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Ostholsteiner Anzeiger

22. November 2017 | 04:46 Uhr

Naturschützer warnen vor neuen Atomrisiken

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Zwischenlager an den Kernkraftwerken könnten noch über 100 Jahre in Betrieb bleiben

von
erstellt am 12.Okt.2017 | 17:06 Uhr

Der Umweltverband BUND hat vor wachsenden Gefahren durch die Lagerung von Atommüll gewarnt. Weil die Zwischenlager an den Kernkraftwerken, in denen abgebrannten Brennstäbe bisher aufbewahrt werden, voraussichtlich zwei- bis dreimal so lange in Betrieb bleiben müssten wie ursprünglich geplant, drohten dort neue Sicherheitsprobleme, erklärte gestern BUND-Chef Hubert Weiger in Berlin. „Wir müssen daher diskutieren, ob verbesserte Neubauten die alten Lager ersetzen müssen.“

Eigentlich will die Bundesregierung den hoch radioaktiven Atommüll aus den Reaktoren von 2050 an in ein unterirdisches Endlager bringen lassen, das bis dahin gebaut werden müsste. Doch selbst Experten der Endlagerkommission zweifeln an dem Zeitplan. So geht man in der Atomaufsichtsbehörde des grünen Kieler Umweltministers Robert Habeck davon aus, dass Brennstäbe aus den 16 oberirdischen deutschen Zwischenlagern erst zwischen 2080 und 2130 in ein neues Endlager kommen können, also erst in 60 bis 110 Jahren. So lange müssten sie in den Zwischenlagern bleiben.

Die allerdings sind nur für 40 Jahre ausgelegt und genehmigt – Krümmel in Schleswig-Holstein etwa bis 2046, Brokdorf bis 2047. Brunsbüttel hat überhaupt keine Betriebserlaubnis mehr, weil das Oberverwaltungsgericht Schleswig keinen ausreichenden Nachweis von Schutz vor Terrorangriffen sieht. Habeck hat eine Ausnahmegenehmigung erteilt, die allerdings im Januar ausläuft. Bis dahin hofft Betreiber Vattenfall auf eine neue Genehmigung.

Ab 2019 wird dann der Staat für alle Zwischenlager zuständig sein. Im Gegenzug haben die AKW-Betreiber 24 Milliarden Euro in einen staatlichen Fonds eingezahlt.

Die Umweltschützer vom BUND sehen nicht nur in Brunsbüttel, sondern in allen Zwischenlagern große Sicherheitsprobleme. „Wir haben Defizite beim Terrorschutz und beim Schutz vor Flugzeugabstürzen“, sagte Verbandschef Weiger. Zudem befürchtet er wegen der viel längeren Betriebsdauer der Lager weitere Sicherheitsrisiken wegen möglicher Materialermüdung an den Castor-Behältern mit den Brennstäben.

Weil ein Nachrüsten aller 16 Zwischenlager teuer würde, regt der BUND an, die alten Zwischenlager durch einige wenige neue zu ersetzen. Das befürwortet auch der Kieler Minister Habeck. Brunsbüttels Bürgermeister Stefan Mohrdieck plädierte unterdes dafür, ein „zentrales Eingangslager“ in der Nähe des künftigen Endlagers zu bauen, in das der Atommüll zunächst gebracht werden könnte.


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