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Ostholsteiner Anzeiger

26. September 2017 | 16:51 Uhr

Naturkunde kommt ohne Knalleffekte aus

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Unterstützung für Bärbel Wilkens’ ehrenamtliches Engagement in Kindergärten

von
erstellt am 05.Jun.2015 | 12:43 Uhr

Chemie-Unterricht wie in Heinrich Spoerls „Feuerzangenbowle“, bei dem es kräftig zischt und kracht, sind Bärbel Wilkens ein Gräuel: „Das ist Quatsch.“ Im Gegenteil: Die pensionierte Chemie-Lehrerin möchte verhindern, dass Kinder durch mangelnde Kenntnis über die chemische Reaktionen in Gefahr geraten. Das gehört zu ihrem ehrenamtlichen Projekt „Naturwissenschaft zum Anfassen in Kindergärten“.

Ihre Arbeit begeistert nicht nur Kinder, deren Eltern und das Personal von Kindergärten, sondern auch die Verantwortlichen des Lions-Clubs Eutin und der Volksbank Eutin: Gestern nahm Bärbel Wilkens offiziell 3500 Euro in Empfang. 3000 sind der Erlös der vom Lions-Club organisierten Veranstaltung „Schloss im Mai“, 500 Euro steuerte die Volksbank Eutin bei.

Das Geld ist keine Aufwandsentschädigung für die Arbeit von Bärbel Wilkens, sondern für den Kauf von Material. „Ich möchte, dass die Kindergärten alles bekommen, was man für diesen Unterricht braucht, Material und Schutzkleidung für die Kinder“, erklärt die 67-Jährige, die schnell verrät, dass sie Pädagogin mit Leib und Seele ist.

Die gebürtige Eutinerin war 40 Jahre Chemie-Lehrerin in Hamburg. Neben dem Unterricht an der Oberstufe führte sie an der Schule das „Offene Chemie-Labor“ für jüngere Jahrgänge ein. Der Besuch eines Kongresses in Stuttgart lieferte ihr die Anregung, auch für noch jüngere Jahrgänge einen altersgerechten „Chemie-Unterricht“ anzubieten.

Nach 40 Jahren im Schuldienst kehrte Bärbel Wilkens 2013 am Ende des Schuljahres nach Eutin zurück und begann schon nach den Sommerferien mit ihrer Arbeit in Kindergärten.

Daraus sind 13 Gruppen von bis zu acht Kindern geworden, die sie in drei Eutiner Kindergärten sowie einem in Malente und einem in Hutzfeld regelmäßig betreut. Da lernen die Kinder, dass viele Stoffe im Haushalt sehr gefährlich sein können, und das gilt nicht nur für Putzmittel: Auch Hirschhornsalz oder Backpulver zum Beispiel können Gesundheitsschäden verursachen.

Die Kinder erfahren, was mit Farben passiert, wenn man sie verwässert. Oder Bärbel Wilkens stellt gemeinsam mit den Kindern eine Hautcreme her. „Es ist eine milde Creme aus natürlichen Bestandteilen. Es kommt ein Mittel zur Konservierung hinzu, sonst könnte man die Creme sogar essen.“

Die Pädagogin hat die Themen dieses Unterrichts selbst entwickelt und an ihrem Neffen „getestet“, wie sie gesteht. Mittlerweile leitet sie Erzieherinnen an und hofft, dass diese einmal diese Form des Unterrichts weiterführen. Bärbel Wilkens würde sich über weitere Verstärkung bei ihrer Arbeit freuen – die fachliche Eignung vorausgesetzt.

Und was stört sie an Chemieunterricht mit Versuchen, bei denen es zischt und kracht? „Die Kinder sollen doch gar nicht auf die Idee gebracht werden, etwas Gefährliches selbst auszuprobieren.“

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