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Ostholsteiner Anzeiger

22. August 2017 | 17:31 Uhr

Nachbarwehren üben für Ernstfall

vom
Aus der Redaktion des Ostholsteiner Anzeigers

Kräfte aus Neudorf, Bösdorf und die schnelle Einsatzgruppe aus Süsel „retteten“ sieben Verletzte aus brennender Tankstellenwerkstatt

Der Horror für die Einsatzkräfte von Feuerwehr und Rettungsdienst wäre das Szenario, das sie am Freitagabend gemeistert haben, wenn es keine Übung gewesen wäre. „Es gab eine Explosion in der angrenzenden Tankstellenwerkstatt. Ein Auto brennt, darin zwei Kinder und ein ein Erwachsener. Im Gebäude selbst brennt es auch, mehrere Menschen werden vermisst“, schildert Olaf Weidemann die Ausgangssituation, die er in den vergangenen beiden Wochen für die Neudorfer Wehr als Übung zusammen mit den Bösdorfern ausgeklügelt hat. Auch 17 Männer und Frauen der schnellen Einsatzgruppe des DRK aus Süsel und Neustadt nutzen die Chance, gemeinsam mit den anderen Rettungskräften zu üben.

Nur wenige wussten, dass sie zu einer Übung fahren, als die Alarmierung 20.10 Uhr auf ihrem Pieper aufblinkte „Feuer Mittel“ und „Menschenleben in Gefahr“. Der stellvertretende Einsatzleiter der Neudorfer Wehr, Stefan Zein, wurde ins „kalte Wasser“ geworfen und zum Einsatzleiter des Abends gemacht. „Es ist eine Bewährungsprobe und eine wichtige Übung für uns alle“, sagt Weidemann. In kurzer Zeit ist die Tankstelle umparkt von Einsatzfahrzeugen. Auch Schaulustige spähen von weiter weg, bevor sie dann doch mit ihren Einkäufen den Heimweg antreten.

Das Problem für den Einsatzleiter sind nicht die Schaulustigen, sondern die knappen Atemschutztrupps. „Man rechnet in der Regel damit, dass ein Trupp, also zwei Atemschützer, zwei Personen finden und bergen können. Mindestens ein Trupp muss in Reserve bleiben laut Vorschrift, um im Zweifel die eigenen Leute retten zu können. Was passieren kann, wenn Atemschutzgeräteträger knapp sind und man zugunsten der Menschenrettung davon abweicht, hat man in Marne gesehen“, sagt Marco Wriedt, stellvertretender Gemeindewehrführer.

Das Feuer ist schnell gelöscht, die Werkstatt allerdings komplett verraucht – für die Atemschutztrupps eine schwierige Situation, um auf dem Boden kriechend Vermisste zu finden. „Beim echten Einsatz würde man jetzt belüften, um bessere Sicht für die Einsatzkräfte zu erreichen. Das würde hier aber den Übungszweck vernichten“, sagte Gemeindewehrführer Heiko Kreuzfeld, der ebenfalls „zum Schauen“ gekommen war. Die Atemschutztrupps konnten sich mit einer Neuanschaffung helfen – einer Wärmebildkamera, die Körper sofort sichtbar macht.

Nach einer Stunde Akkord-Übung das erste knappe Fazit vom Einsatzleiter selbst: „Ich brauche noch mehr Übung.“ Als Einsatz mit Lerneffekt bezeichnen es dienstältere Kameraden – „aber dazu dient eine Übung ja auch.“

Übungserfinder Weidemann fügt noch hinzu: „Wir üben ja auch, weil wir einige neue Mitglieder dabei haben. Aber leider immer noch viel zu wenige. Dabei ist Feuerwehr viel mehr als nur Löschen, es ist Gemeinschaft und Dorfleben.“

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erstellt am 10.Apr.2016 | 17:14 Uhr

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