Neue Anreize zur Mülltrennung

Sven Kaerkes, Vorstand der Musterknaben eG (von links), Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, Carolin Poprawa, Vorstand Musterknaben eG, Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und Bernd Hentschel, Vorstand der Wankendorfer Baugenossenschaft, besichtigten die Müllschleuse am Haus Waldhöhe 13/15 in Plön.
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Sven Kaerkes, Vorstand der Musterknaben eG (von links), Dr. Bernd Buchholz, Minister für Wirtschaft, Verkehr, Arbeit, Technologie und Tourismus, Carolin Poprawa, Vorstand Musterknaben eG, Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und Bernd Hentschel, Vorstand der Wankendorfer Baugenossenschaft, besichtigten die Müllschleuse am Haus Waldhöhe 13/15 in Plön.

Die „Musterknaben eG“ wurden von der Oskar-Patzelt-Stiftung mit dem nicht dotierten „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet

shz.de von
17. Mai 2018, 12:59 Uhr

Als einer von drei Finalisten wurde die Genossenschaft „Musterknaben eG“ im September 2017 von der Oskar-Patzelt-Stiftung mit dem nicht dotierten „Großen Preis des Mittelstandes“ ausgezeichnet. Ihre Geschäftsidee: Mietern von Wohnungsunternehmen Anreize zur Mülltrennung und Müllreduzierung zu geben und zugleich Energiekosten zu senken.

Wirtschaftsminister Dr. Bernd Buchholz informierte sich gestern in Plön über das Konzept der „Müllschleuse“, das im April 2015 als erstes Projekt der Musterknaben landesweit im Wohnquartier Waldhöhe der Wankendorfer Baugenossenschaft eG umgesetzt wurde. Früher sei dort der Müll nach Größe der Wohnungen abgerechnet worden, heute werde einzeln abgerechnet, jede Partei verfüge über einen Chip zum Öffnen der Restmüllschleuse, erläuterte Musterknaben-Vorstand Carolin Poprawa.

Sozusagen an ihrem Küchentisch hätten 2012 acht Frauen und Männer in Kiel die Musterknaben gegründet. Sie und ihr Vorstandskollege Sven Kaerkes erzählten Minister Buchholz im Beisein von Andreas Breitner, Direktor des Verbands norddeutscher Wohnungsunternehmen (VNW) und Bernd Hentschel, Vorstand der Wankendorfer, von den Anfängen, als man Wohnungsunternehmen Konzepte für effizientere Heizungsanlagen und optimierte Abfalltrennung anbot. Heute ist die Genossenschaft in elf Bundesländern mit 200 Mitarbeitern vertreten und bietet zusätzlich Reinigungs- und Hauswartdienste, Verkehrssicherung, Grünpflege und Winterdienst an. Jeder könne für 50 Euro Mitglied werden.

Drei Müllschleusen an acht Müllplätzen stehen für die 100 Wohnungen in der Straße Waldhöhe zur Verfügung. Seit dem Start des Projekts im April 2015 würden jetzt laut Kaerkes statt 100 Liter Restmüll pro Woche nur noch 18 Liter entsorgt. Für die Mieter bedeute das Einsparungen bei den Müllgebühren um mehr als 75 Prozent. Vor dem Start landeten fast die Hälfte der Abfälle in den Restmülltonnen. Jetzt seien es nur noch 20 Prozent. Das spare pro Jahr 19 Tonnen Kohlendioxid durch bessere Auslastung der Behälter und die getrennte Erfassung der Wertstoffe.

Buchholz war beeindruckt: „Der Finalistenpreis ist fantastisch“, erklärte der Minister. Er habe eine besondere Affinität zu Genossenschaften, da sein Vater, ein Lebensmittelhändler, sich einst einer Einkaufsgemeinschaft angeschlossen habe. Seiner Ansicht nach agierten die meisten mittelständischen Unternehmen klein und bescheiden im Hintergrund. Ein solcher Preis sei Ansporn und Motivation und verdiene besonderes Augenmerk in einem Land, wo 98 Prozent der Betriebe mittelständisch geprägt seien und das Handwerk noch hinzukomme: „Sie schaffen Anreiz, über Müllvermeidung deutlich anders nachzudenken als in einem normalen Haushalt. Der ökonomische Anreiz für Private ist noch ausgesprochen gering. Es wäre eigentlich die richtige Idee, nach Müllanfall abzurechnen.“

Innovative Ideen zur Senkung von Betriebskosten sind auch Breitner ein Anliegen. „Die Wohnkosten hängen uns wie Blei am Hals,
wir brauchen bezahlbaren Wohnraum. Die Betriebskosten dürfen nicht höher sein als die Miete“, monierte der VNW-Direktor. „Der Preis betrachtet Unternehmen ganzheitlich, soziales Engagement ist ganz wichtig“, erklärte Gisela Heumann von der Oskar-Patzelt-Stiftung, die 1998 in Sachsen gegründet wurde und seit 2000 bundesweit agiert. Weitere Ideen seien willkommen: „In Schleswig-Holstein ist es noch ein bisschen dünn.“ Im Juni tage die Jury wieder.


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