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Ostholsteiner Anzeiger

17. Dezember 2017 | 11:14 Uhr

Nahwärmepläne stoßen auf Skepsis

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Unternehmer aus Schönberg warb in Benz für seine Idee, die Dorfschaft mit umweltfreundlicher Energie zu versorgen

shz.de von
erstellt am 31.Jan.2014 | 00:31 Uhr

Wird Benz zu einem
Pionier einer kostengünstigen und umweltfreundlichen Wärmeversorgung? Diese Vision präsentierten die Unternehmer Hermann und Ralf Stoltenberg, Vater und Sohn, aus Schönberg (Kreis Plön), am Mittwochabend bei einer Informationsveranstaltung im „Benzer Hof“.

Zentraler Bestandteil des Vorhabens wäre ein Blockheizkraftwerk, das zu 20 Prozent mit Gas und zu 80 Prozent aus Erdwärme oder Wärme aus dem Benzer See gespeist würde, wie Hermann Stoltenberg, der das Wort führte, erläuterte. Für eine Erdwärmesonde wären mehrere Kilometer Horizontalbohrungen erforderlich. Den Flächenbedarf bezifferte Stoltenberg mit etwa zwei Hektar. Einen möglichen Standort nannte er nicht, zeigte sich aber von seiner Idee überzeugt: „Der Schlüssel für die Raumenergie liegt in Nahwärmenetzen.“

Die einzelnen Haushalte würden über ein Nahwärmenetz versorgt. Grundlage für das Projekt wäre eine Genossenschaft aus Benzer Bürgern, die BHKW und Nahwärmenetz betreiben würde. Immerhin 15 Einwohner der Malenter Dorfschaft bekundeten im Anschluss an die über zwei Stunden dauernde Veranstaltung ihr Interesse. Etwa 40 Gäste, darunter auch von außerhalb, waren zu der Veranstaltung gekommen.

Schnell wurde klar: Ein ausgearbeitetes Konzept und konkrete Zahlen konnten die Stoltenbergs nicht liefern. Referenzen für ein vergleichbares Vorhaben in anderen Orten haben die Unternehmer, die sich in den vergangenen Jahren vor allem auf Wärmepumpen spezialisiert haben, ebenfalls keine. Das ist allerdings auch nicht verwunderlich: „Hier im Norden sind wir meines Wissens die einzigen, die so etwas anschieben wollen“, erklärte Stoltenberg.

Die Gründung von Bürgergenossenschaften sei aber ein bundesweiter Trend, sagte der Unternehmer. Das bestätigte Hartmut Bödecker, Rechtsanwalt in Diensten des Genossenschaftsverbands in Rendsburg. „Dafür, dass Nahwärme funktioniert, gibt es viele Beispiele“, erklärte er. Oft werde so die Abwärme von Biogasanlagen verteilt. Bei der Gründung von acht oder neun Genossenschaften als Betreiberinnen eines solchen Netzes habe er mitgewirkt. „Am Anfang musste viel geplant werden auf Basis großer Bereitschaft“, berichtete er. Das A und O aus seiner Sicht: eine hohe Anschlussdichte.

„Ich rechne damit, dass wir etwa 50 Leute zusammenkriegen, wenn wir unsere Planungen vorlegen“, erklärte Hermann Stoltenberg. Er hofft auf eine Beteiligung von letztlich 80 Prozent. Das erscheint zumindest ehrgeizig. Dorfvorsteher Fritz Kamkalow beziffert die Zahl der Gebäude in Benz auf etwa 120. Er wies zudem eindringlich darauf hin, dass die Wirtschaftlichkeit des Projekts mit der Qualität des Nahwärmenetzes stehe und falle. Minderwertige Rohre könnten undicht werden, womit erhebliche Wärmeverluste einhergingen. Kamkalow muss es wissen: Der Physiker kommt aus der Fernwärmebranche. Die Kosten für ein Nahwärmenetz schätzt er auf 700 000 bis 1,5 Millionen Euro.

Hermann Stoltenberg versuchte, die Bedenken zu entkräften. Es würden keine anfälligen Kunststoff-, sondern isolierte Stahlrohre verwendet. „Sie sind einfach zu skeptisch. Wir sind keine Hasardeure“, erklärte der Unternehmer, und verwies auf die Geschichte seiner Firma, deren Wurzeln ins Jahr 1896 zurückreichten und die früher mit Kohlen und bis vor sechs Jahren noch mit Öl gehandelt habe.

Bedenken hatten zuvor auch andere geäußert. Gemeindevertreter Thorsten Rosplesch (CDU) empfahl Stoltenberg, sich im Malenter Rathaus um eine Genehmigung zu kümmern, bevor er seine Pläne weiterverfolge. Günther Koch, langjähriger Vorsitzender des Malenter BUND und ehemaliger Umweltbeauftragter der Gemeinde, bezweifelte, dass sich genügend Interessenten finden ließen. Wer eine neuere Heizung habe, werde nicht mitmachen wollen.

Die Genossenschafter sollen immerhin kräftig sparen. Während sie für Öl etwa 12 Cent pro Kilowattstunde (Ct/kWh) aufwenden müssten, lägen die Kosten bei einem vorwiegend über Erdwärme versorgten Nahwärmenetz bei 8 bis 10 Ct/kWh, rechnete Stoltenberg vor. Zu den geringen Kosten trügen auch Fördergelder bei, erläuterte Bödecker. So gebe die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) erhebliche Fördermittel, wodurch das erforderliche Eigenkapitel der Genossenschaft sinke. Ein Drittel gebe es als Zuschüsse, 25 bis 30 Prozent müssten die Nutzer aufbringen. Bödecker sprach beispielhaft von 220 000 Euro Eigenkapital und Kosten von 3000 bis 3500 Euro pro Anschluss.

Sollte die Vision des Plöner Unternehmers tatsächlich Wirklichkeit werden, könnte Benz auch noch auf einem ganz anderen Gebiet profitieren. Mit dem Nahwärmenetz könnte für geringe Mehrkosten auch ein Glasfaserkabel verlegt werden. Dann hätte das Dorf auch schnelles Internet.

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