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Ostholsteiner Anzeiger

21. Oktober 2017 | 14:50 Uhr

„Netto“-Pläne stoßen auf Skepsis

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Bau eines Verbrauchermarkts in der Lütjenburger Straße würde mit Einzelhandelskonzept kollidieren / Anwohner fürchten Lärm und Verkehr

shz.de von
erstellt am 24.Sep.2014 | 14:52 Uhr

Wirft Malente sein erst Ende vergangenen Jahres beschlossenes Einzelhandeslkonzept über den Haufen und nimmt die Bauleitplanung für einen Marken-Discounter in der Lütjenburger Straße auf? Diese Frage ließen die Mitglieder des Planungsausschusses am Dienstagabend unbeantwortet. Statt dessen wollen sie über den beabsichtigten Bau eines „Netto“-Marktes noch einmal in den Fraktionen beraten.

Zuvor hatte der Oldenburger Immobilienkaufmann Hans-Jürgen Löschky das Projekt vorgestellt und sich einige kritische Fragen von Anwohnern und auch aus den Reihen des Ausschusses anhören müssen. Entstehen soll der Markt dort, wo sich derzeit noch Bock’s Bau- und Bastelstube sowie eine Versicherung befinden (Lütjenburger Straße 22 bis 28). Investor sei Thorsten Schulze aus Hattstedt (Kreis Nordfriesland), der bereits zahlreiche ähnliche Projekte, vorwiegend in Schleswig-Holstein, verwirklicht habe, erläuterte Löschky. Ebenfalls im Boot sei Projektentwickler Günter Fröhlich aus Oldenburg.

Geplant sei eine Verkaufsfläche von 800 bis 1000 Quadratmetern auf dem hinteren Teil des Grundstücks, erläuterte Löschky. Derzeit betrage die Verkaufsfläche 500 Quadratmeter. Normalerweise erreiche ein vergleichbarer Markt eine Größe von 1500 bis 2000 Quadratmetern. Doch: „Wir haben der Situation Rechnung getragen.“

Zum Vergleich: Der Aldi-Markt – ebenfalls in der Lütjenburger Straße, aber deutlich zentrumsnäher – hat eine Verkaufsfläche von 900 Quadratmetern. Derzeit läuft eine Planung, die eine Erweiterung auf 1200 Quadratmeter vorsieht. Der Sky-Markt in der Bahnhofstraße soll von derzeit 1000 auf 2200 Quadratmeter wachsen, die Bauleitplanung steht vor dem Abschluss. Die „Netto“-Planung in der Lütjenburger Straße sieht außerdem rund 60 Parkplätze, vorwiegend im vorderen Grundstücksteil, vor.

Löschky ist durchaus bewusst, dass ein Discounter an der geplanten Stelle im Einzelhandeslkonzept der Gemeinde nicht vorgesehen ist. Dennoch warb er für das Projekt: „Wir haben uns die Situation in dem Quartier genau angesehen. Ein Bedarf ist vorhanden.“

SPD-Gemeindevertreter Heino Anders wies auf die Einfamilienhausbebauung im Umfeld hin und bezweifelte, das ein Verbrauchermarkt hierher passe: „Ich weiß nicht, ob das so pralle ist.“ Zwar räumte Löschky ein, dass es in unmittelbarer Nähe lediglich Einfamilienhäuser gebe, doch dahinter befinde sich eine massierte Wohnbebauung. Diese hätte dann eine fußläufige Versorgung. Zudem sei das geplante Gebäude nicht massiver als das jetzige. „Das würde sich in die Einfamilienhausbebauung sehr gut einpassen.“ Der zurzeit am Standort befindliche Betrieb habe keinen Nachfolger, erklärte Löschky. Mit dem Discounter könne die Gemeinde damit auch einen Leerstand vermeiden.

Die Anwohner Michael und Dieter Ulrich äußerte Bedenken wegen möglicher Lärmbelästigung etwa durch Autos, Lieferverkehr und rollende Einkaufswagen. Eine Anlieferung nachts werde es nicht geben, sie könne aber schon ab 6 Uhr morgens erfolgen, entgegnete Löschky. Ingrid Struck wies auf einen jetzt schon erheblichen Verkehr in der Lütjenburger Straße hin: „Wenn noch mehr Autos kommen, kommen wir überhaupt nicht mehr raus.“

Sollte die Gemeinde eine entsprechende Bauleitplanung aufnehmen, müsste sie ihr Einzelhandelskonzept ändern, stellte Bauamtsleiterin Britta Deubel klar. Damit werde das Ziel, die Bahnhofstraße zu stärken, konterkariert. Zwiegespalten zeigte sich Grünen-Gemeindevertreter Peter Sauvant: Die Pläne könnten nicht nur einen Leerstand verhindern, sondern auch dazu beitragen, die Verkehrssituation am künftig verdoppelten Sky-Markt in der Bahnhofstraße zu entspannen.

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