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Ostholsteiner Anzeiger

19. November 2017 | 00:34 Uhr

Natur-Geheimnissen auf der Spur

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Gelungene Premiere: Nacht der Wissenschaft mit Aktionen und Vorträgen an sieben Standorten in Plön

shz.de von
erstellt am 01.Okt.2017 | 17:11 Uhr

Ähnlich wie in einem Krimi und mindestens ebenso spannend kann Forschung sein. Auch für unzählige Besucher, die Freitagabend das Angebot nutzten, sich in der „Nacht der Wissenschaft“ an sieben Standorten in Plön mit Aktionen und Vorträgen in die Geheimnisse von Bakterium und Co. entführen zu lassen. Für Plön und sein Max Planck-Institut der Evolutionsbiologie war es nach dem Kieler Auftakt 2016 die erste Nacht der Wissenschaft. Landesweit machten außerdem Preetz, Eckernförde, Rendsburg und Kiel mit.

„Wie sieht dein Name als DNA-Code aus? Was ist ein mikrobieller Fingerabdruck? Der zehnjährige Max ist neugierig. Der Fünftklässler am Gymnasium Schloss Plön liebt Biologie und Erdkunde, Mathe, Deutsch und manchmal Englisch. Anhand des Übersichtsplans entscheidet er sich spontan für die Station, wo er seinen mikrobiellen Fingerabdruck entdecken kann. Am 9. Oktober wird er ihn im Internet als Foto auf der Webseite des Instituts sehen. Mit seiner Mutter Andrea Mudter lässt sich Max von den Wissenschaftlern Meriem Balouane und Jan Schubert erklären, wie aus dem Pfötchenabdruck einer Katze ein Bakterienstamm wird, aus dem die DNA heraus extrahiert wird. „Das ist einfacher, als ich gedacht habe“, kommentiert der Steppke das Geschehen. Seine Mutter will wissen, ob die Kripo dies genauso mache, und Schubert schildert, wie Fingerabdrücke und Haare von einem Tatort untersucht werden. Immunerkrankungen ließen sich mit guten mikrobiellen Bakterien therapieren, führt Meriem Balouane aus.

In der Hausmaus-Station kann Max einen kleinen Gewinn einstreichen. Er schafft es, alle Gegenstände in einem Fühlkasten zu ertasten. Laufrad, Sägespäne, Futter, Stoffmaus und die puddingartige Agar-Agar-Nährlösung erkennt er wieder, und wie Mäuse singen, wenn sie sich gegenseitig verständigen, erfährt er über einen Kopfhörer am Computer. „Ich habe Gequieke gehört, und manche der Mäuse haben gepfiffen“, gibt der Lütte eine weitere Entdeckung wieder.

Bei Wissenschaftler Michael Sieber haben sich Elfriede und Hans-Joachim Steffens den Namen ihrer Enkelin Leila Teresa als DNA-Code buchstabieren lassen und nehmen für sie das Armband als Geschenk mit nach Hause. „Leila Teresa geht in die 11. Klasse und will Naturwissenschaften studieren, deshalb sind wir hier“, erklärt der Senior. Seine Frau ist fasziniert von Charakteren und Instinkten der Tiere, und was diese dadurch erreichen können. Und davon, dass man Krankheiten durch Forschung heilen könne, wenn ein Kind noch im Mutterleib sei. Inzwischen hat sich auf dem Flur ein erster Stau gebildet. Viele lauschen der Biologin Hannah Justen, die sich mit dem Zugverhalten von Vögeln befasst. Sie zeigt einen winzig kleinen Geolokator, der Zugvögeln auf den Rücken gebunden wird, um den Vogelzug zu erforschen. Durch die Intensität des Lichteinfalls misst das Gerät, wo in der Welt sich ein Vogel bewegt hat. Gefiederten Heimkehrern wird außerdem ein wenig Blut abgenommen und genetisch ausgewertet. Von 200 Entsandten 2016 seien 24 in die Fangstation zurückgekehrt, berichtet Justen und erzählt von Flügel-Spannweiten, dass Singvögel nachts fliegen, davon, dass sie das Erdmagnetfeld wahrnehmen und so ihren Weg finden. „Der Vogelzug ist immer noch ein Phänomen, das wir nicht ganz verstehen“, sagt sie. Und erklärt einem Zuhörer, der wissen will, welchen Nutzen er von den Erkenntnissen hat: „Jede Art hat ihre Funktion in der Natur. Das ist wichtig, weil wir noch nicht so viel über die Natur wissen.“

Verwaltungsleiterin Isabel Palmtag ist zufrieden mit der Resonanz. „Ich hoffe, dass die Leute ein bisschen was mitnehmen können und selber ausprobieren. Es macht Spaß, das alles aufzubereiten.“ Wegen des Erfolgs der Ausstellung zu 125 Jahre Max-Planck-Institut im Museum des Kreises Plön sei die Schau bis 7. Dezember verlängert worden. Weitere Infos gibt es unter www.evolbio.mpg.de.

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