben. Er stellte einen Antrag auf Förderung als "Leuchtturmprojekt" bei der Aktiv-Region.

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29. April 2010, 10:18 Uhr

Rollen zwischen Malente und Lütjenburg schon bald wieder historische Dampfzüge? Das legt ein Antrag des nordrhein-westfälischen Eisenbahn-Unternehmers Ludger Guttwein nahe, den er bei den Aktiv-Regionen Ostseeküste und Holsteinische Schweiz gestellt hat. Demnach könnte die Wiederbelebung Hein Lüttenborgs zu einem besonders geförderten "Leuchtturm-Projekt" der Aktiv-Regionen werden.

Für 1,24 Millionen Euro will die "Stiftung Historische Bahnbauten", deren Vorstand Gutt wein ist, die Strecke von Lütjenburg bis zur Station "Holsteinische Schweiz" in Krummsee instandsetzen. Dafür könnten maximal Fördermittel von 500 000 Euro der Aktiv-Regionen fließen, wie aus Unterlagen des Hamburger Tourismus- und Freizeitinstituts "inspektour" hervorgeht, das die Begleitung des Projekts übernommen hat.

Den Betrieb historischer Bahnen soll ab 2012 die Westfälische Almetalbahn (WAB) aufnehmen, deren Geschäftsführer Guttwein ist. Ihm gehört auch die Deutsche Privatbahn in Hameln, seit 2008 Streckeneigentümerin.

Prognose: bis zu 45.000 Fahrgäste pro Jahr


Die veranschlagten 1,24 Millionen Euro sollen in Bau und Instandsetzung der Bahnsteige in Lütjenburg und Benz fließen, zudem sind ein Umsetzgleis im Bahnhof Benz und ein Lokschuppen in Lütjenburg geplant. Gedacht ist nicht nur an Fahrten am Wochenende, sondern während der Saison auch in der Woche. Insgesamt rechnet Guttwein mit jährlich 45 000 Fahrgästen, fünf Vollzeitstellen könnten während der Saison entstehen.

"Das wäre natürlich attraktiv", kommentierte Günter Möller, Geschäftsführer der Aktiv-Region Holsteinische Schweiz, die Pläne. Wichtig sei aus seiner Sicht allerdings die Anbindung der jeweiligen Endstationen. Es müsse gewährleistet sein, dass die Fahrgäste von Lütjenburg nach Hohwacht weiterkämen, machte Möller deutlich und nannte als "wilde Idee" einen historischen Panoramabus. Aber auch von Krummsee müsse die Weiterfahrt nach Bad Malente-Gremsmühlen gewährleistet sein. Dies könnte zum Beispiel die Schmalspurbahn "Hein Schüttelborg" leisten oder aber die Kellersee-Fahrt, wenn man dort einen Anleger baue.

Am Dienstag, 4. Mai, will der öffentlich tagende Vorstand der Aktiv-Region im Landgasthof Kasch über das Projekt beraten. Möller hofft, dass bereits im Juni eine Entscheidung darüber fällt, ob das Vorhaben als "Leuchtturmprojekt" beim Aktiv-Regionen-Beirat des Landes vorgeschlagen werden soll. Dort falle die endgültige Entscheidung.

Guttwein will die Strecke zunächst zwölf Jahre lang betreiben, ohne die Kommunen Lütjenburg und Malente finanziell an den Kosten und dem Risiko zu beteiligen. Das ist allerdings nicht ganz einfach: Denn die EU steuere bei privaten Antragstellern nur 55 Prozent der Fördersumme bei, erläuterte Möller. Dann müsste Guttwein Mittel beim Land locker machen.

Ungeklärt scheint unterdessen auch, wie sich der Nostalgiezug mit der Kleinbahn "Hein Schüttelborg" vertragen würde. Diese fuhr zuletzt zwischen dem Malenter Bahnhof und Krummsee, will aber weiter in Richtung Lütjenburg expandieren. Ob hier ein Nebeneinander möglich ist und wie dieses aussehen soll, zählt zu den Fragen, die geklärt werden müssten. Möller: "Wir werden erst einsteigen, wenn da Klarheit ist."

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