Nato als Stabilisator des Friedens

Prof. Dr. August Pradetto setzte sich vehement für den Erhalt der Nato ein, mahnte aber auch Reformen an.
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Prof. Dr. August Pradetto setzte sich vehement für den Erhalt der Nato ein, mahnte aber auch Reformen an.

Professor August Pradetto sprach sich beim Friedenskreis für den Erhalt der Nato aus und erntete einigen Widerspruch

shz.de von
15. Januar 2018, 00:17 Uhr

Wenn der Friedenskreis Eutin zu einem Vortrag mit dem Titel „Die Nato – Friedensmacht oder imperiales Instrument?“ einlädt, scheint klar, welchen Grundtenor der Abend haben wird. Jedenfalls schienen nicht wenige der 100 Besucher in der Eutiner Kreisbibliothek eine sehr schlechte Meinung von der Nato zu haben. Doch Professor Dr. August Pradetto überraschte seine Zuhörer. „Die Wahrnehmung, dass die Nato eine Kriegsorganisation ist, halte ich für falsch“, verkündete der Politikwissenschaftler. „Es gab mit dem Einsatz im Kosovo erst einen einzigen Nato-Krieg, der nicht mit dem eigenen Vertrag übereinstimmte.“

Vielmehr beschrieb Pradetto die Nato als einen wichtigen internationalen Stabilisierungsfaktor. Der regelmäßige Austausch unter den 29 Mitgliedsstaaten und die Vergemeinschaftung der Sicherheits- und Verteidigungspolitik verhindere Alleingänge der Teilnehmer. Und versuchte Alleingänge, die gebe es immer wieder. Ebenso wie Versuche, die Nato zu instrumentalisieren, besonders von den USA. Betrachte man die Absurditäten der amerikanischen Außenpolitik, so könne man denken, es sei besser die Nato aufzulösen und Europa so dem Zugriff der USA zu entziehen. „Dem entgegne ich: Länder wie Großbritannien, Polen und Rumänien würden auch so jede amerikanische Aktion mitmachen“, erteilte Pradetto dieser Idee eine Absage. „Ob es die Nato gibt oder nicht – es wird in Europa immer Länder geben, die sich von einer Zusammenarbeit mit den USA Wohlwollen und wirtschaftliche Vorteile erhoffen.“

Vor diesem Hintergrund habe die Nato viele Vorteile. „Eine entscheidende Funktion sind die Mechanismen, in denen Konflikte besprochen werden“, betonte Pradetto. So werde eine Frontbildung verhindert und Vertrauen unter den Mitgliedern geschaffen.

Allerdings muss dafür in Zukunft eine Sache passieren: „Es ist meine Grundüberzeugung: Unsere erste Aufgabe, wenn es um Frieden in Europa und der Welt geht, ist, die Rechtsgrundlagen, an die sich Länder halten müssen, zu stärken.“ Mit George W. Bush und besonders nach dem 11. September habe ein besorgniserregender Abbau der Rechtsstrukturen und des Rechtsbewusstseins eingesetzt. Als Beispiel nannte Pradetto den Rechtsbruch bei den internationalen Interventionen im Syrien-Krieg. In Zukunft müsse auf eine Koalition der Rechtsstärkenden gegenüber den Kriegswilligen hingearbeitet werden. Aber, so fügte Pradetto hinzu, er halte nicht per se alle militärischen Einsätze für falsch.“ Die Blauhelm-Einsätze der Vereinten Nationen sind eines der wichtigsten Mittel, um den Frieden zu sichern.“

Nicht alle der 100 Besucher des Vortrages teilten Pradettos wohlwollenden Blick auf die Nato. Großen Applaus erhielten in der anschließenden Diskussion Beiträge, in denen der Nato Provokationen gegenüber Russland vorgeworfen, ihre atomare Erstschlagsstrategie kritisiert und auch eine reformierte Nato als unnütz bezeichnet wurden. Pastor Lutz Tamchina, Mitglied des Eutiner Friedenskreises, freute sich über diese Beiträge. „Ich bin froh, dass wir echte Widersprüche im Raum hatten“, sagte er zum Schluss der Veranstaltung.

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