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Ostholsteiner Anzeiger

21. November 2017 | 16:59 Uhr

Malente : Naturschutz-Streit um Bauvorhaben

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Millionen-Projekt an der Sandkuhle: BUND-Ortsgruppe übt scharfe Kritik an Bauträger und Aufsichtsbehörden.

shz.de von
erstellt am 23.Okt.2017 | 11:26 Uhr

Werden Wildbienen ausreichend geschützt? Bleibt der Lebensraum für die Haselmaus erhalten? Über die Einhaltung naturschutzrechtlicher Vorgaben beim Bauvorhaben auf dem Gelände des ehemaligen Betonsteinwerks an der Sandkuhle in Malente ist ein heftiger Streit entbrannt. Das Elmshorner Unternehmen Semmelhaack will dort in Reihen- und Mehrfamilienhäusern insgesamt 45 Wohnungen bauen. Doch die Ortsgruppe des Bunds für Umwelt und Naturschutz (BUND) fürchtet, dass der Naturschutz dabei im wahrsten Sinne des Wortes mit Füßen getreten wird.

Schon vor dem Start der eigentlichen Bauarbeiten sei gegen gutachterliche Auflagen verstoßen worden, monieren die BUND-Mitglieder Ulf Werner und Dr. Dietmar Bethge. Der Rechtsanwalt wohnt an der Sandkuhle und hat deshalb ein besonderes Augenmerk auf das Bauvorhaben. „Die Mitarbeiter der Firma, die damit beauftragt war, das Bauschild auf dem Grundstück zu montieren, trampelten in Unkenntnis der artenschutzrechtlichen Situation auf dem Grundstück rücksichtslos in die Nistplätze der Wildbienen“, kritisiert Betke. Die Arbeiter seien offenbar nicht darüber informiert worden, dass hier besonders schützenswerte Bereiche bestünden. Diese könnten nach Auffassung des BUND am besten durch einen inneren Zaun auf dem Gelände geschützt werden.

Bethge hat bei der Gemeinde zwei naturschutzrechtliche Gutachten eingesehen. „Den Genehmigungsbehörden und dem Bauträger hat der Gutachter mit auf den Weg gegeben, dass etwa zum Schutz der Wildbienen kein weiterer Mutterboden auf dem Gelände ausgebracht werden soll, um die Populationen nicht zu zerstören“, berichtet er. Außerdem dürften die Ränder des Grundstücks als schützenswerte Biotope und als Lebensraum für die Haselmaus und die Wildbienen nicht verändert werden und müssten daher vor Zerstörung durch Baumaschinen und Betreten durch Bauarbeiter und spätere Anwohner geschützt werden.

Dem widerspricht Hartmut Thede. „Da, wo jetzt das Bauschild steht, ist nichts geschützt“, erklärt der Semmelhaack-Sprecher und Leiter der Projektentwicklung. Davon, dass der komplette Randstreifen geschützt werden müsse, wisse er nichts. Die Gutachtergemeinschaft GGV Freie Biologen in Altenholz (Kreis Rendsburg-Eckernförde) habe Gutachten für das Baugrundstück erstellt, berichtet Thede. Es seien 15 Vogelarten, darunter 13 Brutvogelarten, festgestellt worden, außerdem nutzten Fledermäuse das Gelände für die Nahrungssuche. Auch Wildbienen seien ermittelt worden, dabei handele es sich „um überwiegend häufige Arten“, sagt Thede. Der BUND spricht dagegen von „zum Teil hochgefährdeten Arten von Wildbienen, die auf dem Gelände nisten“. Dabei dürfte es sich um bis zu 50 Arten handeln, so der BUND, der auch von Pflanzen und Bäume spricht, die in der Roten Liste gefährdeter Pflanzenarten in Schleswig-Holstein als gefährdet oder besonders gefährdet eingestuft würden.

Bei einer Vegetationskartierung seien schützenswerte Biotope wie Trocken- und Magerrasenbereiche und artenreiche Steilhänge festgestellt worden, berichtet Thede. Ein Teil der Biotope seien über einen Gestattungsvertrag mit der Stiftung Naturschutz ausgeglichen worden, die artenreichen Steilhänge würden belassen. Alle Maßnahmen erfolgten in enger Abstimmung mit dem Fachdienst Naturschutz des Kreises Ostholstein, bekräftigt der Unternehmenssprecher.

In Abstimmung mit der Unteren Naturschutzbehörde (UNB) des Kreises seien zwei Gutachten durch den Bauherren in Auftrag gegeben worden, bestätigt Kreis-Sprecherin Carina Leonhardt. Der Behörde sei ein Bestand von Haselmäusen bekannt, dieser befinde sich jedoch nicht im Baubereich. Dort fänden sich ebenfalls keine Wildbienen. Der Kreis habe die Baugenehmigung daher ohne Auflagen erteilt. Deshalb erfolge auch keine Kontrolle: „Sonst wäre die UNB zuständig.“

Mit dieser Haltung ist Bethge alles andere als zufrieden. „Der BUND Malente fordert, dass Bauaufsicht und Bauträger ihrer Informations- und Überwachungspflicht in Zukunft strikt nachkommen“, erklärt er. Ansonsten falle in Malente eine arten- und biotopreiche Fläche komplett und unwiederbringlich dem Bagger zum Opfer. Von einer Gemeinde, die mit ihrer traumhaften intakten Natur werbe, aber auch von dem von ihr favorisierten Bauträger, wünsche sich der BUND einen anderen Umgang mit dem Arten- und Biotopschutz. In der Vergangenheit habe Malente daran offenbar kein Interesse daran gehabt, kritisiert Behtge. Denn auf einen Grünordnungsplan habe die Gemeinde bei der Aufstellung des Bebauungsplans ausdrücklich verzichtet, wie ihm der Kreis mitgeteilt habe.

Eigentlich war der Baubeginn für das Neun-Millionen-Euro-Projekt bereits für den Frühsommer geplant. Mittlerweile ist der erforderliche Erschließungsvertrag mit der Gemeinde, in dem die Gutachten eingeflossen sind, unterschrieben. „In diesen Tagen wollen wir loslegen“, sagt Thede. Dabei werde sich das Unternehmen nach den Gutachten richten.

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